„Hambi bleibt!“

Am 6.10. fand am Hambacher Forst die Demo „Wald retten – Kohle stoppen!“ statt. bonnFM war für euch vor Ort und hat euch einige persönliche Eindrücke mitgebracht.

Samstagmorgen, wir starten nach einer vorabendlichen Geburtstagsfeier von Düsseldorf aus und halten es für eine gute Idee, das Auto zu nehmen, da die Bahnen völlig überlastet sein sollen. Spoiler: Die Autobahn war es auch!

Auf der Aktionshomepage steht, mit dem Auto muss man auf jeden Fall die A4 Ausfahrt 7a nehmen, nicht 7b und erst recht keine andere Autobahn. Sonst findet man den von der Polizei bereitgestellten Parkplatz wohl nicht. Spoiler: Der war eh überfüllt!

Wir fahren also brav über die A4 und stehen natürlich im Stau. Von unterwegs lese ich in der Facebook-Veranstaltung, dass die Ausfahrt 7a mittlerweile von der Polizei gesperrt wurde und man lieber die 7b nehmen sollte, toll, da sind wir gerade schon dran vorbei. Die komplette rechte Spur steht mittlerweile still und die Menschen steigen schon aus ihren Autos aus. Zum Glück gibt es von oben auf den Brücken lautstarken Zuspruch von den Menschen, die wahrscheinlich mit der Bahn gefahren sind und jetzt auf dem Fußweg zum Veranstaltungsort sind. Wir antworten mit Hupen und Winken. Schon hier auf der Autobahn macht sich ein Gemeinschaftsgefühl breit.

Es heißt, man solle bis Düren fahren und von dort die S-Bahn nehmen, allerdings wurde der S-Bahn-Verkehr aus unerklärlichen Gründen von der Polizei vorläufig gestoppt. Vielleicht Überfüllung?

Bild: Michael Halbey

Langer Fußmarsch durch die Dörfer

Also überlegen wir es uns anders und versuchen einfach, so nah wie möglich mit dem Auto an den abgesperrten Bereich zu kommen. Wir landen in Ellen. Ein kleines Örtchen, in dem es heute wahrscheinlich mehr Autos als Einwohner gibt. Von dort laufen wir dann los und folgen einfach den hunderten anderen Menschen, die auch offensichtlich auf dem Weg zur Demo sind. Überall sehe ich parkende Autos, die Nummernschilder verraten mir, dass sie aus ganz Deutschland und sogar aus den Niederlanden kommen. Viele Menschen haben schlauerweise ihre Fahrräder mitgebracht und fahren von den doch sehr weit entfernten Parkmöglichkeiten mit dem Fahrrad zu dem großen Feld. Die ersten Menschen kommen uns schon wieder entgegen, wir haben mittlerweile auch schon 13 Uhr und sind seit 2 Stunden unterwegs. Unser Weg führt durch einen verlassenen Ort, dessen Einwohner wahrscheinlich von RWE schon umgesiedelt wurden. Es wirkt wie eine Geisterstadt, doch nun wandern hunderte von Menschen mit Plakaten und Kostümen durch diesen kleinen Ort und erwecken ihn fast zum Leben.

Sonne, Bühne, Festivalstimmung

Nach einer Dreiviertel Stunde Fußmarsch kommen wir endlich an dem riesigen Feld vorm Hambacher Forst an, das von RWE für die Demo bereitgestellt wurde. Zehntausende von Menschen sind schon da und es sind wahrscheinlich immer noch Zehntausende unterwegs. Darunter Menschen jeden Alters, viele junge Menschen aber auch Familien mit Kindern genauso wie ältere Menschen, die diese teils doch eher umständliche und langwierige Anreise auf sich genommen haben. Die Sonne scheint, die Stimmung ist ausgelassen und erinnert mit der großen Bühne und der Livemusik eher an ein Festival. Aber durch die vielen Plakate, Fahnen, Reden und „Hambi bleibt!“-Ausrufe wird man daran erinnert, dass es sich um eine Demonstration handelt.

Bild: Michael Halbey

Noch am Tag zuvor wurde das von der Polizei ausgesprochene Verbot der Demonstration vom Verwaltungsgericht Aachen gekippt. Viele Aktivisten waren ohnehin schon unterwegs um sich für den Kohleausstieg stark zu machen und hätten sich wahrscheinlich durch das Verbot auch nicht davon abhalten lassen, zum Hambacher Forst zu reisen und zu demonstrieren. Außerdem wurde ebenfalls am 5.10. vom Oberverwaltungsgericht Münster auf Grundlage der Klage des BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland) entschieden, dass die Rodungen vorläufig gestoppt werden müssen. Dieser Etappensieg hat der Festivalstimmung vor Ort wahrscheinlich noch mal das gewisse Extra gegeben. Die Menschen haben gemerkt, dass es noch nicht zu spät ist und dass man noch was erreichen kann.

50.000 ja oder nein?!

Im Vorfeld wurden 20.000 Menschen erwartet, doch vor Ort sprachen die Veranstalter von campact davon, dass es insgesamt weitaus mehr seien, sie nannten die magische Zahl 50.000, worauf mit großem Jubel geantwortet wurde. Den ganzen Tag über kamen viele Menschen, die teilweise sehr lange unterwegs und daher nicht alle gleichzeitig auf dem Feld waren. Ich habe auch mit einem Vertreter der Polizei gesprochen und dieser konnte die Zahl 50.000 nicht offiziell bestätigen, aber auch aus der Sicht der Polizei waren es weitaus mehr Menschen als erwartet und trotzdem verlief alles ruhig und ohne Zwischenfälle ab.

Fazit des Tages

Die Demo am Hambacher Forst war ein voller Erfolg, die unterschiedlichsten Menschen haben zusammen gefunden um für ein Ziel zu demonstrieren: Hambi bleibt! Und das haben sie auch vorerst erreicht. Aber da RWE alles daran setzen wird die „zwingend erforderlichen“ Rodungen fortzusetzen, gingen die ersten Aktivisten schon wieder in den Wald um diesen erneut zu besetzen.

Wir haben uns am späten Nachmittag dann auf die Rückreise gemacht, da uns irgendwann die Wasservorräte und Nahrungsmittel ausgingen und „Festivalstimmung“ (zum Glück) nicht gleich heißt, dass überall Fressbuden vorhanden sind, es gab genau eine, die hoffnungslos überlaufen war. Aber da hätten wir uns auch einfach etwas besser vorbereiten können, ich weiß.