Brainlevel: Eine Revolution der Nachhilfe?
Bild: Brainlevel

Brainlevel: Eine Revolution der Nachhilfe?

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Die App Brainlevel will die Welt der Nachhilfe revolutionieren. Sie vermittelt Schüler*innen und Lehrende und organisiert so Online-Nachhilfe. Wir haben die App für Euch getestet. 

Die Klausur steht kurz bevor, aber der Stoff ist immer noch unverständlich? Die Mitstudierenden sind gerade auch im Stress und können dir nicht helfen? Früher wäre man in diesem Fall vielleicht einfach zum Schwarzen Brett in der Nussbib gefahren und hätte die erstbeste Person angerufen, von der man sieht, dass sie Nachhilfeunterricht anbietet. Aber seit wir in der Coronakrise nur noch im Homeoffice herumhängen dürfen, ist das nicht mehr möglich. 

„Warum gibt es da nicht auch ´ne App zu?“, denkt sich der Physik-Student Antonio Lorenz, schnappt sich seine Freunde und bringt sich App-Programmierung bei. Heraus kommt dabei Brainlevel – zunächst noch in der Form von Präsenz-Nachhilfe geplant. Doch dann, kurz vorm Start der App, bricht das Coronavirus aus und die Pläne scheinen wertlos: „Wir hatten das erste richtig harte Down und wussten nicht, was wir jetzt tun, wie wir weiter vorankommen“, erzählt Antonio. „Dann haben wir aber mal genauer drüber nachgedacht und sind letztendlich darauf gekommen das alles auf Video-Nachhilfe umzumünzen“. Jetzt ist es sozial etabliert auch mal zu videochatten, weshalb die Nachhilfe über Skype oder Zoom gehalten wird. Vor Corona waren diese Option quasi nicht denkbar, oder wie Antonio es bezeichnet: „cringe“. Bezahlt wird natürlich auch online über einen PayPal-Link.

Zu teuer?

20 Euro kostet eine Nachhilfestunde, das mag teuer wirken, wenn man es mit Gruppennachhilfe oder privat organisierter Nachhilfe von Schülerinnen und Schülern vergleicht. Die Qualität der Nachhilfe soll aber in der Online-Einzelnachhilfe mit Brainlevel sichergestellt sein. Denn das Entwickler-Team hat sich aus diesem Zweck ein Level-System ausgedacht, das ganz transparent zeigt, „welche Erfahrung ein Lehrer objektiv an den Tag legt“, so Antonio Lorenz. Pro Nachhilfestunde bewerten sich Schüler*in und Lehrer*in und für beide heißt es dann automatisch: level-up! Schüler*innen wählen dann eher erfahrene Lehrpersonen mit einem hohen Level aus, umgekehrt profitieren die Schüler*innen ab einem gewissen Level auch von Vergünstigungen. Dabei sinkt das Level jedoch über die Zeit auch kontinuierlich, „da du an Können verlierst, wenn du nicht regelmäßig unterrichtest“. Also ein zusätzlicher Anreiz, dabeizubleiben.

Damit soll wahrscheinlich auch verhindert werden, dass nach der ersten Vermittlung von Schüler*in und Lehrer*in die Nachhilfe außerhalb der App organisiert wird. Denn als lehrende Person geht pro Unterrichtsstunde jeweils 2,79€ vom Gehalt als Vermittlungsgebühr zu Brainlevel ab. 

Nur wer hat, dem wird gegeben

Das bedeutet in der aktuellen Version jedoch auch, dass Personen, die sich die App gerade erst heruntergeladen haben und mit niedrigem Lehr-Level starten, zunächst länger auf Aufträge warten müssen, denn wer sollte auf sie zugehen? Ein weiteres Problem ist bisher noch das numerische Verhältnis zwischen den Nutzenden, die Nachhilfe anbieten und jenen, die sie einfordern. Erst wenn es viele Schüler*innen und wenige Lehrende gibt, funktioniert die Vermittlung gut, weil die Personen in der Rolle der Lehrenden oft auch mehreren Schüler*innen Unterricht geben. Doch an beiden Punkten wird für zukünftige Updates schon gearbeitet, so Antonio Lorenz. 

Fazit: Was taugt die App?

Die Vermittlung von Hilfesuchenden und -gebenden ist natürlich nützlich, wenn nicht sogar sehr lobenswert. Gerade durch Zeiten von Online-Unterricht und damit einhergehenden Lernschwierigkeiten genauso wie Job-Verluste bei vielen Studierenden, bietet die App relevante Anreize, natürlich auch durch eine hohe Vergütung. Die Preise könnten aus Schüler*innen-Sicht hingegen etwas hoch zu sein. Wahrscheinlicher als eine langfristige Nutzung der Nachhilfe scheint deswegen eher die Möglichkeit attraktiv, in einer akuten Not-Situation schnell Hilfe zu bekommen. 

Gerade der integrierte Zwang zur Level-Erhöhung (oder sogar nur Beibehaltung) passt hingegen gut zur selbstoptimierenden Startup-Mentalität unserer Zeit. Kritische Stimmen könnten behaupten hiermit zeigt sich nicht nur die Zentralisierung und Digitalisierung von (Nachhilfe)-Arbeit, sondern auch die Vereinnahmung von einem zuvor privat organisiertem Lebensbereich in nun kapitalistischere Sachzwänge.