„Endstation“ für die Glaubwürdigkeit
bild: Pixabay

„Endstation“ für die Glaubwürdigkeit

  • Der Bonn-Krimi Endstation von Wolfgang Kaes
    ist im August neu erschienen
  • bonnFM hat ihn für euch gelesen

Lesezeit: 3 Minuten

Der Autor

Wolfgang Kaes, Jahrgang 1958, kommt aus der Eifel und hat in Bonn studiert.
Als Journalist hat unter anderem schon für den Stern und die Zeit geschrieben,
seit 2011 ist er Chefreporter beim Bonner General-Anzeiger.

Das Werk

Endstation ist der achte Roman von Wolfgang Kaes. Er basiert auf einem realen Kriminalfall vor 6 Jahren: Damals war ein 19-jähriger Jurastudent unter äußerst mysteriösen Umständen im Rhein bei Bad Honnef ertrunken. Der Fall ist bis heute nicht aufgeklärt. Autor Wolfgang Kaes hat im General-Anzeiger schon mehrere Artikel dazu veröffentlicht.

Der Inhalt

ist akribisch recherchiert und nahe an der Wirklichkeit, solange es die Kernstory betrifft.
Das Drumherum wirkt aber leider etwas lieblos konstruiert.

Gleich zu Beginn der Handlung wird Hauptkommissar Thomas Mohr vom Landeskriminalamt von seinen Vorgesetzten für vermeintliche Fehler kaltgestellt. In seiner neuen Funktion als Sonderermittler für „cold cases“ stößt er dann nicht nur auf den Fall aus Bonn, das im Roman „Rheinheim“ heißt, sondern auch auf zahlreiche Widerstände bei seinen Vorgesetzten. Und auf eine Mauer des Schweigens.

Privat wohnt der LKA-Mann als typischer „Lone Wolf“ in einer Mini-Dachgeschosswohnung, wo er sich überwiegend von Tiefkühl-Pizza und Wein ernährt. Und natürlich darf auch die Romanze mit Polizeipsychologin Vera nicht fehlen, die ihn doch eigentlich im Auftrag des Chefs überprüfen sollte. Nach dem ersten privaten Treffen mit Pizza und Wein ist sie ihm aber sofort hoffnungslos verfallen und fällt in seiner Wohnung über ihn her. So weit, so klischeehaft.

Die Handlung selbst kommt etwas überladen daher. Immer wieder gibt es Ausflüge zu anderen realen Kriminalfällen. Und da die Story im Herbst 2018 spielt, darf natürlich auch ein kurzer Abstecher in den Hambacher Forst nicht fehlen – inklusive Geschimpfe auf die bösen Großkonzerne und den Staat, der ihre Interessen vertritt. Und als wäre das noch nicht genug, gibt’s obendrein auch noch den obligatorischen V-Mann vom Verfassungsschutz, der als Berufsverbrecher Staatsgehalt kassiert. Endstation würde mit Sicherheit auch ohne diesen gesellschaftspolitischen Rundumschlag funktionieren.

Positiv fällt hingegen nicht nur der Lokalbezug zur Bonner Region auf, sondern auch das Ende des Romans: für einen Krimi zwar überraschend ungewöhnlich, gerade dadurch aber besonders gut gelungen.

Das Fazit

Endstation ist leichte Kost für zwischendurch: man kann es gut an ein, zwei lauen Spätsommerabenden weglesen, ohne anschließend Albträume befürchten zu müssen. Empfehlen würde ich es vor allem den Lokalpatrioten unter den Krimifans, die schon immer mal eine Verfolgungsjagd im Bonner Hofgarten lesen wollten. Wer jetzt aber eher auf Psychoschocker à la Sebastian Fitzek steht, der sollte von Endstation vielleicht lieber die Finger lassen – das könnte sonst schnell zur Enttäuschung werden.

Der Autor selbst wagt in der Danksagung den Vergleich zum Tatort. Ich würde sagen, es ist insgesamt eher wie ein Vorabend-Krimi, die typische „Soko Irgendwas“: unterhaltsam, zum Teil auch durchaus spannend, aber eben nicht die ganz große abendfüllende Thrillerkunst.

Die Hard Facts

Endstation. Kriminalroman von Wolfgang Kaes.

Für 17,99 € bekommt ihr rund 420 Seiten, erschienen im August 2019 im rowohlt Verlag.

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