Crowdfunding für den Diskurswandel – The Buzzard über ihre Vision von Medienvielfalt
Bild: Alisa Sonntag

Crowdfunding für den Diskurswandel – The Buzzard über ihre Vision von Medienvielfalt

Die Gesellschaft rückt nach rechts. Meinungen verschieben sich immer weiter in die Extreme und der Diskurs wird immer schwieriger. Nicht zuletzt, weil immer mehr Menschen Medien konsumieren, die ihre eigene Weltsicht bestätigen. Meint zumindest Dario von “The Buzzard”. Das Journalismus Startup aus Leipzig möchte mit einer Crowdfunding Kampagne einen Diskurswandel schaffen. Ihre Vision ist eine App, die den Menschen auch News außerhalb ihrer Filterblasen anzeigen soll. Wir haben mit Dario über seine Vision vom Diskurswandel gesprochen.

bonnFM: Willst du vielleicht erst mal sagen wer du bist, dich kurz vorstellen und sagen was du machst?

Dario: Mein Name ist Dario Nassal und ich bin Gründer und Redaktionsleiter bei Buzzard – dem Onlinemedium für Perspektivenvielfalt.

bonnFM: Und ich hab gehört ihr macht Crowdfunding. Wofür?

Dario: Wir wollen jetzt das erste Jahr als Onlinemedium, als App und Onlineplattform finanzieren. Und zwar von Mitgliedern finanzieren. Das heißt nicht von Werbung abhängig sein und nicht vom großen Verlag abhängig sein.

bonnFM: Und ihr habt ein spezielles Konzept für eure App. Kannst du davon noch was erzählen?

Dario: Ja wir wollen diese App und diese Onlineplattform aufbauen, um etwas gegen die Radikalisierung unseres Diskurses zu machen. Debatten werden immer polarisierter, Leute haben immer weniger Geduld für die Meinung von Andersdenkenden und wir versuchen mit Medienkonsum dazu beizutragen, dass Menschen mehr Verständnis dafür entwickeln – für Positionen von anderen Menschen. Und das Konzept der App ist, dass man zu aktuellen Themen Medienstimmen vom ganzen Meinungsspektrum im Überblick sieht. Unvoreingenommen und transparent. Und so eben öfter mit Positionen außerhalb der eigenen Blase in Berührung kommt, mehr Verständnis dafür bekommt wie denken andere, wie argumentieren andere und dadurch hoffentlich auch der Diskurs ein bisschen sachlicher werden kann.

bonnFM: Also ich persönlich – sonst wäre ich auch nicht hier, finde das als Politikstudent eine super Idee, aber glaubst du außerhalb von dieser Bubble von Leuten, die sich sowieso viel damit beschäftigen kommt das an? Glaubst du nicht die Leute fühlen sich ganz wohl in ihrer Bubble und wollen da gar nicht raus?

Dario: Ja absolut berechtigte Frage. Ich glaube, weil es gemütlich ist in der eigenen Bubble, muss man das Leuten auch so bequem und gemütlich machen raus zu kommen. Das ist einfach ein gesellschaftlicher Auftrag, der wichtig ist. Ich glaube das ist auch kein Luxus zu sagen ich komm aus meiner Blase raus, sondern das ist essenziell, wenn wir in einer Demokratie leben. Medienvielfalt ist essenziell. Ohne das können wir uns eigentlich keine differenzierte Meinung bilden und deswegen versuchen wir ein Angebot zu schaffen, was Leute motiviert dazu sich differenziert zu informieren. Was ich auf jeden Fall sagen kann, ist, dass jetzt schon sowohl Linke als auch Konservative dieses Medium gut finden und nutzen. Und das alleine ist denke ich schon ein Riesen Fortschritt. Also ich denke es gibt jetzt gerade in unserer Gesellschaft viele Leute, die zum Beispiel auf der Konservativen Seite eben ihre einschlägigen Medien lesen. Das heißt Cicero oder NZZ oder ähnliches und dann eben mit Gegenpositionen immer weniger in Berührung kommen, weil sie die Süddeutsche Zeitung nicht aufschlagen. Wenn die das gut finden, dann führt das vielleicht dazu, dass insgesamt der Diskurs auch ein bisschen sachlicher werden kann und genauso eben auch für linke Taz Leser, die das jetzt zum Teil abonniert haben, kann es vielleicht schon ein Stück weit helfen, die in den Diskurs zurückzubringen.

bonnFM: Du hast gerade schon mal Taz und Cicero erwähnt. Das sind dann wahrscheinlich auch unter anderem Medien, die ihr auch repräsentiert auf eurer Plattform. Ihr müsst dann ja irgendwie einen Pott schaffen, aus dem ihr auswählt. Wie geht ihr da vor? Gibt es auch Medien, die ihr ausschließt? Wonach entscheidet ihr da?

Dario: Ja, wir haben eine Datenbank mit rund über tausend – zwischen tausend und zweitausend Quellen aufgebaut, die wir täglich durchsuchen wollen. Wir nutzen RSS-Reader – das sind Programme, mit denen man Seiten abonieren kann und die durchsuchen kann. Wir nutzen Suchmaschinen und suchen über Social Media und über Hashtags und dadurch haben wir einen riesigen Pool an Beiträgen – international und national, den wir jeden Tag durchsuchen. Und da schauen wir uns dann an, was sind die verschiedenen Perspektiven pro Thema. Das wichtigste Kriterium ist für uns eigentlich, die Unterschiedlichkeit der Perspektiven auf dieses Thema.

bonnFM: Du hast eben schon erzählt, dass ihr überhaupt auf die Idee gekommen seid, weil ihr diesen Rechtsruck in der Gesellschaft sieht. Glaubst du es ist der Hauptgrund, dass die Leute sich in dieser Bubble befinden und das einfach noch ihre Meinung anfeuert oder siehst du noch andere Gründe?

Dario: Ich denke, dass Extremismus und Radikalisierung viele Gründe hat – auch emotionale Gründe in Einzelfällen, aber ich glaube, dass Medien sehr wichtig sind, wenn es darum geht Meinungen zu verstärken. Und Wirtshaus Schlägereien und Stammtischstreits gab es schon immer. Aber was sich halt jetzt verändert hat durch die Digitalisierung ist die Reichweite. Das heißt, wenn heute jemand einen harten Kommentar abgibt dann sehen das einfach potentiell Hunderttausende Menschen und das potenziert sich gegenseitig. Deswegen haben wir alle eine größere Verantwortung glaube ich heutzutage anders miteinander zu diskutieren. Und genauso haben auch Medien eine riesige Verantwortung, weil auch sie natürlich in der digitalen Zeit eine riesige Reichweite haben. Und das ist glaube ich ein Riesen Problem und ich glaube deshalb sind Medien schon ein Schlüssel dafür Stereotype und Ausgrenzung und Ignoranz ein Stück weit zu bekämpfen.

bonnFM: Du hast eben schon von Algorithmen gesprochen, die den User dran halten sollen und die Leute halt einfach immer noch mit mehr Content füttern, der sie in ihrer Bubble hält, weil es Content ist aus ihrer Denkrichtung aus der sie sowieso schon kommen. Aber gleichzeitig halten die Algorithmen die Leute halt auch an den Portalen dran. Wie wollt ihr die Leute dran halten, wenn sie auch mit Content gefüttert werden, der vielleicht nicht ihrer Meinung entspricht?

Dario: Wir gehen anders vor als andere News Aggregatoren oder Medienplattformen. Wir sagen nicht hier sind einfach Beiträge, die sind irgendwie cool oder spannend oder haben eine spannende Überschrift „Schau mal rein“, sondern wir fragen uns was ist das Thema, das dich interessiert und jetzt bekommst du dazu verschiedene Beiträge. Und ich glaube das ist ein Ansatz, der gut funktioniert. Wir hatten jetzt zwei Jahre einen Prototyp und haben eben gesehen, dass ganz viele Prototyp Tester gerade die Perspektiven viel gelesen haben, die außerhalb ihrer Blase liegen, weil das ja auch die spannenden Perspektiven sind. Also ich glaube man darf nicht vergessen, dass Menschen immer neugierig sind und wenn sie die Möglichkeit haben eine Ecke weiter zu schauen, weil es nur einen Klick entfernt ist machen sie es auch öfter. Nur wenn sie mühsam danach suchen müssen, dann glaube ich tun sie das nicht.

bonnFM: Du hast gesagt, dass ihr die News Seiten auch kommentiert. Also was das für News Seiten sind und kurz zusammenfasst, was ich auch wichtig finde aber wie schafft ihr es da selber unbiased zu bleiben? Weil ihr habt ja auch eine politische Meinung. Ihr seid ja auch nur Menschen. Also wie schafft ihr das?

Dario: Absolut. Ich glaube Neutralität ist ein hehres Ideal, das Menschen nicht zu hundert Prozent erfüllen können. Deshalb ist Transparenz für uns noch wichtiger als zu sagen, wir sind absolut Objektiv. Wir versuchen es so transparent wie möglich zu machen, was wir aufgrund unserer Methodik und aufgrund unserer Kriterien herausgefunden haben und wie weit wir mit unseren Recherchen gekommen sind. Es geht nicht darum die Beiträge zu kommentieren – das ist glaube ich wichtig zu sagen, sondern wir versuchen sie bestmöglich einzuordnen. Das heißt, wir geben einen Steckbrief zu Autor und Medium. Wo die her kommen, was ihre Einstellung ist, was wir haben raus finden können und versuchen einzuordnen warum wir glauben, dass das eine spannende Perspektive ist. Wir hoffen, dass es uns gelingen wird da tatsächlich unparteiisch zu sein und würde uns wünschen wenn die Hörerinnen und Hörer von diesem Beitrag, die dann Buzzard testen und nutzen wenn es an den Start geht, da uns kritisch auf die Finger schauen und uns fragen ob wir da tatsächlich neutral genug sind.

bonnFM: Ihr habt ja noch die App gar nicht. Ihr habt eine Crowdfunding Kampagne im Moment. Als ich das letzte mal nachgeguckt habe hattet ihr 96.000€ gehabt. Das Ziel ist mindestens 125.000€ und ihr habt heute noch 4 Tage Zeit. Bist du optimistisch, dass es noch klappt das Ziel zu erreichen und falls ihr es nicht erreichen solltet, gibt es einen Plan B bzw. könnte es die App dann trotzdem geben?

Dario: Ne wir müssend das Mindestziel erreichen, damit wir starten können. Das ist wirklich das absolute Mindestziel. Es wird schon mit diesem Geld nicht einfach sein zu arbeiten als unabhängiges Medium. Deshalb gilt es einfach jetzt in den letzten Tagen nochmal jeder der das irgendwie hört, der das spannend findet einfach mitzumachen und danach, wenn man selber mitgemacht hat das auch anderen zu empfehlen. Ich glaube, das ist die einzige Möglichkeit, wie wir es schaffen können. Ich bin optimistisch, dass wir es schaffen. Ich glaube es wird klappen. Aber es wird nur klappen, wenn sich jetzt nochmal einige Leute entscheiden dabei zu sein.

bonnFM: Wenn sich unsere Hörer entscheiden, dass das eine gute Idee ist und mitmachen wollen. Wie können sie das tun?

Dario: Sie können auf unsere Seite gehen Buzzard.org da sind alle Informationen und da kann man sich das Video anschauen, sehen was wir vor haben und sehr gerne mitmachen.

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