Über 100 Jahre Kino-Geschichte – Günter von Schenck über die Sternlichtspiele in Bonn
Bild: Sternlichtspiele Bonn

Über 100 Jahre Kino-Geschichte – Günter von Schenck über die Sternlichtspiele in Bonn

So wie viele andere Branchen wurde auch die Kino-Branche hart von der Corona-Pandemie getroffen. Seit einigen Wochen haben die Bonner Kinos jedoch wieder geöffnet, wenn auch mit einigen Neuerungen.

Wir haben mit Günter von Schenck gesprochen, der als Theaterleiter der Sternlichtspiele (direkt neben der Uni am Markt) für das älteste Kino der Stadt verantwortlich ist. Es ging dabei einerseits um die lange und ziemlich spannende Geschichte seines Kinos, aber natürlich auch um den Betrieb seit Corona und mit welchen kreativen Maßnahmen das Kino den Verschiebungen der Mega-Blockbuster entgegenwirkt.

Günter, du bist Theaterleiter von den Sternlichtspielen, was manche auch unter dem Namen „Stern Kino“ oder „Cinestar Bonn“ kennen. Gib uns doch vorab ein paar Infos für die, die das Kino noch nicht kennen.

Wir sind zentral am Markt gelegen, das ist ein Katzensprung vom Hauptgebäude der Uni aus. Wir haben drei Säle (wovon zwei auch mit dem Rollstuhl erreichbar sind) mit 515 Plätzen. Wir sind ein kleines 11-köpfiges Team, weswegen sowohl unter Kollegen als auch unter den Gästen die Atmosphäre sehr familiär ist.

Eine lange Vergangenheit

Soweit ich weiß, steckt in dem Kino aber auch eine ziemlich lange Geschichte, oder?

Das Kino gibt es sein 1913 und ist damit das älteste Kino Bonns. Ursprünglich wurde es in einem Festsaal errichtet, der dann zum Kino umfunktioniert wurde. Der Saal selbst war ganz klassisch mit Stuck und Kronleuchtern verziert, was man bis heute sieht. Die Eröffnung vor über 100 Jahren war ein echtes gesellschaftliches Ereignis, bei dem sogar Adel anwesend war. Das Gebäude teilen wir uns mit dem namensgebenden Sternhotel, das es sogar schon seit dem Mittelalter gibt. Nach dem Krieg wurde das Gebäude mehrfach umgebaut und in den 1970er-Jahren fanden hier auch zahlreiche große Events und Premieren statt, bei denen z.B. Roger Moore anwesend war, um einen seiner James Bond-Filme zu promoten. Dieses Kino ist also ein langjähriger Teil der Bonner Geschichte und irgendwo natürlich auch ein Teil dieser Stadt. Diese historische Atmosphäre spürt man auch bis heute, wenn man das Foyer und die Säle betritt. Es existiert immer noch die alte Säulenstruktur und im Innenhof haben wir einen kleinen Springbrunnen. Wir haben also ein paar Markenzeichen, die nicht jedes Kino hat.

Über die Jahre haben sich ja bestimmt einige Sachen verändert. Kannst du ein paar Unterschiede nennen?

Bild: Sternlichtspiele Bonn

Die Aufteilung der Säle hat sich verändert. Früher gab es einen großen Saal, in dem dann ein Blockbuster für die breite Maße gespielt wurde. Aus diesem großen Saal wurden 1998 aber drei Säle gebaut und heute setzen wir im Programm mehr auf Vielfalt und versuchen, verschiedene Geschmäcker zu bedienen. Das geht von den großen Filmen, über alternativeren Content und z.B. Anime-Vorstellungen bis hin zu Live-Übertragungen von Konzerten.

Kino trotz Corona – wie geht das?

Kinos hatten ja, wie viele andere Einrichtungen, eine ganze Zeit lang geschlossen. Seit dem 2. Juli habt ihr aber wieder geöffnet. Wie läuft der Kino-Betrieb momentan?

Natürlich ist die Krise momentan eine gewisse Einschränkung, sowohl für die Mitarbeiter, als auch für die Gäste. Wir haben eine Wegführung eingeführt und auch ein System, mit dem dafür gesorgt wird, dass man im Saal genügend Abstand zu anderen Personen hat. Zwar haben wir auch vorher Platzkarten angeboten, jetzt liegt der Fokus aber natürlich verstärkt darauf, dass man nachvollziehen kann, wo sich die Gäste aufgehalten haben. Im Saal selbst ist das Kinoerlebnis aber genauso entspannt wie vorher. Auf seinem Platz kann man die Maske ablegen und auch Getränke und Snacks können unbesorgt verzehrt werden.

Viele Filme wie James Bond wurden ja wegen Corona verschoben. Welches Programm bietet ihr denn momentan an?

Das stimmt, einige Blockbuster wurden verschoben und es ist oft schwer zu planen, da dies von Woche zu Woche passiert. Trotzdem kamen auch tolle neue Filme auf die Leinwand, wie z.B. Out of Play mit Ben Affleck. Das ist ein spannendes Drama über einen verheißungsvollen Sportler, der im Leben jedoch öfters falsche Abzweigungen erwischt hat und sich nach vielen Jahren versucht, zurück zu kämpfen.

Habt ihr auch sowas wie Sondervorstellungen?

Wir haben eine Anime-Reihe, da zeigen wir super Filme. Sonst haben wir die Konzert-Filme, bzw. Band-Dokus über Rammstein und die Toten Hosen im Angebot. Die kamen bei ihren Releases schon super an, weswegen wir uns freuen, sie nochmal zu zeigen.

Wie habt ihr denn die Monate des Lockdowns erlebt? Konntet ihr die Schließung irgendwie nutzen?

Wir haben die Zeit für kleinere Umbaumaßnahmen genutzt und natürlich für die Ausarbeitung des Hygiene-Konzepts, damit da alles reibungslos funktioniert.

Bild: Sternlichtspiele Bonn / Theaterleiter Günter von Schenck

Wie kann man euch denn momentan am besten unterstützen?

Momentan kann man das natürlich über einen Gutscheinkauf tun. Aber allerbesten unterstützt man uns aber ganz klassisch mit einem Kinobesuch und damit auch einem schönen Abend.

Wie geht es weiter?

Du hast ja schon gesagt, dass viele Filme verschoben wurden. Wie siehst du die nähere Zukunft in der Kinobranche?

Es ist natürlich eine gewisse Durststrecke bis die großen Filme wieder anlaufen. Tenet oder Mulan sind da ganz gute Beispiele für. Diese Entwicklung hängt natürlich auch von den Infektionszahlen in den USA ab, die einen direkten Einfluss darauf haben, wann die großen Filmstudios ihre Blockbuster wieder in die Kinos bringen möchten. Momentan feiern deshalb vor allem Filme aus dem Arthaus-Segment ihr Debüt.

Warum sollte man trotz Corona vielleicht gerade jetzt ins Kino gehen?

Wenn man sich Filme anschauen will, die das Herz berühren und den Alltag für ein paar Stunden vergessen zu lassen, lohnt es sich jetzt mehr denn je ins Kino zu gehen. Im Saal selbst spürt man die Kino-Atmosphäre so wie immer und man kann sich auch einen schönen Abend mit Freunden machen, da man ja in kleinen Gruppen kommen darf.

Günter, danke dass du hier warst und uns was über die Sternlichtspiele und auch den Kinobetrieb in Corona-Zeiten erzählt hast. Hast du noch letzte Worte?

Wir fühlen uns als langjähriger Teil der Bonner Kulturlandschaft und würden uns riesig freuen, wenn das nach Corona auch so bleibt und wir mit einer großen Vielfalt weiter bestehen können.

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