Ein Spiel wie eine Kneipenschlägerei

Am vierten Spieltag der Beko Basketballbundesliga haben die Telekom Baskets Bonn die Eisbären Bremerhaven mit 70:65 (13:20, 17:17, 19:8, 21:20) niedergerungen. In einer bis zum Ende offenen Partie lagen die Baskets über weite Strecken hinten. Unkonzentriertheit seitens der Bonner bestraften die Eisbären stets postwendend mit einfachen Punkten. Am Ende gaben starke Nerven an der Freiwurflinie und ein hartes Durchgreifen in der Defense den Ausschlag für den Bonner Sieg.

Bremerhaven erwischt eindeutig den besseren Einstieg ins Spiel. Unbeeindruckt von der Bonner Kulisse und 5010 Zuschauern legen sie energisch los und setzen sich mit 0:8 ab (4. Spielminute). Die ersten Bonner Punkte gehen auf das Konto von Florian Koch, der nach einem Foul mit einem Dreipunktspiel glänzen kann. Die Baskets scheinen noch nicht ganz wach, gleich zwei Ballverluste von Geno Lawrence nutzt der Gegner, um sich auf 3:12 abzusetzen (7. Spielminute). Nach seiner Einwechslung für Lawrence versucht Rotnei Clarke für frischen Wind zu sorgen, leider wird sein Dreier von Bremerhavens Kyle Fogg umgehend mit einem weiteren Dreier beantwortet (6:15, 8. Spielminute). Ein drei Punkte Buzzer Beater von Larry Gordon hält die Baskets zum Ende des ersten Viertels weiter auf Abstand (13:20).

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Viele verschenkte Chancen

Auch im zweiten Viertel schafft es Bonn nicht, den Ball unter Kontrolle zu bringen: Neun Ballverluste sorgen immer wieder für leichte Bremerhavener Punkte. Unter den Körben machen die Eisbären konsequent dicht und erlauben der langen Bonner Garde nur wenige gute Würfe. In dieser Phase sind es meist geschickte Passspiele mit direkten Assists, die zum Bonner Korberfolg führen. Ein erneuter Dreier von Clarke bringt die Baskets in der 15. Spielminute zum ersten Mal in Führung (28:26). Doch das Team von Coach Fischer bekommt die Ballverluste nicht in den Griff. Einen Fehlpass von Clarke verwandelt Raymond Sykes in einen krachenden Dunking: 30:30 (16. Spielminute). Die kurze Führung brachte nicht die erhoffte Initialzündung mit sich. Stattdessen verwerfen die Baskets offensiv einen Dreier nach dem anderen, während sie in der Defensive die schnelleren Eisbären ein ums andere Mal zum Korb ziehen lassen. Die Konsequenz: 30:37 Rückstand zur Pause.

In der zweiten Hälfte ist es zu Beginn Aaron White, der die Baskets mitreißt und schließlich schafft Andrej Mangold in der 25. Spielminute den erneuten Ausgleich (41:41). In der Defense schalten die Baskets endlich einen Gang höher: Ein Block von White, keine leichten Punkte unterm Korb mehr für die Eisbären, stattdessen ist Bremerhaven zu schwierigen Dreiern gezwungen, die ihr Ziel oft nicht finden. Um nach einem Steal White am Fast Break zu hindern, begeht Sykes das taktische Foul – die Schiedsrichter entscheiden: unsportliches Foul. White macht zwei Freiwürfe und Xavier Silas verwandelt den anschließenden Ballbesitz in drei Punkte – besser geht es nicht. Ins letzte Viertel gehen die Baskets deswegen mit einem leichten Vorsprung von 49:45.

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Führung kann erneut nicht gehalten werden

Gleich zu Beginn des letzten Viertels schenken die Baskets das dünne Polster her. Wieder wirkt ihr Spiel zerfahren und unkonzentriert, die Intensität in der Defense lässt deutlich nach. Aber auch Bremerhaven scheinen langsam die Kräfte auszugehen, weswegen sie sich nur knapp absetzen können (52:57, 34. Spielminute). Jetzt sind es vor allem Punkte von der Freiwurflinie, die die Baskets im Spiel halten. Dann: Fast Break von Mangold, Pass auf Lawrence – anderthalb Minuten vor Schluss gehen die Baskets 66:65 in Führung. Was folgt sind eine Reihe von Ballverlusten auf beiden Seiten, taktische Fouls und Freiwürfe. Doch die Bonner erweisen sich als das nervenstärkere Team und Lawrence macht eine Sekunde vor Schluss mit zwei Punkten von der Freiwurflinie den Sack zu (70:65).

Xavier Silas zeigte sich nach der Partie erleichtert. Ein Spiel wie eine Kneipenschlägerei sei das gewesen. Durchaus nicht nur metaphorisch gemeint: Unter seinem Auge klebte ein Pflaster, was da passiert sei, wisse er nicht so genau. Kein schönes Spiel, aber man müsse eben auch die „ugly games“ gewinnen, meinte er.

Weiter geht es für die Baskets schon am Dienstag um 19:30 Uhr im Eurocup-Heimspiel gegen Bilbao Basket. Am kommenden Samstag um 15:00 Uhr steht dann auswärts das Ligaspiel gegen ratiopharm ulm auf dem Programm.

Katharina Weber

Ehemalige Chefredakteurin Nachrichten und Wort, Moderatorin, Campusradio-Methusalem und Baskets-Enthusiastin.