Gute Musik, stickige Luft und warmes Bier – zu Gast im Tourwohnzimmer der KYTES

Wer How I met your Mother kennt, kennt es – Jeder Mann sagt zu irgendeinem Zeitpunkt in seinem Leben: “Wir sollten eine Bar eröffnen.” Der kleine Bruder dieses Satzes, wenn man noch etwas jünger ist: “Wir sollten eine Band gründen!” Eigentlich etwas, das zum frühen Scheitern verurteilt ist, KYTES sind jedoch die Ausnahme, die bekanntlich die Regel bestätigt.  bonnFM war für euch beim Konzert im Gebäude 9.

Es war einmal in München…

München ist für vieles bekannt: leckeres Bier, Oktoberfest, eine übermächtige Fußballmannschaft, aber wer kennt schon Bands aus München, die tanzbaren, englischen Indie Rock machen? Eben. Dies zu ändern haben sich die vier Jungs von KYTES auf die Fahne geschrieben. Und sie haben schon einiges hinter sich: Den New Music Award des Jahres 2016 und Song of the Year der University of Canberra, Australien. Das Debutalbum ist auch schon zwei Jahre alt, was es umso trauriger macht, dass die Jungs noch ein kleinen Hallen spielen und mit einem verranzten Transporter durch die Lande fahren und nicht gefahren werden. Oder ist genau das das geile?

Wenn die Vorband zur Hauptband wird

Bild: Leonardo Beulen Faura / bonnFM

Ich werde nicht lügen: KYTES war der Hauptgrund, warum ich auf diesem Konzert war obwohl sie nur die Vorband zu Everything Everything waren. Nicht, dass letztere totaler Müll waren, dazu jedoch später mehr. Ich bin KYTES-Fan seitdem es die Jungs gibt und es war immer ein hin und her: Die Jungs schienen überall zu spielen, außer im Westen Deutschlands und wenn sie doch mal hier waren, konnte ich nie zu den Konzerten. Deswegen freute es mich umso noch mehr, als ich die Tickets und sogar das Interview bekam. Dieses Interview hielt ich dann im zugepackten und stickigen Bus der Jungs, auf einem Koffer sitzend und mit einem warmen Bier in der Hand, das irgendwo in der Mittelkonsole rumlag und mir angeboten wurde. Manch einen würde das Abschrecken aber mir signalisierte das Bodenständigkeit und authentisches on-the-road-Leben wie es nunmal ist. Ich weiß, dass man das so oft sagt, aber noch nie zuvor habe ich so eine nette Band kennengelernt, die sich so sehr darüber gefreut hat interviewt zu werden, dass sie nach ihrem Auftritt dem Sender dafür dankte, heute hier zu sein – nur um uns danach in der Crowd rauszusuchen und gemeinsam mit uns Everything Everything abzufeiern.

Jetzt sind wir also beim eigentlichen Konzert angekommen: Es ist ein offenes Geheimnis, dass das neue Album der Band bald kommt und deswegen wunderte es niemanden, dass sie neue Lieder daraus vorstellten. Sie wollen sich musikalisch öffnen und neue Sounds ausprobieren und womit andere fies auf die Fresse fallen, überzeugen sie. Anfangs etwas skeptisch, da ich ein musikalischer Traditionalist bin, ihr Debütalbum für mich schon der Hammer war und ich Angst hatte, sie würden ihren Sound verlieren, erwischte ich mich irgendwann dabei, wie ich genauso zu den neuen Liedern tanzte, wie zu den Klassikern. Mehr elektronische Einflüsse, neue Instrumente und Einbringung neuer Genres tut ihrer Musik gut, jedoch nie ohne ihren typischen Sound mit vielen “Oh oh oh’s” zu verlieren. Sie sind einfach ein Instrument das die Musik die es hört verarbeitet, seinen Stempel draufsetzt und etwas neues daraus kreiert. Und das ist ein super Rezept. Natürlich will ich die Jungs nicht hoch in den Himmel loben, denn es gab etwas, das mir gar nicht gefallen hat: Die Spielzeit war viel zu kurz.

Everything Everything: Die wohl größte Überraschung des Abends

Bild: Leonardo Beulen Faura / bonnFM

Versteht mich nicht falsch, ich habe keinen totalen Hass auf die Band. Ich mochte sogar (vor gestern) einige Lieder sehr gerne. Wahrscheinlich hatte mir jedoch Spotify nur die falschen Lieder vorgespielt, jedenfalls war ich, als ich tiefer in die Alben auftauchte, schwer enttäuscht. Dann ist es natürlich klar, dass man etwas vorsichtig auf das Konzert geht und sogar überlegt, nach der Vorband schon zu gehen, da man ja eigentlich wegen dieser da war. Doch wie jeder verdiente auch Everything Everything eine zweite Chance und mein Gott haben sie diese genutzt. Auch wenn es jetzt wie eine Übertreibung klingt, stand ich zwischenzeitlich wirklich mit offenem Mund da und war so überrascht, dass ich ganz vergaß zu tanzen. Was die Jungs live für eine Energie auf die Bühne bringen, zusammen mit den Wänden aus Synths und der einzigartigen Stimme des Sängers sind ganz große Klasse und sorgte dafür, dass ich an einem Abend nicht nur eine meiner Lieblingsbands interviewen konnte, sondern auch eine neue Lieblingsband bekam. Also falls das hier Fans von Everything Everything lesen, oder vielleicht sogar die Band selber: Ich lag falsch, ich wurde bekehrt und es tut mir leid!

Mein Fazit: KYTES ist die coole, junge Band aus der Nachbarschaft par excellence, es kann ihnen jedoch keiner verübeln, dass sie das irgendwann nicht mehr sein wollen und mehr wollen. Solange sie jedoch ihrem Sound und vor allem ihrer lockeren Art treu bleiben, haben Sie meinen Segen. Und wer wissen will, ob mein Lob überhaupt Hand und Fuß hat, kann die Jungs im Dezember wieder in Köln sehen. Mich seht ihr dort auf jeden Fall auch.

Wer noch nicht genug hat und noch mehr über die Bands erfahren möchte, kann hier selbst mal nachschauen:

https://kytesmusic.com/

http://www.everything-everything.co.uk/