Mehr als nur Satellite

Lena feierte im vollen Kölner E-Werk den tränenreichen Abschluss ihrer Carry-you-home-Tour. Dabei präsentierte die Wahl-Kölnerin vor allem ihr neuestes Album Crystal Skies, auf dem sie sich deutlich von ihrer Castingshow- und ESC-Vergangenheit abgrenzt und ihr großes Potenzial aufs Neue beweisen kann.

Bild: Klaas Steinhert / bonnFM

Bild: Klaas Steinhert / bonnFM

Als Support hatte die ESC-Gewinnerin von 2010 die gerade erst 16-jährige Singer/Songwriterin Emma Bale im Gepäck, die zusammen mit ihrem Gitarristen das gut gefüllte E-Werk ins Staunen versetzte. Nur ihre aufgeregte Stimme erinnerte bei den Ansagen zwischen den eingängigen, zarten Liedern daran, dass da auf der Bühne kein internationaler Superstar mit jahrelanger Erfahrung stand. Die Belgierin dürfte als Vorband von Lena einige neue Fans gewonnen haben, die sich auf ihre zukünftige Karriere freuen.

Glückliche Kinder, zufriedene Eltern

Als Lena dann, kinderfreundlich um 20 Uhr, die Bühne betrat, wurde gekreischt und gejubelt, wie man es sonst nur aus dem Fernsehen von Auftritten der Jonas-Brothers oder Justin Bieber kennt. Tatsächlich war das Publikum relativ deutlich in zwei Lager gespalten: Direkt vor der Bühne und auf der Empore im hinteren Bereich des E-Werks standen Lena-Fans, die kaum bewusst mitbekommen haben dürften, wie ihr Idol damals, vor sechs Jahren den Eurovision Song Contest gewann. Dazu kamen viele Eltern, die ihren lieben Kleinen wohl ihren größten Wunsch erfüllt hatten.

Bild: Klaas Steinhart / bonnFM

Bild: Klaas Steinhart / bonnFM

Mit ihrer fünfköpfigen Band begann Lena direkt, ihre kleinen und großen Fans mitzureißen. Ob jung oder alt war egal, die poppigen Melodien und drückenden Synthesizer-Beats ließen selbst die kritischsten Väter zumindest mitwippen. So bahnte sich die Hannoveranerin zum Abschluss ihrer Deutschlandtour ihren Weg durch ein vor allem von ihrem neuen Album dominierten Set. Besonders Songs wie Traffic Lights oder das titelgebende Crystal Sky stachen hervor, bei letzterem sorgte dafür besonders der „Schnee“, der in Form von weißem Konfetti von der Decke fiel und die Sängerin zu Tränen rührte.

Wild & Free

Ganz abstreifen kann und will Lena ihre Vergangenheit aber nicht. So war sie sich in der Ankündigung von Satellite der Ambivalenz des Songs absolut bewusst: Einerseits hatte er alles losgetreten, ist noch immer der Grundstein ihres Erfolgs, andererseits hat sie noch so viel mehr zu bieten und sich deutlich weiterentwickelt. So verwunderte es auch nicht, dass das alte Lied in neuem Glanz erstrahlte: Zusammen mit ihrer starken Liveband wurde es an ihren neuen Stil angepasst, statt Upbeat-Gitarre wird ihr Gesang von Synthesizern und drängenden Schlagzeugbeats unterlegt.

Lena hat sich erfolgreich verabschiedet von ihrem Image als Casting- und ESC-Siegerin, vom frechen, aber doch liebenswürdigen Popsternchen ist sie zu einer ernstzunehmenden Künstlerin geworden. Stimmlich erinnert nur noch wenig an den eigenwilligen Sprechgesang ihrer Anfangszeit und auch ihre Bühnenpräsenz gebührt Respekt. Über anderthalb Stunden riss der Spannungsbogen nicht ab und so werden auch einige der weniger freiwillig mitgekommenen Eltern im Nachhinein überrascht gewesen sein, wie souverän und energiegeladen Lena im E-Werk abgeliefert hat.