Viele Höhen, ein paar Tiefen – Rise Against in Düsseldorf

Mit „Wolves“ haben Rise Against Anfang Juni eines der besten Alben ihrer Bandgeschichte rausgebracht. Es war erstaunlich, was die Band für gute Lieder geschrieben hatte, wo der Vorgänger „The Black Market“ doch ziemlich belanglos und langweilig war. Dass die Band seit Jahren in der Punkrock-Champions League spielt, ist bei den ausververkauften Tourneen durch die ganz großen Hallen auch kein Geheimnis mehr. bonnFM war beim Konzert in Düsseldorf, das viele Höhen, aber auch ein paar Tiefen hatte.

Die Mitsubishi Electric Halle ist seit Monaten ausverkauft und viele Fans stehen schon zwei bis drei Stunden vor Einlass an der Halle, um später ganz vorne in der ersten Welle zu stehen. Es ist zwar eiskalt, aber die Leute die warten, sind hart im Nehmen. Um 18 Uhr gehen die Türen dann auf und die meisten rennen direkt nach vorne, um eines der begehrten Bändchen für die erste Welle vor der Bühne zu erhalten. Danach ist erstmal Warten angesagt, bis die erste Vorband auftritt.

(Un)passende Vorbands

Pears aus New Orleans passen gut ins Bild, straighter Punk ohne Kompromisse. Kein Lied ist länger als zwei Minuten und das ganze Set geht voll nach vorne. Gerade der Sänger entpuppt sich als absolute Rampensau. Das Publikum geht leider nur mäßig mit, dankt es aber mit viel Applaus – von Pears wird man in Zukunft bestimmt noch einiges hören.

Die nächste Band ist dagegen alles andere als unbekannt. Sleeping With Sirens ist eine dieser Metalcore/Emo-Bands, die es mittlerweile wie Sand am Meer gibt und die wahnsinnig erfolgreich sind. Es bleibt mir ein Rätsel, warum Rise Against ausgerechnet diese Band eingeladen hat, sie die ganze Europa-Tour zu supporten – musikalisch würden sie eher als Vorband von Bring Me The Horizon passen, zumal der Sleeping With Sirens-Sänger optisch keinen Unterschied zu Oli Sykes macht. Allgemein geht das Publikum hier etwas mehr mit, viele fragen sich aber auch, warum man nicht nochmal, wie auf der Tour vor drei Jahren, eine Band wie Pennywise hätte mitnehmen können. Naja, am Ende sind aber alle eh nur für Rise Against da. Und die betreten schließlich gegen halb zehn die Bühne.

Bild: Marcell Rogmann / bonnFM

Bild: Marcell Rogmann / bonnFM

Zeit für Rise Against

Als das Licht ausgeht, erscheint eine Videoanimation auf den Leinwänden. Man sieht Kampfjets, Panzer und Bomben, aber auch ein paar Kinder, die davor fliehen. Ein ganz klares Zeichen gegen Krieg und für die Aufnahme von Flüchtlingen – aber dafür stehen Rise Against nicht erst seit gestern. Seit Jahren haben sie die Leute von Kein Bock auf Nazis bei ihren Konzerten mit einem Stand dabei, so auch heute. Saubere Sache!

Dann geht´s los. „Chamber the cartridge“ ist der erste Song, schwer zu erkennen, da der Sound leider ein einziger Matschbrei ist, in dem kaum etwas zu verstehen ist. Das Publikum dreht trotzdem durch und die Halle wird zu einem einzigen großen Moshpit. Danach geht es direkt in die Vollen, denn „Give it all“ ist das zweite Lied. Man erkennt, was die Bands doch für eine Vielzahl an Hits hat, wenn sie es sich erlauben kann, diesen Übersong direkt so früh rauszuhauen. Die Setlist bietet insgesamt wenig Überraschendes: Es werden alle großen Hits wie „Satellite“, „Prayer of the refugee“ oder „The good left undone“ gespielt. Dazu kommen drei Lieder vom neuen Album: Der Titelsong „Wolves“, „The violence“ und „House in fire“. Insgesamt ist es etwas schade, da Rise Against jetzt seit Jahren mit den gleichen Songs unterwegs sind und immer nur drei Lieder von dem je neuen Album austauschen. Wie wäre es, wenn mal Songs wie „Help is on the way“, „People live here“ oder „Collapse (Post america)“ durch seltene Sachen wie „Life less frightening“ oder „Miracle“ ersetzt würden?

Ein tolles Publikum

Man merkt der Band die Routine an. Tim MacIlrath wird die Ansagen, die er in Düsseldorf brachte, auch in allen anderen Städten bringen. Die Frage ist, ob er das dort auch ähnlich lustlos tut. Das war nämlich, neben dem grottigen Sound und der vorhersehbabren Setlist, das große Manko des Konzerts. Es fehlte der Band an Energie und Spielfreude und man merkte, dass sie das Konzert nicht unnötig in die Länge ziehen wollten. Das hat man alles zwar auch schon in viel schlimmer gesehen, ein bisschen schade ist es trotzdem.

Nichtsdestotrotz hat sich der Abend geloht. Rise Against haben einfach wahninnig gute Lieder, die immer noch Spaß machen, auch wenn man sie schon tausend mal gehört hat. Dazu kommt, dass das Publikum immer für eine Wahnsinnsstimmung sorgt, auch wenn die Band mal nicht ganz so gut drauf ist, wie man es eigentlich gewohnt ist. Insgesamt ein schöner Abend.

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