Hat hier wer die Frauen gesehen? – Eine Podiumsdiskussion in der Uni Bonn

Was von einer Podiumsdiskussion über Frauen an der Uni Bonn hängen geblieben ist, welches Thema sich todgeredet hat und welche Zahl man sich im Bewusstsein halten sollte.

18 Prozent – In Worten: Achtzehn. Diese Zahl schwirrte am Dienstagabend im Hörsaal XVII der Uni Bonn über allem. Man könnte meinen, die Wirkmächtigkeit einer Zahl stirbt in ihrer Wiederholung, am Dienstag klang sie mit jeder Nennung beschämender. 18 Prozent – Das steht für die Anzahl der Professuren in Bonn, welche mit einer Frau besetzt sind.

Aber von Anfang an: Das Referat für Frauen und Geschlechtergerechtigkeit des AStAs hatte eingeladen, zu einer Podiumsdiskussion unter dem Titel: „200 Jahre Uni Bonn – Wo sind die Frauen?“ Vor einem besser als erwartet gefüllten Hörsaal wurde zur Einführung vonseiten des Referats kritisiert, dass, obwohl Frauen an der Uni Bonn eine über 100 Jahre alte Geschichte haben, diese weder in den bisherigen Feierlichkeiten zum 200. Jubiläum und noch weniger in führenden Positionen in der Uni anzutreffen sind. Die Teilnehmerinnen und der Teilnehmer sollten dem Publikum nun die Geschichte und vor allem die Entwicklung der Rolle von Frauen an der Uni Bonn näherbringen.

Ambivalente Erfahrungsberichte auf dem Podium

Eingeladen waren dazu Claudia Schepp, Doktorandin im GlobE-Wetlands in East Africa – ein Projekt der Geographie an der Uni Bonn, Ros Sacchse-Schadt, Kunsthistorikerin und Kulturpolitische Sprecherin der Grünen in der Bonner Ratsfraktion, und Annette Kuhn, Historikerin, emeritierte Professorin der Uni Bonn und Gründerin des Hauses der Frauengeschichte in Bonn. Darüber hinaus waren Margret Wensky, Historikerin und Biografin von Edith Ennen und Stefan Wild, Islamwissenschaftler und Biograf von Annemarie Schimmel zu Gast. Diese beiden waren dort, um die Geschichte der Frauen in Bonn anhand der von ihnen biografisch verarbeiteten Personen vorzustellen.

Die Berichte der Teilnehmenden waren so ambivalent wie ihre Charaktere. Während Claudia Schepp, sehr souverän wirkend, betonte, dass sie, vor allem nach Aufenthalten im Ausland, überwiegend positive Erfahrungen in Bezug auf Geschlechtergerechtigkeit an der Uni Bonn gemacht habe, betonte Ros Sacchse-Schadt, sie habe keine einzige weibliche Lehrperson in ihrer Studienzeit erlebt, obwohl sie mit Kunstgeschichte ein „ausgesprochenes Frauenfach“ besucht habe. Ihre Erzählungen waren allgemein so emotional gehalten, dass man ihr nicht vorwerfen kann, sie habe die Diskussion für parteipolitische Werbung genutzt.

Wenn eine Person aus dem Podium besonders herausstach, dann war das Annette Kuhn. Dass sie sich überhaupt die gesamten zwei Stunden auf ihrem Stuhl halten konnte, grenzt an ein Wunder. Kaum ein Satz konnte gesprochen werden ohne, dass sie sich in irgendeiner Weise bemerkbar machte, sei es durch zustimmendes Nicken, ablehnendes Kopfschütteln oder hektisches mitschreiben. „Es muss Widerspruch zugelassen werden, um Erkenntnisgewinn zu ermöglichen“, fasste sie die Problematik von Frauen an der Uni zusammen und oszillierte zwischen mutmachenden Worten, dass sich schon Einiges zum Guten hin gewendet habe und Aussagen, die den Zuhörenden das Gefühl gaben, das Patriarchat kriegt uns alle!

Die Frauenquote. Zeitloses Thema – Alte Argumente

Dagegen wirkte Stefan Wind wie die Ruhe selbst. Nachdem er ein paar einleitende Worte zu seiner Person gesagt hatte, bezog er sich ausnahmslos nur noch auf Annemarie Schimmel, eine Islamwissenschaftlerin, welche zwischen 1961-74 und ab 1992 in Bonn als Honorarprofessorin gelehrt hatte. Sympathiepunkte konnte er vor allem dadurch sammeln, dass er sich aus einer zum Ende hin aufkommenden Diskussion zur Frauenquote heraushielt. Diese war ohnehin eine reine Aneinanderreihung von Argumenten, welche sich seit Jahren nicht geändert haben und somit dem Thema der Veranstaltung weniger als zuträglich.

Effektiv an dieser Diskussion beteiligt war dagegen Margret Wensky. Hatte auch sie sich zuvor darauf beschränkt, die Geschichte der Historikerin Edith Ennen und deren Werdegang an der Uni Bonn mit sichtlicher Faszination, wenn auch ohne großen Enthusiasmus, vorzutragen, konnte sie ihre persönliche Aversion gegenüber einer Frauenquote irgendwann nicht mehr verbergen. Es sei doch wohl besser nach Qualität zu entscheiden als nach Quote, man könne doch eine schlechter qualifizierte Frau nicht einem besser qualifizierten Mann vorziehen! Dabei schien ihr nicht in den Sinn gekommen zu sein, wie aus dem Publikum treffend festgestellt wurde, dass die Qualität, vor allem wenn man nach Studienabschlüssen urteilt, hier eher bei den Frauen liegt.

Wie viel war das jetzt nochmal?

Und was ist jetzt mit den ominösen 18 Prozent vom Anfang, mag man sich fragen? In der Diskussion wurden sie genannt, betont, hinterfragt, relativiert, verteufelt. Was allerdings nach diesem Abend feststehen sollte: Wer an dieser Universität von Gleichberechtigung der Geschlechter sprechen möchte, darf von diesen 18 Prozent nicht schweigen.