LA LA LAND – Im Tal der Träumer

Bild: © Studiocanal

Ob Golden Globes, BAFTA oder Academy Awards, selten war die Resonanz so überwältigend wie für Damien Chazelles neuestes Werk. Und völlig zu Recht, denn La La Land, seit dem 12. Januar im Kino, ist ein absoluter Triumph.

Nach seinem elektrisierenden Schlagzeuger-Drama Whiplash widmet sich Damien Chazelle mit La La Land einer hingebungsvollen Hommage an die schillernden Zeiten der tanzenden Mengen, steppenden Duette und überschwänglichen Melodien und haucht damit dem Musical-Genre neues Leben ein. Das Ergebnis setzt allen wagemutigen Träumern ein ausdrucksstarkes Denkmal und lässt die nostalgischen Gedanken in die Vergangenheit schweifen. Wie das CinemaScope-Logo zu Beginn bereits erahnen lässt, ein Format auf das vor allem während den 50er Jahren zurückgegriffen wurde, erwarten den Zuschauer gesättigte, knallige Farben und ein Film, der sich der Welt mit zugleich ausgebreiteten und verschränkten Armen in den Weg stellt.

Mädchen trifft Junge. Mädchen zeigt Junge den Finger. Mädchen und Junge verlieben sich.

Nach einem eröffnenden und atemberaubenden One-Take begegnen wir auf einem LA Highway erstmals den gestrandeten Seelen Mia und Sebastian. Geradezu metaphorisch gleicht der stockende Verkehr ihrer jeweiligen Situation, denn beide befinden sich in einem Abschnitt ihres Lebens, in dem es nur schleppend vorangeht. Als Barista in einem auf Studiogelände befindlichen Starbucks verkörpert Mia die ikonische, fast schon satirische Figur der aufstrebenden Hollywood-Schauspielerin. Nach Schichtende eilt sie von einem Casting zum nächsten, in der Hoffnung, endlich den großen Durchbruch zu landen. Sebastian hingegen lässt das Leben in den Hollywood Hills eher lethargisch angehen. Der schwungvolle Jazzpianist mit einer Aversion für Weihnachtslieder und Keyboard-Balladen sammelt leidenschaftlich Mahnungen und trauert seiner großen Liebe hinterher: Der Eröffnung seines eigenen Clubs und Wiederbelebung des Jazz. Hoffnungsvoll und melancholisch wandern beide im Tal der Träumer umher, auf der Suche nach jener verheißungsvollen Begegnung, die ihnen endlich den nötigen Auftrieb geben wird, um in den Sternenhimmel emporzusteigen.

Bild: © Studiocanal

Bild: © Studiocanal

Here´s to the fools who dream!

Wie das violette Plakat verheißt, ist dies ein Film für all die Narren, die noch zu träumen wagen. Zynisch und fast schon poetisch wird die wahre Natur Hollywoods in einem schneidlosen LA offenbart, denn nach einem näheren Blick wird deutlich, dass Zauber und Glanz letztendlich auch nur eine bittere Illusion aus Kunstschnee und Beleuchtung sind. Selbstzweifel und Realismus gehören gleichfalls zu den unausweichlichen Konfliktpunkten.

Und dennoch sprüht La La Land nur so vor Verlockung, Hoffnung und Magie. Nicht zuletzt dank seiner wundervollen Darsteller. Die Chemie und Innigkeit zwischen Stone und Gosling kommt zweifelsohne angelehnten Größen wie Bergman und Bogart oder Rogers und Astaire gleich. Eine andere Besetzung wäre völlig undenkbar. Vor allem aber sind mit jeder Einstellung, jedem Schritt, Schnitt und Ton die unglaubliche Leidenschaft und Hingabe zu spüren, mit der dieser cineastische Diamant geschliffen wurde. Technisch brillant inszeniert ist hier jede Bewegung und Zeile genau abgepasst; eine künstlerische Symbiose zwischen akribischer Präzision und naturalistischer Spontanität. Ebenso lebt der Film von seinem Planetarium an mitreißenden Melodien, die Chazelles ehemaliger Harvard-Mitbewohner Hurwitz uns hier zuteilwerden lässt, stets im Takt mit Rhythmus und Eigensinn des Herzens.
La La Land ist nostalgisch aber niemals veraltet, romantisch und überzogen mit Zuckerguss, und doch zu keinem Zeitpunkt kitschig. Um Sebastian an einer Stelle des Films zu zitieren: „It´s conflict and it´s compromise, and it´s very, very exciting!”

Kommentar verfassen