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Anzeige statt Dialog: Pro-Palästina-Protest an der Uni Bonn

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Die Students for Palestine setzten die Universität Bonn bisher mit Protestcamp und Hörsaalbesetzung unter Druck. Verspricht ihre neue Aktion mehr Erfolg?

Bengalos brennen in den Fenstern der Universität. Am 12. Juni verschanzen sich Mitglieder der Bewegung Students for Palestine in zwei Hörsälen des Hauptgebäudes. Sie halten Banner und Pyrotechnik über das Fensterbrett. Die Hausbesetzer*innen werfen der Universität vor, das Leid im Gaza-Streifen mitzutragen. Die Polizei löst den Protest auf und eskortiert die Demonstrierenden aus dem Gebäude, vorbei an rund 25 weiteren Anhänger*innen der Gruppierung, die sich auf der Straße versammelt haben.

Eine von ihnen ist die jüdisch-israelische Aktivistin Tair Borchardt. „Wir fühlen uns von der Uni nicht gehört“, sagt die 24 Jährige. Sie wünscht sich Gespräche mit der Universität, doch die kommuniziere „nur über Anzeigen mit ihren Studierenden“, sagt sie. Inzwischen solidarisieren sich auch Dozierende mit der Bewegung, seit dem 2. Juli halten sie gemeinsam eine mehrtägige Mahnwache vor dem Büro des Rektors.

Students for Palestine: entschlossen und umstritten

Die Students for Palestine veröffentlichen ihre Forderungen unter anderem auf Instagram. Sie verlangen beispielsweise, dass die Universität Bonn jegliche Zusammenarbeit mit israelischen Partner-Universitäten beenden solle. Außerdem fordern sie Studienplätze für Studierende aus dem Gaza-Streifen und Räume für palästinensische Veranstaltungen an der Uni. An Kompromisse denken Tair und ihre Mitstreiter*innen nicht.

Students for Palestine erhielt von Beginn an Kritik für ihre extremen Ansichten. Die Bewegung übernimmt bei ihren Protesten umstrittene Hamas-Symboliken wie das „rote Dreieck“ oder Sprüche wie „from the River to the Sea“, die teils als Aufruf zur Auslöschung Israels verstanden werden.

Tair fühlt sich durch die Vorwürfe kriminalisiert. Sie würden genutzt, um die Protestierenden zum Schweigen zu bringen, sagt sie. Dabei sehe die Bewegung die Symboliken lediglich als Zeichen des Widerstands.

Obwohl sich Students for Palestine öffentlich gegen Gewalt ausspricht, schlug kürzlich ein Mitglied der Bewegung bei einem Antisemitismus-Vortrag der Universität auf einen Besucher ein. 

Keine Aussicht auf Gespräche

Die Universität verurteilt die Härte, mit der die Students for Palestine protestieren. Ihr Pressesprecher Prof. Dr. Archut sagt, die Universität sei „ein Ort für Diskurse, sie ist aber kein rechtsfreier Raum“. Um Gespräche mit den Aktivist*innen zu führen, müssten diese sich an bestimmte Regeln halten. Dazu würden Prof. Dr. Archut zufolge auch ethische Grundsätze gehören. „Antisemitismus geht gar nicht“, sagt er. Die Universität sorge sich ebenfalls um ihre jüdischen und israelischen Angehörigen, die sich durch die gewaltbereiten Proteste bedroht fühlen könnten. „Die haben wirklich Angst“, sagt er.

Prof. Dr. Archut weist die Vorwürfe der Students for Palestine noch aus zwei weiteren Gründen zurück. Zum einen sei die Universität kein politischer Akteur und habe damit keinen Einfluss auf die israelische Politik. Zum anderen sei der Kontaktabbruch mit israelischen Partner-Universitäten indiskutabel. „Das sind auch echte Menschen: Wissenschaftler*innen, Studierende, Alumni, mit denen wir einen Austausch pflegen und um die wir uns große Sorgen machen“, sagt er.

Statt Dialog, herrscht Stillstand zwischen den beiden Parteien. Die Students for Palestine protestieren seit etwa einem halben Jahr unermüdlich. Und sie wollen die Universität noch mehr unter Druck setzen. „Die Situation in Gaza eskaliert weiter“, sagt Tair, nach wie vor fest überzeugt von der Verantwortung der Universität. Die wiederum beharrt auf ihrem Standpunkt. Prof. Archut sagt, die Uni halte den Protest aus. Sie werde weiterhin gegen jegliche Form von Antisemitismus vorgehen und strafbare Handlungen zur Anzeige bringen.