Ist das Essen oder kann das weg?

Ist das Essen oder kann das weg?

Die Weihnachtszeit ist nicht nur für leckeres Essen, Glühwein und zum Geschenke kaufen gut, sondern auch, um sich über die eigene Situation und die Probleme der Welt Gedanken zu machen. Zum Beispiel über das Thema Lebensmittelverschwendung.

Alle wollen nachhaltig leben, sich vegan ernähren, zum Wohl der Umwelt keine Plastikstrohhalme mehr benutzen, kaufen dann aber die in Plastik umhüllte Gurke im Supermarkt ein. Menschen predigen Nachhaltigkeit, essen dann aber Avocados und denken keine Sekunde darüber nach, dass diese bestimmt nicht vom Bauernhof in der Umgebung kommen. Was das Thema Essen und Nachhaltigkeit allgemein angeht, gibt es viele Paradoxa.

Ein sehr großes davon ist die Verteilung von Lebensmitteln allgemein: Überall auf der Welt müssen Menschen hungern, gleichzeitig werden Tag für Tag auf der ganzen Welt Unmengen an Nahrung weggeworfen. Schätzungen zufolge wird ein Drittel der Lebensmittel in Deutschland verschwendet. Jeder deutsche Bürger wirft jährlich etwa 80kg Essen weg, die Welthungerhilfe spricht von 55kg, so oder so ist es eine sehr große Menge. Von den Massen, die täglich von Supermärkten und Restaurants weggeschmissen werden, braucht man gar nicht erst anzufangen. In Frankreich gibt es eine landesweite Regelung, dass Restaurants und Supermärkte noch gute Lebensmittel nicht mehr wegwerden dürfen, sondern sie an Bedürftige verteilen müssen. Hierzulande können derartige Einrichtungen freiwillig spenden, was aber häufig nicht passiert, da es mit Zeit und Kosten verbunden ist.

Dazu kommen die Lebensmittel, die es gar nicht erst bis in die Supermärkte und Restaurants schaffen. Viele Lebensmittel werden allein schon aufgrund ihres Aussehens aussortiert, beispielsweise Kartoffeln, wenn sie keine perfekte runde, schöne Form haben. Die Bauern können diese nicht verkaufen, also werden sie weggeworfen. Für den Anbau werden Wasser und andere Ressourcen verbraucht – und die Lebensmittel landen im Müll.

Initiativen gegen Lebensmittelverschwendung

Gegen diese riesige Problematik versuchen einige Initiativen anzugehen. Eine sehr große und bekannte ist foodsharing. Über die Website können sich Menschen zu einer Community zusammenfinden und beispielsweise untereinander nicht mehr gebrauchte Lebensmittel tauschen. Die Mitglieder können sich weiterhin als sogenannte „Foodsharing-Botschafter“ bzw. „Foodsaver“ anmelden. Als solche sammeln sie Lebensmittel beispielsweise in Supermärkten ein, verkochen diese und verteilen das Essen dann über „Fairteiler“, also bestimmte Orte, von denen jeder das Essen einfach kostenlos abholen kann. Sowohl von den Botschaftern als auch von den Fairteilern gibt es viele zehntausende in ganz Deutschland.

Eine besondere Initative von foodsharing Bonn gemeinsam mit der Welthungerhilfe ist das Bonner Format Rudi rettet Reste. Wie bei dem bekannteren Rudi rockt finden sich auch bei Rudi rettet Reste kochinteressierte Menschen zusammen, die in Zweiergruppen kochen und dann bei einem 3-Gänge-Running Dinner viele andere Menschen aus der Umgebung kennenlernen und einen schönen Abend miteinander verbringen. Bei Rudi rettet Reste können sich die Teilnehmer am Tag vorher gerettete Lebensmittel abholen, die foodsharing Bonn austeilt. Die Veranstalter wollen damit auf Lebensmittelverschwendung aufmerksam machen. Fabio Schleicher von der Welthungerhilfe war bereits bei bonnFM zu Gast und hat von der Veranstaltung erzählt. Das Interview könnt ihr hier nachhören. Das letzte Mal ist über ein Jahr her, aktuell ist keine neue Veranstaltung geplant.

Aber foodsharing ist mit seinen Bemühungen nicht alleine. Weitere Retter von Lebensmitteln sind beispielsweise Sirplus, ein Onlineshop für aussortierte Lebensmittel, Etepetete, Gemüsekisten mit optisch unschönem, aber vollwertigem Gemüse, Kauf’ ne Kuh, Bio-Helden, Dörrwerk, The Good Food

Es fehlt an Verantwortung

Trotz aller Bemühungen kann weder foodsharing noch andere Initativen verhindern, dass auch bei jedem einzelnen Zuhause tagein, tagaus Lebensmittel verderben oder sogar noch gute Lebensmittel weggeworfen werden. Alles ist ja schnell und günstig wieder nachgekauft. Nicht umsonst hat sich der Begriff „Wegwerfgesellschaft“ etabliert. Dass die Lebensmittel auf der Welt locker reichen könnten, um alle 7,6 Milliarden Menschen weltweit satt zu machen, gleichzeitig aber Bilder von massiv unterernährten Kindern, die man kaum noch als menschliche Wesen erkennen kann, die Runde machen, erscheint mehr als tragisch. Unter dem dazu passenden Hashtag #EsReichtFürAlle berichten deswegen Menschen auf den sozialen Medien von ihren Erlebnissen mit bzw. gegen Lebensmittelverschwendung. Es wird versucht ein Stück weit anderen Menschen die Augen zu öffnen bezüglich dieses Problems, dessen sich zwar jeder irgendwie bewusst ist und das täglich direkt vor unserer Nase passiert, gegen das aber doch von jedem einzelnen zu wenig unternommen wird. Das Vorhaben, nachhaltiger zu leben – egal, ob es Lebensmittel oder andere Dinge betrifft – haben viele Menschen schnell wieder vergessen, wenn der Black Friday oder Cyber Monday mit Rabatten um die Ecke kommt.

Es bleibt also nur der ewige Appell, vorsichtiger und wertschätzender mit Lebensmitteln umzugehen, und auf Missstände und Fehlverhalten aufmerksam zu machen.

Weitere wichtige Infos rund um das Thema Lebensmittelverschwendung erhaltet ihr auf dem Factsheet der Welthungerhilfe.

Dieser Beitrag hat einen Kommentar

  1. Avatar

    Eine tolle weitere Initiative von Foodsharing Gründer Raphael Fellmer ist SIRPLUS – da kann man in Berlin oder per Online Shop ganz einfach Lebensmittelretten.
    Das Mission des StartUps ist, das Retten von Lebensmitteln Mainstream und für jeden zugänglich zu machen.
    Ich glaube seit der Gründung konnten bereits mehr als 1000 Tonnen Lebensmittel vor der Tonne gerettet werden.

    Und das Unternehmen arbeitet direkt mit Produzenten und Großhändlern zusammen und kauft so die Produkte, die es nie in den normalen Einzelhandel schaffen (Verpackungsfehler, Produktionsfehler, nicht Normgerechte, Überschreiten des MHDs).

    Auf http://www.sirplus.de kann man sich noch mal genauer informieren

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