Obdachlosenhilfe in Bonn
bild: Johanniter

Obdachlosenhilfe in Bonn

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Montag, 18 Uhr am Kaiserbrunnen. Der Platz füllt sich mit bedürftigen Menschen, die auf einen weißen Johanniterbus warten. Die Obdachlosenhilfe der Johanniter unterstützt während der kalten Winterzeit Hilfsbedürftige mit Essen und Klamotten.

In Deutschland waren laut Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege 2018 rund 678.000 Menschen wohnungslos. In Bonn handelt es sich schätzungsweise um 90 bis 100 obdach- und wohnungslose Menschen, genaue Zahlen gibt es dazu nicht. Nicht nur die Obdach-und Wohnungslosen profitieren von der Hilfe der Johanniter und der Bonner Werkstätten, auch anders Bedürftige dürfen sich eine warme Mahlzeit abholen und Gesellschaft beim Essen haben.

Während der eisigen Winterzeit

Von Oktober bis März fährt die Johanniter-Gruppe unter Leitung von Melanie Möchel fast jeden Montag von Sankt Augustin ins Bonner Zentrum und teilt dort nicht nur Essen, sondern auch Kleidung und Hygieneartikel aus. Unterstützt werden die Johanniter dabei von freiwilligen Helfern/innen der Bonner Werkstätten, die bei der Getränkeausgabe behilflich sind und den Menschen Gesellschaft beim Essen leisten. Außerdem wird in den Bonner Werkstätten das Essen zum Selbstkostenpreis gekocht, während die Johanniter für die Älteren oder Kranken zusätzlich eine Schonkost vorbereiten. Tatsächlich geht es nicht nur um das Essen und die Kleidung. Die Essensausgabe ist längst auch ein Ort der Begegnung geworden.

Wie alles begann

Begonnen hat die ganze Aktion 2011, als es den ersten Kältetod-Fall in Deutschland gab. Spontan wurde die Projektgruppe ins Leben gerufen und auch heute funktioniert noch alles reibungslos. Melanie Möchel sagt selbst: „Für mich war es immer ein Anliegen der Gesellschaft was zurück zu geben.“ Ihr selbst fehle es an nichts. So hilft die Leiterin der Projektgruppe gern und die Bedürftigen sind ihr bereits sichtlich ans Herz gewachsen.

Dennoch braucht es Regeln

Die Essens-und Kleiderausgabe funktioniert allerdings nur so gut, weil es Regeln gibt. Es ist fest vorgeschrieben, dass zuerst das Essen ausgeteilt wird. Wenn die meisten dann aufgegessen haben, beginnt erst die Kleiderausgabe. Melanie Möchel erklärt den Ablauf so: Es sei relevant, dass die Bedürftigen nicht denken, sie würden Kleidungsstücke verpassen, während sie noch essen, weil dann das Essen links liegengelassen würde. Es sei aber wichtig, dass alle in Ruhe ihre warme Mahlzeit genießen können. Deshalb gibt es diese Regel. So gerät niemand in Stress. Die Kleidungsstücke werden schließlich nach dem Essen einzeln, wie bei einer Auktion hochgehalten und derjenige, der Interesse hat meldet sich. So werden jede Jacke, jeder Pulli und jede Hose nacheinander verteilt.

Finanzierung und Nachhaltigkeit

Die Obdachlosenhilfe der Johanniter beruht auf Sach- und Geldspenden. Es wurde beispielsweise im Dezember Hundefutter von einer Hundeschule gespendet, was dann im Rahmen einer Aktion verteilt werden konnte.

Das Essen wird derzeit noch in Plastikschälchen ausgeteilt, Melanie Möchel verspricht aber, dass der Umstieg auf Einweggeschirr aus Zuckerrohr schon geplant ist. Dann wird die Hilfe der Johanniter sogar noch plastikfrei stattfinden können. Das Müllsammeln nach den Ausgaben klappt gut, die Schälchen werden meist zurückgebracht, oder nach der Ausgabe wieder eingesammelt, sodass der weiße Johanniterbus den Platz am Kaiserbrunnen nach ein paar Stunden wieder verlässt, ohne sichtlich Spuren zu hinterlassen.