JADE Thirlwall wurde als Mitglied der britischen Girlgroup “Little Mix” zum Weltstar. Jetzt startet sie als Solokünstlerin richtig durch. Mit ihrer „That’s Showbiz Baby!“-Tour trat die Sängerin am Samstag, dem 7. März, im Kölner E-Werk auf. Auf der Bühne zeigte sie nostalgische Pop-Perfektion mit queeren Einflüssen.
Den Drang zum Star-Dasein besitzt JADE allemal. Mit gerade einmal 15 Jahren bewarb sich die Engländerin bei der Castingshow The X Factor. Zunächst erfolglos. Doch Beharrlichkeit zahlt sich aus. Beim dritten Anlauf wurde sie von den Jurymitgliedern zusammen mit den Kandidatinnen Leigh-Anne Pinnock, Perrie Edwards und Jesy Nelson zur Girlgroup Little Mix gecastet. Die Gruppe holte sich den Sieg und wurde zu einer der erfolgreichsten Girlgroups aller Zeiten.
JADE überzeugt auch solo
Nachdem Little Mix im Jahr 2022 eine unbefristete Pause angekündigt hat, verfolgen die einzelnen Bandmitglieder Soloprojekte. Im vergangenen September erschien mit That’s Showbiz Baby! das lang erwartete Debütalbum von JADE, das auch titelgebend für ihre erste eigene Solotour war.
Dabei ist der Name des Albums auf der Bühne wirklich Programm. JADE legte im ausverkauften E-Werk eine Show mit hohem Produktionswert und Theatralik hin, wie man sie in der Halle normalerweise nicht gewohnt ist. Da merkt man, dass JADE mit Little Mix bereits in großen Spielstätten wie der Lanxess Arena aufgetreten ist und weiß, wie man eine Bühne füllen soll.
Glamouröses Opening bei der „That’s Showbiz Baby!“-Tour
Schon zu Beginn des Konzerts fühlt man sich zurückversetzt in eine Cabaret-Show im Stil von Moulin Rouge. Neben einer mit roten Samtvorhängen geschmückten Miniaturbühne tanzen zwei Tänzer:innen mit großen Fächern aus schwarzen Federn. Mit Trommelwirbel heißt eine Stimme, die an den Conférencier im Cabaret erinnert, das Publikum willkommen und fordert es auf, „fierce and unapologetically you” zu sein.
Ganz das Showgirl fängt JADE daraufhin an, den Synthie-Pop-Song FUFN (Fuck You for Now) zu singen. Zunächst sieht man jedoch nur einen Arm aus dem Vorhang hervorblitzen, dann ein neckisches Bein, bis schließlich JADE dramatisch aus dem Vorhang hervor stolziert. Dabei trägt sie einen baby-blauen Bodysuit mit einem Muster aus glitzernden Rosen. Das gewagte rote Augen-Make-up macht den Look perfekt.
Queere Celebration auf dem JADE-Konzert
Im Verlauf des Konzerts beweist JADE wiederholt ihre Popstar-Qualitäten: Sie wechselt mehrfach das Outfit, legt eine sexy Stuhl-Choreografie hin und zeigt natürlich, was für eine starke Stimme sie hat. Letzteres kommt besonders gut beim Song Frozen, einem Cover des Madonna-Hits, zur Geltung.
Genau wie Madonna zieht JADE mit ihren campy Auftritten, die offensichtlich von der queeren Ballroom-Szene der New Yorker 1960er/70er Jahre inspiriert sind, eine große Fangemeinde aus der LGTBQ-Community an. JADE ist sich dessen auch bewusst, wie sie bei dem Konzert bestätigte: „Wenn es eine Sache gibt, die ich mit Gewissheit weiß, dann ist es das: Bei einem JADE-Konzert geht’s auf Grindr richtig ab!“ Grindr ist die wohl am weitesten verbreitete Dating-App für queere Männer.
Aber abgesehen von der ästhetischen und musikalischen Annäherung an die queere Kultur setzt sich JADE auch aktiv für die Rechte der LGBTQ+-Gemeinschaft ein und wurde für ihr Engagement bereits zweimal mit dem Gay Times Honour for Allyship ausgezeichnet.
JADE spielt ihre Kindheits-Idole und Little Mix-Song
Neben Madonna würdigt JADE auch die Soul-Pop-Girlgroup The Supremes. Der Song Before You Break My Heart enthält ein Sample aus deren Klassiker Stop! In the Name of Love und der Disco-Beat regt mächtig zum Tanzen an. Langsamer und introspektiver wird es dagegen beim Song Silent Disco, den JADE zur Überraschung aller von einem Balkon aus singt und dabei den Fans ganz nah kommt. Ein weiteres Highlight ist der eingängige Dance-Track Wasabi. Obwohl der einzige Little Mix-Hit auf der Setlist recht kurz angespielt wird, löst er bei der Fangemeinde starke Nostalgiegefühle aus.
Angel of My Dreams: JADE kritisiert die Musikindustrie
Zum großen Finale mit Angel of My Dreams fährt JADE noch einmal alle Register aus: Sie erscheint im roten Kleid mit Engelsflügeln und Pfeilen auf der Brust, die ins Herz treffen. Angel of My Dreams fasst musikalisch den ganzen Abend zusammen, indem es Power-Ballade und stark elektronischen Dance-Pop kombiniert. Der Song symbolisiert auch JADEs Hassliebe zur Musikindustrie. Er stellt ihre schmerzhaften Erfahrungen mit Ausbeutung und Manipulation ihrer anhaltenden Leidenschaft für Musik und Performance gegenüber. Es ist ein würdiges Ende, das zudem den Werdegang von JADE vom gecasteten Girlgroup-Mitglied zur Solosängerin mit eigenem Album nachzeichnet.
Insgesamt setzt JADEs Debüt sowohl musikalisch als auch inszenatorisch auf den Nostalgie-Faktor. Es bleibt spannend, wie sich JADE künstlerisch weiterentwickeln wird. Wenn sie sich noch stärker auf ihre eigene Originalität besinnt, hat sie das Potenzial zu einer steilen Solo-Karriere.
