You are currently viewing Växjö – Eine Seenswerte Stadt?
Schloss Teleborg: Elias Thielges

Växjö – Eine Seenswerte Stadt?

Die Halbzeit meines Auslandsaufenthaltes in Schweden ist mittlerweile erreicht und deshalb dachte ich, dass nun der richtige Zeitpunkt wäre, um ein Zwischenfazit zu ziehen. Was bietet Växjö und lohnt es sich ein Jahr in dieser Stadt zu verbringen? 

Ende August letzten Jahres bin ich in meinen Auslandsaufenthalt in Schweden gestartet. Mit dem Zug habe ich mich von Düsseldorf aus, über Hamburg bis in den Südsüdosten Schwedens bemüht und das mit allerlei Verspätung – ein Klassiker. Zwar war ich gut 24 Stunden unterwegs – auch wenn der Schlafplatz im Nachtzug eine echte Erleichterung war –, aber hey, aufgrund der massiven Verspätung habe ich fast meine ganze Reise zurückerstattet bekommen. Wenn das nicht mal ein Win ist!

Abseits der Verspätungen war die Reise sehr angenehm. Für “grünes Reisen” gibt es auch eine Erasmus-Förderung. Also, wenn man auf Flugzeug, Schiff oder Auto für seine An- und Abreise verzichtet. Und das rentiert sich meiner Meinung nach sehr. Nicht nur schont man die Umwelt oder lernt neue Leute kennen, sondern ist der Reisekostenzuschlag auch recht großzügig, sodass man am Ende sogar noch einiges über hat, um im Land selbst zu reisen. 

Schweden: Välkommen till Växjö

Die Mittagssonne begrüßte mich in Växjö und mit dem Abholservice des Erasmus Student Networks (ESN) ging es dann zum Unicampus. Die Uni liegt im Süden der Stadt, etwas isoliert vom restlichen Geschehen. Student*innenwohnheime, Universitätsgebäude und Supermärkte sind alle direkt beieinander gelegen, sodass man den Eindruck bekommt, als wäre der Campus eine eigene Stadt in der Stadt. Und so fernab ist das gar nicht von der Realität, denn auf dem Campusgelände findet man zusätzlich auch ein paar Restaurants und Imbissbuden, sowie Friseure, Gyms und natürlich Feiermöglichkeiten. Hinzu kommen noch der Trummen, einer der beiden Seen, der direkt an den Wohnheimen liegt, sowie ein wunderschönes Naturschutzgebiet.

Dadurch hat man es normalerweise nicht nötig, extra in die Stadt zu fahren. Aber das lohnt sich doch schon. Växjö ist mit seinen 75.000 Einwohnern nicht gerade die größte und lebendigste Stadt, aber dafür gilt sie immerhin als grünste Stadt Schwedens.

Wer an der Geschichte der Stadt interessiert ist, sollte sich die beiden Museen nicht entgehen lassen. Das Glasmuseum, sowie das Auswandererhaus erzählen aus unterschiedlichen Perspektiven den Wandel der Stadt. Für Student*innen gibt es in beiden Museen einen kleinen Rabatt und zumindest an Regentagen lohnt sich ein Besuch allemal.

Unterwegs sein

Wie schon erwähnt, lohnt es sich, die Natur in Växjö und Umgebung zu erkunden. Egal zu welcher Jahreszeit lässt sich in der Umgebung einiges erleben. In Schweden hat sich in den letzten 13 Jahren das Konzept Fritidsbanken (wörtlich: die Freizeitbank) etabliert. Diese “Bibliothek” bietet ein breites Angebot an Sport- und Freizeitbedarf an. Von Campingausstattung über Schlittschuhe und Stand-Up-Paddling-Boards, bis hin zu Gesellschaftsspielen kann sich jeder alles kostenfrei ausleihen. Dabei beruht das gesamte Konzept auf Vertrauen und das scheint auch sehr gut zu funktionieren. Falls ihr also mal in Schweden mit begrenztem Gepäck  unterwegs seid, ist Fritidsbanken auf jeden Fall eine lohnenswerte Anlaufstelle.

Ansonsten lohnt es sich auch einfach mal loszulaufen und zu schauen, wohin man kommt. Durch das Allemansrätt (Jedermannsrecht) könnt ihr auch an jedem beliebigen Ort ein Zelt aufstellen, solange man die Natur nicht beschädigt. Für alle, die nicht zelten wollen, gibt es auch lohnenswerte Tagesziele.

Ein empfehlenswertes Ausflugsziel, um ein wenig aus der Stadt zu kommen, ist die Schlossruine Kronoberg, nördlich von Växjö gelegen und super mit dem Bus erreichbar. Von der Ruine aus gehen einige Wanderwege ab, in unterschiedlichen Schwierigkeitsstufen und Längen, die dann um den anliegenden See herumführen. 

Schlossruine Kronoberg: Elias Thielges

Es lohnt sich aber auch mal mit dem Zug in die umliegenden Städte Schwedens zu fahren. Lund, Linköping und Kalmar sind beispielsweise alle innerhalb von ungefähr zwei Stunden erreichbar – für schwedische Verhältnisse ein Katzensprung.

Lohnt sich Växjö für den Auslandsaufenthalt?

Die Frage ist mit einem klaren Jein zu beantworten, denn es kommt sehr darauf an, welche Erwartungen man an einen Auslandsaufenthalt hat. Wenn Feiern und ein aktives Nachtleben im Vordergrund stehen sollen, dann ist Växjö eher nichts für einen. Wenn man aber einfach Ruhe inmitten der Natur, umgeben von etlichen Seen haben möchte, dann kann Växjö super schön sein. 

Ich bereue meine Wahl zumindest nicht und bin gespannt, was der Frühling so noch mit sich bringt.

Kommentar verfassen. Bitte sei dir bewusst, dass der von dir angegebene Name und die E-Mailadresse nun im Zusammenhang mit deinem Kommentar sichtbar sind.