#female pleasure
Bild: #FEMALE PLEASURE / X Verleih AG

#female pleasure

Eine Dokumentation über fünf Frauen aus fünf unterschiedlichen Teilen der Welt, die auf eigenen Wegen das gleiche Ziel verfolgen: Der Frau das Recht an ihrem eigenen Körper wieder zurückzugeben. Am 5. August 2018 ist #female pleasure erschienen, dieser Tage noch in Köln zu sehen und in jedem Fall auch sehenswert.

Rokudenashiko ist eine japanische Mangakünstlerin, die einen 3D-Druck von ihrer Vagina erstellt hat, um damit verschiedene Kunstwerke zu kreieren. Witzige Idee, könnte man meinen – die japanische Justiz schien das allerdings anders zu sehen und nahm Rokudenashiko wegen der „Obszönität“ fest. Gleichzeitig wird beim jährlichen Fruchtbarkeitsfest in Japan dem Phallus gehuldigt. Leyla Hussein ist selbst von FGM (female genitale mutilation) betroffen und nutzt ihre Reichweite nun, um auf das Thema aufmerksam zu machen und ihre Tochter sowie Mädchen weltweit vor der Praxis zu bewahren. Doris Wagner war lange Zeit Nonne im katholischen Werk, bis ein Pater sie sexuell missbrauchte. Als sie daraufhin innerhalb und außerhalb der Kirche nach Hilfe suchte, wurde ihr keine geboten. Deborah Feldman gehörte einer chassidischen Gemeinde in New York an, wo ihr Körper zu einer Sünde und ihre Sexualität zu einer Nichtigkeit erklärt wurde. Um ihren Sohn nicht in dieser Welt aufziehen zu müssen, verlässt sie die Gemeinde und muss lange Zeit mit schweren Vorwürfen ihrer Familie und ihres Ex-Mannes leben. Vithika Yadav war die erste aus ihrer Familie, die aus Liebe geheiratet hat. Damit weitere junge Menschen in Indien diesen Weg einschlagen können, hat sie die erste Internetplattform Love Matters zu den Themen Liebe und Sex im indischen Web gegründet.

Die weltweiten Religionen praktizieren das Patriarchat – Leyla Hussein

Auf den ersten Blick scheinen diese Frauen nicht das gleiche Schicksal zu teilen. Aber sie kommen aus unterschiedlichen Teilen der Welt und haben auf jeweils ihre Weise erkannt, dass sie in einer Kultur der weiblichen Unterdrückung aufgezogen wurden. Sie decken die repressiven Strukturen auf, die jeder der Weltreligionen innewohnt. Zitate, die den heiligen Schriften direkt entnommen wurden und zwischen den Interviews mit den Frauen eingeblendet werden, unterstützen ihre Anklage. Die Herrschaftsstrukturen der Weltreligionen fußen nicht etwa auf Gottes Wort, sondern auf den Worten von Männern, die aus unerfindlichen Gründen die Unterdrückung der Frau durchsetzen wollen. Dabei übt der Film keine Kritik an Männern, bloß weil sie Männer sind. Das wird schließlich vielen Feminist*innen vorgeworfen. Der Film übt Kritik an einem System, das ein Geschlecht dem anderen vorzieht. Immer wieder.

Bild: #FEMALE PLEASURE / X Verleih AG

Eine Ode an den Feminismus des 21. Jahrhunderts

#female pleasure versucht, eine Öffentlichkeit für Themen zu schaffen, die zuvor keine Öffentlichkeit erfahren haben. So der Fall von Doris Wagner, die nach ihrem Missbrauch nicht in der Rolle eines Opfers, sondern als eine Verführerin gesehen wurde (Eine Wertung, die so nicht nur in der Kirche stattfindet). Genauso erlaubt Leyla Hussein es nicht, Genitalverstümmelung zu einem Problem zu machen, das man bequem nach Afrika (ab)schieben kann. Sie will Aufmerksamkeit dafür schaffen, dass das Problem weltweit besteht. Die „Unreinheit“ der Frau und der Unwille der Gesellschaft, sich mit ihrer Sexualität auseinanderzusetzen sind zentrale Aspekte des Films, die von jeder der Protagonistinnen aufgegriffen werden. Zwar roch bei einer Aktion der indischen Internetplattform Love Matters die Darstellung von Notwehr in einer Performance doch stark nach Selbstjustiz, aber im Großen und Ganzen ist #female pleasure sehenswert, informativ und eine Ode an den Feminismus des 21. Jahrhunderts.

Mein Körper gehört mir.

Denn gut ein Jahr nach der #metoo-Debatte ist mitnichten genug für den intersektionalen Feminismus getan worden. Nach Vorreiter*innen wie Simone de Bouvoir und Judith Butler hat der Feminismus entschieden noch nicht sein Ziel erreicht.  Der neue Dokumentarfilm #female pleasure von der Schweizer Regisseurin Barbara Miller leitet vielleicht keine neue Ära ein, aber er greift den Geist des modernen Feminismus auf und ruft Frauen auf der gesamten Welt dazu auf, ihre Körper wieder für sich zu beanspruchen. Und durch den Umbruch, den der Film zu bezeichnen versucht, bietet sich sicherlich auch den Männern die Möglichkeit, ihre Rolle in der Welt neu auszulegen.

 

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