Und wo ist sie für dich, die “Mitte der Welt”?

Das deutsche Coming-of-Age-Drama läuft am 10.11. in den Kinos an. Die bonnFM-Kinosendung war für euch auf der Premiere im cinenova in Köln.

Den Zwillingen Phil und Diane ist das konventionelle Familienleben als Kinder der jungen und exzentrischen Glass eher fremd: Sie sind nicht nur ohne Vater aufgewachsen, auch dessen Namen hält ihre Mutter seit Jahren geheim. Der blinde Fleck, der dadurch in Phil entstand, wird vor allem durch die Vertrautheit zwischen ihm und seiner Schwester in Schach gehalten. Nach Phils Rückkehr aus einem dreiwöchigen Sommercamp scheint sich dieses innige Vertrauen jedoch in Luft aufgelöst zu haben und auch die Stimmung zwischen Glass und Diane scheint angespannt. Zum Glück gibt es noch die verrückte Kat, Phils beste Freundin.

Familienstreit und die erste Liebe

Mit Kat vergehen die letzten Ferientage unbeschwert mit Eis, Shopping und Spaß am See. Diese Idylle endet mit Beginn des neuen Schuljahres – und mit einem neuen Mitschüler: Nicholas. Geheimnisvoll und unverschämt gutaussehend übt er eine starke Anziehungskraft auf Phil aus, der sich sofort in ihn verliebt. Es entwickelt sich eine leidenschaftliche Affäre zwischen den beiden Jungs, die jedoch durch Nicholas‘ Unnahbarkeit rein körperlich bleibt. In dem daraus resultierenden Gefühlschaos bräuchte Phil den Rückhalt und die Vertrautheit seiner Familie, doch Glass muss erst noch lernen Verantwortung zu übernehmen. Bis alles eskaliert.

Bild: Alexandra Runden / bonnFM

Bild: Alexandra Runden / bonnFM

Deutscher Film mal anders

Die Literaturverfilmung, basierend auf Andreas Steinhöfels gleichnamigen Roman, lässt sich kaum mit anderen deutschen Filmen vergleichen. Als Zuschauer sollte man sowohl für Erotikszenen offen sein, als auch für eine etwas andere Filmtechnik. Starke Schnitte und situationsuntermalende Bilder, wie ein ausbrechender Vulkan, überraschen, lockern auf und wirken im Film als Metapher für das, was nicht dargestellt werden kann.

Die Schauspieler in „Die Mitte der Welt“ sind jung, aber dennoch keine unbekannten Gesichter. Louis Hoffmann („Phil“) stand bereits in 19 Rollen vor der Kamera und gehört zu den vielversprechendsten Nachwuchstalenten des deutschsprachigen Films. Auch in diesem Drama schafft er es seine Rolle glaubhaft ins Leben zu rufen, „er war wie Wachs“ in den Händen seines Regisseurs.

„Die Mitte der Welt“ – für jeden woanders

Ein Drama, das für Tränenfluten sorgt, hat man hier durch die vielen witzigen Szenen und Bilder nicht. Trotzdem geht der Film ans Herz – wie die Suche nach der ganz persönlichen Mitte der Welt.

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