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Die Bonner Baskets im 3x3 in der Bochumer Jahrhunderthalle. Quelle: bonnFM

Bonn verpasst Titel bei 3×3 Super Week in Bochum

Wer an Bonner Basketball denkt, hat wahrscheinlich die Heimspiele der Telekom Baskets im Telekom Dome im 5-gegen-5 mit zwei Körben im Kopf. In der Bochumer Jahrhunderthalle hat man am 28. und 29. März auch Bälle der Bonner Baskets in den Korb fliegen sehen. Aber trotzdem war dort alles anders.

Die Jahrhunderthalle ist keine klassische Sporthalle. Früher war hier eine Gaskraftzentrale, heute ist es eine der Eventlocations im Ruhrgebiet. Hohe Decken, viel Stahl, viel Beton und ein rauer, urbaner Charakter. Für die 3×3 Super Week wurden mehrere Courts, große Tribünen und eine riesige LED-Wand mitten in der Halle aufgebaut.

Das Ganze fühlte sich weniger nach einem klassischen Turnier an. Auf mehreren Courts liefen Jugend- und Amateurturniere sowie offene Streetball-Games. Auf dem Main Court gab es Wettbewerbe im Wheelchair-Basketball sowie in der Women’s und Men’s Super League. Begleitet wurde das Wochenende außerdem von Musik und Showacts wie den Dunking Devils, die mit akrobatischen Dunks, Mini-Trampolin und Freestyle-Moves für Entertainment zwischen den Spielen sorgten.

Basketball: Was ist eigentlich 3×3?

Die Basics funktionieren ähnlich wie beim klassischen Basketball: Zwei Mannschaften wollen den Ball in den Korb werfen, um Punkte zu sammeln. Das Ganze findet aber nur auf einem halben Feld und mit nur einem Korb statt. Die Teams bestehen aus vier Spieler*innen, von denen immer drei gleichzeitig auf dem Feld stehen. Ein Spiel dauert maximal zehn Minuten oder endet früher, sobald ein Team 21 Punkte erreicht. Auch die Punktevergabe ist etwas anders als beim klassischen Basketball: Würfe innerhalb der Linie zählen einen Punkt, Würfe von außerhalb zwei Punkte. Zusätzlich gibt es nur 12 Sekunden Angriffszeit. So wird das gesamte Spiel deutlich schneller und direkter. Seit den Olympischen Spielen in Tokio 2021 ist 3×3 auch eine olympische Disziplin.

Die 3×3 Super Week in Bochum ist Teil eines internationalen Systems, bei dem Teams Punkte für die Weltrangliste sammeln. Diese Punkte sind entscheidend für die Qualifikation für Olympia 2028. Das wirkt auf den ersten Blick ziemlich verwirrend… Da spielen Teams wie die Telekom Baskets Bonn, Brooklyn oder Fuengirola gegeneinander, aber am Ende geht es um Olympia? Sollten hier nicht Nationalmannschaften stehen? Auch was das angeht, funktioniert 3×3 anders als der „normale“ Basketball.

Telekom Baskets: Das steckt im Bonner Kader

Im 3×3 sammeln nicht nur Nationalteams Punkte, sondern vor allem einzelne Spieler*innen. Punkte gibt es bei internationalen Turnieren wie der Super Week, bei denen sie für Stadtteams antreten. Diese fließen ins FIBA-Weltranking ein. Das entscheidet am Ende darüber, wer sich für Olympia qualifiziert. Mit 7.286.446 Punkten stehen die deutschen Männer aktuell übrigens auf Platz fünf in diesem Ranking und haben damit sehr gute Chancen auf ein Ticket für Olympia. Das Team der Baskets Bonn ist in diesem System so etwas wie eine Plattform für deutsche Topspieler*innen, um die Olympia-Punkte zu sammeln. Schon 2025 berichtete bonnFM über ein Basketball-Open-Air-Event, dass die Telekom in Bonn veranstaltete.

Für die Telekom Baskets Bonn waren an diesem Wochenende Sidi Beikame, Fabian Giessmann, Denzel Agyeman und Lennart Schultz dabei. Sie alle gehören zu den Top 10 Spieler*innen im Deutschland-Ranking und haben viel 3×3-Erfahrung. Giessmann ist eines der größten deutschen Talente überhaupt. Agyeman als Scorer, Beikame mit Athletik und Energie, Schultz als Verbindungs-Spieler. Das passt ziemlich gut zusammen, wie man im Turnier gesehen hat.

Der Samstag in der Gruppenphase begann durchwachsen mit einer Niederlage gegen Brooklyn (18:21), gefolgt von einem Sieg am Abend gegen Fuengirola (21:16). Am Sonntag ging es weiter mit einem Sieg gegen Bochum (21:19) und damit als Gruppenerster ins Halbfinale gegen Warschau.

Spannung bis zur letzten Sekunde im Halbfinale

Bonn ist katastrophal in das Spiel gestartet. Sie sind noch nicht wirklich angekommen im Spiel bei 0:5 nach zwei Minuten. Nichts läuft, vorne keine Lösungen, hinten zu viele einfache Punkte. Kurz dachte man, das war’s für dieses Wochenende. Aber dann kam dieser Moment, in dem das Spiel blitzschnell gekippt ist, was typisch für 3×3 ist. Bonn wurde mit jedem Angriff besser. Vor allem Fabian Giessmann übernahm Verantwortung, brachte Energie rein und scorte.

Plötzlich stand es 6:6. Dann Führung und wieder der Ausgleich durch Warschau. Es ging hin und her und auch die Polen legten immer wieder nach. Bei 20:20 sind die zehn Minuten um. Es geht also in die Overtime und der nächste Punkt gewinnt. Die ganze Jahrhunderthalle hält den Atem an. Wer zieht gegen Fuengirola ins Finale ein? Denzel Agyeman macht eiskalt den Zweier aus der Distanz. Das Spiel endet mit 23:21 und Bonn steht im Finale.

Starker Start ins Finale

Gegen Fuengirola startete Bonn diesmal genau andersrum. Sie sind hellwach, aggressiv und direkt da.Giessmann eröffnet mit einem Zweier und Bonn führt früh. Das Spiel bleibt eng, denn beide treffen immer wieder. Man merkt, beide Teams spielen hier auf richtig hohem Niveau. Beikame bringt die Punkte, Schultz sorgt für Struktur, Agyeman trifft wieder wichtige Würfe. Zwischendurch sieht es mit 18:15 sogar richtig gut aus für Bonn.

Dann dreht sich das Spiel. Fuengirola stellt defensiv um, macht die Zone dicht und zwingt Bonn zu schweren Würfen von außen. Genau da verlieren die Bonner*innen ein bisschen den Rhythmus. Gleichzeitig spielen die Spanier extrem clever und nutzen jede Chance. In der Schlussphase steht es 19:19 bei noch 5,7 Sekunden auf der Uhr. Doch Bonn foult und Fuengirola bekommt Freiwürfe. Das Spiel endet mit 21:19.

Kein verlorenes Wochenende für Bonner Baskets

Klar, das Finale zu verlieren, tut weh, gerade wenn man so nah dran ist. Aber wenn man sich das Gesamtbild anschaut, merkt man, dass dieses Bonner Team richtig gut ist. Das Comeback nach dem holprigen Start ins Halbfinale, die individuelle Klasse der Spieler*innen und die Teamchemie haben extrem viel Potenzial. 3×3 ist anders als der Basketball, den man aus der BBL kennt. Schneller und direkter. Aber genau deshalb macht es so viel Spaß zuzuschauen.

Und wenn man an diesem Wochenende eins gelernt hat, dann dass Bonn im 3×3 angekommen ist und die Spitze nicht mehr weit entfernt ist. Zum rundum gelungenen Wochenende hat auch das restliche Programm beigetragen. Es war weniger ein klassisches Turnier und mehr ein Basketball-Wochenende, vollgepackt mit Jugendteams, die von Olympia träumen, Wheelchair-Basketball sowie der weiblichen und männlichen internationalen 3×3-Spitze.

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