Erinnerung ist Arbeit
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Erinnerung ist Arbeit

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Bonn steht für eine lebendige und offene Erinnerungskultur – so beschreibt sich die Stadt selbst. Aber stimmt das wirklich? Der Umgang der Verwaltung mit einer Gedenktafel für die von Nationalsozialisten verfolgten Bonner Sinti weckt Zweifel.

Wo steckt die Gedenktafel?

Der Landesverband der Sinti und Roma NRW ist enttäuscht. Die Gedenktafel wurde zur Restauration entfernt und aufgrund von Bauarbeiten am Bonner Loch nach der Fertigstellung nicht mehr aufgestellt. Seit nunmehr fünf Jahren wird die Tafel von der Stadt verwahrt. Die Minderheit könne sie nicht mehr zum Gedenken aufzusuchen, bedauert Roman Franz, Vorsitzender des Landesverbands Deutscher Sinti und Roma, in einem Brief an das Kulturamt.

Erinnerungsarbeit ist wichtig

In Bonn waren Angehörige der Sinti in der NS-Zeit massiven Verfolgungen und Deportationen ausgeliefert. Ziel war es, die vermeintliche Rasse systematisch zu vernichten.

Erinnerungsarbeit sei wichtig, denn ein Blick in die Vergangenheit könne die Perspektive auf die Gegenwart verändern, so Franz. Und das Bonner Konzept der „aktiven Erinnerungskultur“ klingt durchaus vielversprechend: Man will das Thema wissenschaftlich fundiert und systematisch aufarbeiten. Allerdings kann mit der Arbeit an dem Konzept frühestens im Januar 2022 begonnen werden, man habe Fördermittel beim Landschaftsverband Rheinland beantragt. Erneut solle sich der Landesverband Deutscher Sinti und Roma gedulden.

Landesverband drängt auf Entscheidung

Warum das Kulturamt die Anbringung der Tafel erneut verschieben wollte, obwohl die Montage der Gedenktafel für die Bonner Sinti mehrfach angekündigt wurde, versteht Franz nicht. Man sei maßgeblich an der Realisierung des Projekts beteiligt gewesen. Das Kulturamt habe den Landesverband aber bisher nicht in die Entscheidungsfindung eingebunden.

Letzten Dienstag machte die Bezirksvertretung der Verwaltung dann einen Strich durch die Rechnung: Dem Vorschlag, die Entscheidung über die Aufstellung erneut zu vertagen, wurde nicht gefolgt. Die Verwaltung ist nun aufgefordert, den Ratsgremien in Absprache mit dem Landesverband Deutscher Sinti und Roma NRW einen neuen, würdigen Standort vorzuschlagen. Roman Franz hofft auf eine bessere Kommunikation und auf eine Entscheidung – nicht erst Anfang 2022.