„Das Leben ist kein Backstage, das Leben ist ne Stage, Babe“ – Faber live in Bonn
Bild: David Heitz

„Das Leben ist kein Backstage, das Leben ist ne Stage, Babe“ – Faber live in Bonn

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Ob ein Konzert während Corona überhaupt ein richtiges Konzert sein kann? Kann man da überhaupt richtig abgehen? Faber überzeugt im BonnLive Kulturgarten vom Gegenteil. Doch wie reagiert das Publikum auf seine provokanten Texte?

Bei den diesjährigen open air-Veranstaltungen im BonnLive Kulturgarten haben die Besucher*innen coronakonform jede*r einen festen Sitzplatz im Liegestuhl oder am Biertisch. Trotzdem bleibt bei Faber keiner Sitzen. Die Menge tanzt und feiert. Dass es zwischendurch etwas nieselt, ist dabei vollkommen egal. Auch Faber erklärt, dass er eigentlich viel zu gut drauf ist, um seine schweren Songs zu spielen.

Bild: David Heitz
Bild: David Heitz

Provokante und uneindeutige Texte

Die Fans mögen vor allem seine außergewöhnlichen und uneindeutigen Texte. Bei „Vivaldi“ heizt die Band richtig ein, während alle gekonnt singen:

Ornithologen träumen jeden Tag von Vögeln / Ein Sexist wie du der träumt doch jeden Tag vom Vögeln

Fabers Texte regen oft zum Nachdenken an, haben aber auch schon für viel Diskussion gesorgt. Den Song „Sei ein Faber im Wind“ spielt er zum Beispiel auf Konzerten nicht mehr, damit diese Zeilen nach ein paar Bier nicht herumgegrölt werden:

Und jeder Jäger träumt von einem Reh / Jeder Winter träumt vom Schnee / Jede Theke träumt von einem Bier / Warum du Nutte träumst du nicht von mir?

Das bönnsche Phänomen

Für das nächste Lied verlässt die Band die Bühne. Nur Faber steht mit seiner Gitarre im Scheinwerferlicht und stimmt den Song an, als auf einmal ein grüner Schwarm Papageien dicht an der Bühne vorbei fliegt . Faber stoppt das Lied, glaubt zunächst nicht was er da sieht und erkundigt sich beim Publikum. Auch seine Bandkolleg*innen sind wieder am Bühnenrand und halten Ausschau nach den mysteriösen Vögeln. Zwar teilen sich Bonn und die Schweiz den Rhein, doch die grünen Papageien bleiben ein bönnsches Phänomen. Faber verspricht seinen Bandkolleg*innen: „Ich rufe euch, wenn die da sind.“, und widmet sich wieder seiner Gitarre.

Ich liebe dich

Zu hören gab es auch eine kleine Kostprobe aus dem neuen Album „Ich liebe dich“, das Faber zusammen mit Sophie Hunger und Dino Brandão aufgenommen hat. Die drei sagen, dass es ein Versuch ist, die Liebe in Mundart – auf Schwyzerdü tsch – zu singen. Man versteht als Hochdeutschsprechende*r nicht unbedingt viel und trotzdem versteht man eigentlich alles, einfach dadurch wie Faber singt. Denn schließlich geht es um die Liebe.

Es isch schöner, wenni di will / Als wenn i di bruch / Was hend Schmätterling / wänns Verliebt sind im Buch

Bild: David Heitz

Und ein Wunschkonzert am Ende

Als das Programm vorbei ist, gibt es noch ein kleines Wunschkonzert. Das Publikum ruft seine Wünsche, Faber bespricht sich kurz mit der Band und weiter geht’s. Den Schluss macht dann „Tausendfrankenlang“.

Ich habe dich geliebt Tausend Franken lang / Und wenn du neben mir liegst / Sehe ich dich an / Dann schwebe ich davon / Tausend Meter hoch / Mir wird warm / Jetzt bin ich arm

Am Ende liegen sich die Band und Faber in den Armen. Genau so auch das Publikum innerhalb seiner Biertischparzellen. Faber ist provokant und seine Texte sind manchmal nicht ganz zu deuten, doch sein Bühnenauftritt ist unmissverständlich – voller Liebe für die Musik.