Das kölsche Indie-Trio AnnenMayKantereit spielte bei ihrem zweiten Mal im Rhein-Energie-Stadion neben alten Bangern und dem Highlight „Tommi“ auch neue, unveröffentlichte Songs ihres anstehenden Albums sowie einmalige Lieder.
AnnenMayKantereit zurück auf der großen Bühne
Die drei Urkölner Christopher Annen, Henning May und Severin Kantereit traten am Samstagabend im Rhein-Energie-Stadion vor 25.000 Zuschauern auf. Es ist erst der zweite Auftritt der Band in dem Stadion, in dem normalerweise der 1. FC Köln zuhause ist. Sie starteten sichtlich gut gelaunt mit ihren altbekannten Songs in ihr Set, unterstützt durch vier Bläser:innen und einer Bassistin.
Teaser für neues Album
Die Indie-Band nutzte diese große Bühne für die Ankündigung eines neuen Albums und um aus diesem mit ein paar Songs eine Kostprobe zu geben. Dabei war die Bühne in zwei Teile geteilt: Im vorderen Bereich wurden die Fans prominent mit den älteren Hits wie zum Beispiel „Pocahontas“, „Oft gefragt“ und „Ausgehen“ begeistert. Im rechten Teil der Bühne spielte die Band dagegen ein paar neue Songs nahm das Publikum in einer Art kleinem Studio in Live-Atmosphäre auf.
Besonders in Erinnerung geblieben ist von den neuen Songs „Dunkelgrün“, der von einer Autofahrt mit einer geliebten Person handelt und sicher künftig so manchen Roadtrip begleiten wird. Außerdem der Titel „Wenn du nicht mehr weiter weißt, komm zu mir“, der in positiver Form die unauffälligeren Personen einer Gruppe nach vorne pushen soll. Wann die Songs und das neue Album rauskommen sollen, hat die Band noch nicht verkündet. Hier bei bonnFM werdet ihr es aber hören oder lesen, wenn es so weit ist. Hört dafür gerne in den New Music Monday rein, dort werden einmal im Monat montags die Neuerscheinungen gespielt und besprochen.
Kölner Lokalliebe in einmaligen Song
Weitere gespielte Songs, waren dem Publikum zwar ebenfalls unbekannt, landen aber wohl auf keinem Album. Zwei Lieder mit typisch kölschen Themen waren nur für diesen Abend geschrieben. Eines dieser beiden exklusiven Lieder war über Karneval, darüber, mit dem Volksfest aufzuwachsen und dann irgendwann nicht mehr beim großen Trubel mitmachen zu wollen. Henning wünschte sich „ein Fenster zum Zoch, vum Fiere han ich jenoch“ und den Karnevalstrubel lieber von oben zu beobachten. Dazu muss gesagt sein, dass die Band das ist, was sie laut ihrem Song „21, 22, 23″ hauptsächlich nicht sein wollten, und zwar Mitte dreißig.
Dass die Mitglieder von AnnenMayKantereit in den 2000ern in Köln aufgewachsen sind, merkte man auch am zweiten Song, der nur für diesen Abend war. Dieses Lied handelt von einem einschneidenden Tag in der jüngeren Kölner Geschichte, so wie Henning ihn auch in seiner eigenen Erinnerung beschreibt. Er sang über das Nachhausekommen und darüber, es nicht fassen zu können, dass das Kölner Stadtarchiv eingestürzt ist. Dies ist ein Vorfall, bei dem zwei Menschen starben und der in der Stadt auch nach 17 Jahren unvergesslich ist, woran das Lied erinnern sollte.
Schunkeln & Grölen
Nach so viel Lokalliebe darf eines der bekanntesten Lieder im Repertoire des Trios nicht fehlen, weswegen als Highlight des Abend natürlich „Tommi“ angestimmt und dazu ordentlich geschunkelt und mitgegrölt wurde. Da wollte man, selbst wenn man nicht aus der Domstadt kommt, „mal wieder am Rhein stehen. Einfach hineinsehen.“
Es gelang den drei Kölner Jungs eindrucksvoll, den besonderen Stellenwert dieses Auftritts in der Heimstätte ihres Lieblingsvereins zu vermitteln. Dazu trug nicht zuletzt das Open-Air-Setting der Stadionatmosphäre bei: So gab der Sonnenuntergang besonders den melancholischen Songs des Abends eine stimmungsvolle Atmosphäre. Die Musik erreichte jeden Winkel des Stadions, auch wenn eine Location dieser Größenordnung dabei an ihre Grenzen stößt, die persönliche Nähe herzustellen, welche man aus kleineren Clubs kennt. Insgesamt entfaltete das Konzert aber einen schönen Vibe, der trotz der imposanten Kulisse rüberkam.
