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Bild: Sony Pictures

Are the Residents Evil yet?

Gig Economy im Zeitalter der Zombieapokalypse. Mit Resident Evil versucht sich Zach Cragger an einer der bekanntesten Horror-Videospiel-Reihen und will es für die große Leinwand neu aufbereiten. Am 17. September startete Resident Evil in den Kinos.

Der neue Film von Zach Cragger stellt den dritten Versuch dar, die seit den 90ern bestehende Videospielreihe real zu verfilmen. Von 2002 bis 2016 erschienen sieben Filme des Produzenten und Regisseurs Paul W.S. Anderson. 2021 erschien Resident Evil – Welcome to Raccoon City von Johannes Roberts. Die beiden vorherigen Versuche gelten aber sowohl für die Fachpresse als auch für die Fans der Reihe als “Flops”. Gerade der Fokus der Anderson-Filme auf Action statt Horror kam in der Community nicht gut an. Der neue Film versucht sich dabei am durch die Spiele etablierten Genre des Survival-Horrors und stellt einen unbekannten Charakter in den Mittelpunkt.

Eine kurze Zusammenfassung

Bryan, gespielt von Austin Abrams, arbeitet als Kurierfahrer für Krankenhäuser. Zu Beginn des Films erhält er den Auftrag, eine Tasche für biomedizinisches Material in ein Krankenhaus nach Racoon City zu transportieren. Auf dem Weg dorthin muss er durch einen verschneiten Wald fahren, wodurch sein Auto ins Schleudern gerät und er eine Frau anfährt. Gemeinsam mit einem zufällig vorbeifahrenden Polizisten will er zum Krankenhaus fahren, um die Tasche abzugeben und der Frau zu helfen. Als dann der Polizist ebenfalls von der Straße abkommt und der erste Zombie auftaucht, wird für den unerfahrenen Bryan die Lage ernst. Auf der Flucht aus dem Wald kommt er an ein Farmhaus, in dem er eine Waffe findet und für die er nun Munition suchen muss. Nachdem er dem Wald entkommen ist, wird er von dem Mitarbeiter der Umbrella Corporation, Paul (Paul Walter Hauser), gefunden und mit in die Stadt genommen, in der es auch nicht mehr sicher ist. Der Film lässt sich also grob in die zwei Hälften Wald und Stadt unterteilen.

Wer bin ich – und wenn Resident Evil, welches?

Da es sich bei dem Film nicht einfach um einen Horrorfilm, sondern um die Verfilmung einer der bekanntesten Videospielreihen handelt, muss der Film auch danach bewertet werden. Wie viel Videospiel Resident Evil steckt im Film Resident Evil? Eine einfache Antwort kann es darauf aber nicht geben, da sich die Videospielreihe in ihren 30 Jahren immer wieder neu erfunden hat. Nachdem der erste Teil das Genre des Survival-Horrors geprägt hat, wandelte sich die Reihe bis zum sechsten Hauptteil zu einer Action-Reihe. Seit dem siebten Teil liegt der Fokus der Videospiele wieder auf Horror. Woran knüpft Zach Cragger also an, wenn er selbst davon spricht, einen Film gedreht zu haben, der sich wie das Spiel anfühlen soll?

Es ist ein wenig von allem. Bryan muss sich alles für die Verteidigung selbst zusammensuchen. Auch die Munition ist knapp, was ein Kernelement des Survival-Horrors ist. Gleichzeitig bringt er aber auch One-Liner und flucht wie ein Actionheld. Für das Horror-Genre haben wir verschiedene Monster, gegen die er sich wehren oder vor denen er fliehen muss. Die Genre-Elemente sind also unterschiedlich ausgeprägt vorhanden. Ebenso fehlen auch Elemente aus der Resident-Evil-Lore. Dass der Handlungsort Raccoon City ist, ist genau wie die Umbrella Corp, nur ein Name. Hätte Paul nicht gesagt, dass er und das Labor von Umbrella sind, wäre das nicht aufgefallen. Das Logo kommt im Film nicht vor. Auch entstehen die Monster bei Resident Evil nicht einfach nur durch ein namenloses “Virus”. Es gibt verschiedene Arten, die unterschiedliche Hintergründe haben. Dadurch hat sich der “Zombie” in Resident Evil immer wieder weiterentwickelt. Insgesamt wirkt es so, als hätte Zach Cragger einen Zombiefilm geschrieben, und erst danach hat der Inhaber der Filmrechte, Constantin Film, gefragt, ob er nicht einen Resident-Evil-Film machen könnte. 

Horrorfilm oder doch Comedy?

Auch auf erzählerischer Ebene hat der Film Schwächen. Mit der Stadt wird fast nichts gemacht und dass an dem Tag die Apokalypse ausgebrochen ist, wird auch nicht wirklich ersichtlich. Abgesehen von wenigen Zusammenstößen ist die Stadt leer. Das größte Problem ist aber der Humor. Der Regisseur sprach davon, dass er nach Testvorführungen Szenen herausgeschnitten hat. Trotzdem ist noch zu viel Humor vorhanden. Dabei ist nicht jeder Witz schlecht, wie z.B. die klassischen Videospiel-Tropes, dass sich Türen nicht aufschließen lassen und Bryan immer daran scheitert, Schlösser zu zerschießen. Auch die Szene, in der Bryan über einen Elektrozaun springt und sich einen Schlag holt, fühlt sich organisch an, weil er nun mal untrainiert ist. Der Charakter Paul und alle Szenen mit ihm sind dafür gänzlich unpassend. Eine Sequenz besteht aus einem Exposition-Dump, in dem er dem Kurierfahrer, der nicht im Dienste der Umbrella Corp. steht, alles erklärt, was vorgefallen ist. Danach werfen die beiden sich einen Einzeiler nach dem anderen zu, wodurch der Film zu einem Buddy-Horror verkommt. Diese Stellen fügen sich nicht natürlich ins Gesamtbild eines Survival- und Horrorfilms ein.

Das große Aber des Films

Der Film schwächelt daran, ein Resident-Evil-Film zu sein, und hat auch als Horrorfilm seine Probleme. Dennoch ist es kein schlechter Film. Gerade die erste Hälfte im Wald ist handwerklich gut gemacht. Wenn Bryan zum Beispiel an der Farm ankommt, leuchtet im Hintergrund immer noch das Blaulicht des Polizeiwagens auf und man erkennt den Weg, den er von der Unfallstelle zurücklegen musste. Später wird er von einem Monster durch den Wald gejagt, das nur zwischen den Bäumen zu sehen ist, wodurch es teilweise im Schatten versteckt ist. Es wird sehr deutlich, dass sich jemand Gedanken darüber gemacht hat, wie der Film auszusehen hat und was und wann die Zuschauenden sehen sollen. Der Survivalaspekt mit Lernen und Sammeln funktioniert hier ebenfalls gut. Bryan findet neue Waffen, die er erst mal beherrschen lernen muss. Da die Waffen teilweise ohne Munition kommen, muss er diese erst einmal suchen. Leider kann die gute erste Hälfte die zweite Hälfte nicht auffangen. 

Resident Evil von Zach Cragger ist der beste Resident-Evil-Film, der bis jetzt gedreht wurde. Doch einer gut gestalteten ersten Hälfte stehen unpassende Witze und das Fehlen eines kohärenten Lore-Bezugs außerhalb von Name-Dropping oder Easter-Eggs wie dem Schreibmaschinenraum gegenüber. Am Ende ist der Film nicht gut oder schlecht, sondern einfach nur mittelmäßig.

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