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Leben unter der Armutsgrenze

Hast du vor dem Studium auch diese traumhaften Videos über Tagesausflüge, Auslandssemester, Freunde fürs Leben und Partys gesehen? Hat dich genau das überzeugt, zu studieren? Was wir auf Social Media sehen, entspricht nicht dem Studileben. Etwa ein Drittel der Student*innen wohnt in Armut.

Jede Person, die mit unter 1380 Euro im Monat klarkommen muss, liegt in Deutschland unter der Armutsgrenze. Das mittlere Einkommen der Student*innen liegt bei 800 Euro im Monat. Damit beträgt der Abstand von der Armutsgrenze 580 Euro. Vor vier Jahren waren genauso viele Student*innen von Armut betroffen, ein Drittel. Die Armutsgrenze erhob sich seit den vier Jahren um mehr als 100 Euro, aber das mittlere Einkommen der Student*innen bleibt gleich.

Welche Kosten fallen den Studis an?

Die Studis, die aus dem Elternhaus ausziehen, erwarten viele Kosten. Wir müssen eine Unterkunft, Essen, Studienmaterialien, Studierendenbeiträge und ggf. die Krankenversicherung alleine bezahlen. Für Studis aus armutsbetroffenen Familien gibt es keinen einfachen Übergang. Manche haben das Privileg, dass die Eltern einige Kosten übernehmen können und wollen. Andererseits gibt es viele, die entweder arbeiten oder auf BAföG zählen und mit sehr wenig Geld klarkommen müssen.

Ein WG-Zimmer kostet im Durchschnitt 489 Euro im Monat, so das Moses Mendelssohn Institut. Mehr als 50 Prozent der Student*innen geben monatlich zwischen 100 Euro und 199 Euro für Lebensmittel aus. Darauf kommen Internet- und Telefongebühren und gegebenenfalls Krankenversicherung. Die 800 Euro reichen allein für die monatlichen Kosten nicht aus.

Aber es sind nicht nur monatliche Kosten, die den Studis anfallen. Heutzutage kannst du nicht ohne elektronisches Gerät studieren. Wir können Notizen in einem Heft mitschreiben, aber eCampus, BASIS, Notenvergabe, Hausarbeitsabgabe und die Kommunikation mit den Dozent*innen laufen online. Studis brauchen einen Laptop, um zu studieren. Die Digitalisierung der Unis erfolgte 2016, als eCampus eingeführt wurde – bevor Studierende überhaupt genug Geld hatten, um sich einen Laptop oder ein Tablet zu kaufen. Der BAföG-Höchstsatz betrug damals nur 753 Euro. Wie konnten Studierende sich einen Laptop leisten, den Studienbeitrag und die monatlichen Kosten bezahlen?

Ein WG-Zimmer kostet im Durchschnitt 489 Euro im Monat, so das Moses Mendelssohn Institut. Mehr als 50 Prozent der Student*innen geben monatlich zwischen 100 Euro und 199 Euro für Lebensmittel aus. Darauf kommen Internet- und Telefongebühren und ggf. Krankenversicherung. Von den 800 Euro bleibt am Ende nichts.

Ist es wirklich möglich, im Studium zu arbeiten?

Das Problem vieler Student*innen lässt sich auf den ersten Blick einfach lösen – einen Job finden. In der Realität ist das nicht so einfach. Besonders im Bachelor-Studium, wenn viele Student*innen einen bestimmten Durchschnitt wegen des Masters anstreben,  von neuen Aufgaben überwältigt sind oder weil sie auf Arbeit angewiesen sind, weil die Eltern nicht genug verdienen, um ihr Studium finanziell zu unterstützen. In einem regulären Semester soll ein*e Student*in 30 ECTS belegen. Diese Anzahl an Leistungspunkten entspricht einem wöchentlichen Arbeitsaufwand von 40 Stunden. Das ist eine Vollzeitstelle. Dreißig Leistungspunkte pro Semester müssen belegt werden, wenn Studis innerhalb der Regelstudienzeiten fertig sein wollen. In diesem Fall hat man kaum Zeit, nebenbei zu arbeiten. Es ist ein Teufelskreis – wenn eine Minijob-Tätigkeit ausgeübt wird, muss aufgrund von zeitlichen Verhältnissen länger studiert werden. Dadurch leben viele Studierende länger in Armut und brauchen mehr Zeit fürs Studium

Die Lage an den Unis in NRW

Der große Umschwung in NRW kam Ende letzten Jahres. Die Landesregierung hat einen Sparplan zur Uni-Finanzierung eingeführt. Das Land hat das Budget der Unis um 120 Mio. Euro gekürzt. Den Unis in NRW stehen dieses Jahr 6,13 Milliarden Euro zur Verfügung.

Leider betrifft der Sparplan der Landesregierung vor allem die Personalstruktur. Das bedeutet, dass deutlich weniger Stellen für studentische Hilfskräfte ausgeschrieben werden. Für Student*innen bedeutet das nicht nur, dass sie keinen Arbeitgeber an der Uni finden können, sondern auch, dass Beratungsstellen rund um Jobs im und direkt nach dem Studium geschlossen werden, weil Personal in den Beratungsstellen wegfällt.

Für Studis ist die Uni die beste Chance, um einen Job zu bekommen, der zumindest in gewissem Maße mit dem Studium zusammenhängt, und einen Arbeitgeber zu finden, der die Verpflichtungen durch die Universität versteht.

Bafög-Kopfschmerzen

Im vorigen Jahr gab es keine Erhöhungen der BAföG-Höchstgrenze, die derzeit 992 Euro im Monat beträgt. Zum Wintersemester 2026/2027 wird die Wohnpauschale, die zuletzt im Wintersemester 2024/2025 um 20 Euro erhöht wurde, von 380 Euro auf 440 Euro erhöht. Dennoch bleibt sie unter der durchschnittlichen Miete für ein WG-Zimmer (489 Euro). Die Bedarfssätze werden erst im Wintersemester 2027/2028 und 2028/2029 steigen. Zunächst wird der BAföG-Betrag auf 50 Prozent des Grundsicherungsniveaus erhöht und erst 2028 auf 100 Prozent.

Das nächste Problem entwickelt sich, wenn Studis nicht innerhalb der Regelstudienzeit mit dem Studium fertig werden. BAföG ist in der Regel nur in Regelstudienzeiten erhältlich. Es gibt Ausnahmen, wie das Flexibilitätssemester. Es ist aber nur einmal im gesamten Studium erlaubt – im Bachelor und Master. BAföG erkennt vier Härtefälle, wenn eine längere Förderung erlaubt wird: Wenn du langfristig aus einem berechtigten Grund (zum Beispiel Behinderung oder Kindererziehung) keine Möglichkeiten hast, zu arbeiten. Wenn du aufgrund einer Behinderung nicht in den Regelstudienzeiten fertig sein kannst. Wenn dein Abschluss bald ansteht, aber du wegen Geldmangel nicht fortsetzen kannst; oder wenn die erste BAföG-Zahlungen nicht rechtzeitig eingegangen sind, darfst du für einen Härtefall beantragen.

Diese Ausnahmen betreffen nicht genug von uns, obwohl ein Drittel von uns lebt in Armut lebt. Als Studi fühlt man sich oft sehr verzweifelt, wenn es um Geldfragen kommt, da sehr wenige Möglichkeiten zum Verdienen infrage kommen. Aber was kannst du tun, wenn wirklich nichts klappt?

Was ist zu tun, wenn du in finanzieller Notlage bist?

Für alle, die gerade finanzielle Schwierigkeiten haben, haben wir eine Liste von Finanzierungsmöglichkeiten und sonstigen Hilfen bereitgestellt.

Bildungskredit

Darlehnen der DAKA

Deutschlandstipendium

Finanzielle Starthilfe für Erstsemester:

https://asta-bonn.de/de/beratungen/finanzelle-starthilfe-fuer-erstsemester

https://www.bafoeg-digital.de/ams/STUDIENSTARTHILFE 

Freitisch: kostenlose Mahlzeiten für Studis, die unter der Armutsgrenze wohnen

Ließem-Stipendium

Studentischer Hilfsfonds: zinsfreie Darlehen für Student*innen der Uni Bonn

Windelgeld: für Student*innen mit Kindern

Wohnen für Hilfe

Wohngeld: nur für Studis, die nicht Bafög berechtigt sind

Weitere Stipendien:

https://www.uni-bonn.de/de/studium/beratung-und-service/finanzierung-und-foerderung/stipendien

https://www.studierendenwerk-bonn.de/finanzieren/stipendien

https://www.stiftung.uni-bonn.de/de/aktivitaeten/stipendien 

Quellen:

https://www.tagesschau.de/wirtschaft/armut-deutschland-destatis-100.html#:~:text=Eine%20Person%20gilt%20als%20armutsgef%C3%A4hrdet%2C%20wenn%20sie,unter%2014%20Jahren%20betrug%20er%202.893%20Euro.

https://www.tagesschau.de/inland/gesellschaft/studierende-bafoeg-100.html

https://moses-mendelssohn-institut.de/aktuelles/hochschulstaedtescoring-wintersemester-2024-2025

https://www.campus-mainz.net/newsdetails/essen-mit-kleinem-budget-so-ernaehren-sich-die-studentinnen-der-jgu#:~:text=Wie%20hoch%20sind%20die%20monatlichen,und%20die%20Ausgaben%20so%20erh%C3%B6hen.

https://rp-online.de/nrw/landespolitik/unis-und-studierende-in-nrw-fuerchten-harte-zeiten-ab-2026_aid-139113607

https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.bafoeg-koalitionsvertrag-neuerungen-2026-mhsd.5a89464a-d13e-4e78-9f6d-d5f1c31f7d04.html

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