Madison Beer ist eine unterschätzte Künstlerin, die in der Öffentlichkeit noch größtenteils auf ihr Aussehen reduziert wird. Mit ihrer the locket tour beweist die Sängerin jedoch, dass sie sowohl tanzbare Performances als auch Herzschmerz-Balladen in höchsten Tönen auf die Bühne bringen kann.
Den Konzertabend am Freitag, dem 15. Mai 2026 eröffnet Singer-Songwriterin Lulu Simon. Sie passt mit der Schleife im Haar schon einmal optisch perfekt in Madison Beers feminine Ästhetik. Nach Lulus träumerischen Melodien folgt ein mitreißender Auftritt von Isabel LaRosa. Sie heizt mit ihren düsteren Dark-Pop-Songs die Stimmung in der Mitsubishi Electric Halle mächtig an.
Bevor dann schließlich Madison Beer die Bühne selbst betritt, sorgt die Playlist mit 1960er-Jahre Hits für nostalgische Vintage-Vibes. Nach These Boots Are Made for Walkin von Nancy Sinatra fängt dann endlich das filmreife Intro zur “the locket tour” an.
Düsseldorf, willkommen im Tunnel of Love!
Auf der Leinwand erscheint zu Wanda Jacksons Song Funnel of Love Bilder, die an einen Freizeitpark erinnern. Madison Beer lädt im Voice-Over dazu ein, den Tunnel of Love zu betreten. Ein Ort, an dem sich alle Erinnerungen, die im “locket” (Medaillon) schlummern, wieder aufleben lassen können.
Als das Bühnenbild enthüllt wird, spiegelt es diese märchenhafte Idee wider. In elegantem Weiß gehalten ist die Bühne zweiteilig aufgebaut: auf der linken Seite eine verschnörkelte Treppe, während rechts eine riesige Spieldose mit Herzmotiv steht. Dazu ein kurzer Catwalk, der Madison Beer noch näher zum Publikum kommen lässt.
Madison Beer: Popstar-Energie und zarte Balladen
Der erste Akt von Madison Beers Konzert beginnt energiegeladen mit dem Dance-Pop-Track yes, baby. Der Song 15 MINUTES legt stark nach und wird von einer dynamischen Kameraführung mit intensiven Close-ups von Madison Beer unterstützt. Dazu trägt die Sängerin ein hellgelbes Bodydress mit verspielten Schleifen und Rüschen, während zahlreiche Tänzer:innen die Pop-Performance komplett machen.
Zum Beginn des zweiten Akts ändert sich die Stimmung deutlich: Madison Beer erscheint in einem langen weißen Kleid auf der Spitze der Spieldose. In Songs wie Reckless und Selfish singt die Musikerin über Herzschmerz und Enttäuschungen. Envy the Leaves handelt dagegen von dem Wunsch, so sorgenfrei wie fallende Blätter oder Schnee zu sein. Gerade in diesen gefühlvollen Passagen kommt Madison Beers angenehme Stimme besonders zur Geltung und zeigt, dass sie auch kraftvolle High Notes erreichen kann.
In Dear Society geht es um den Druck durch Social Media
Gesellschaftskritischer wird es bei Dear Society. Mit flottem Sprechgesang reflektiert die 27-Jährige ihren Umgang mit Social Media und öffentlicher Wahrnehmung. Besonders eindringlich wirkt dabei die Zeile: “I’ve been 21 since 17, thanks to all the magazines / and sometimes I just want to scream and break my screen.”
Madison Beer erlangte bereits in jungen Jahren große mediale Aufmerksamkeit, als Justin Bieber ein Gesangsvideo von ihr auf Social Media teilte und sie damit berühmt machte. Während des Konzerts gesteht die Sängerin, dass sie leicht niedergeschlagen ist. Doch sobald sie die Bühne betritt, ist dieses Gefühl verschwunden. Auch einem Fan bereitet Madison Beer einen Glücksmoment: Aus einer herzförmigen Box mit Songtexten älterer Lieder darf ein Wunschtrack ausgewählt werden. Die Wahl fällt auf Emotional Bruises.
Madison Beer wird zum Victoria’s Secret Angel
Die Video-Interlude zum dritten Akt enthält Ausschnitte aus Just von Radiohead und deutet bereits an, dass der letzte Teil des Konzerts wieder mehr Attitude zeigen würde. Und tatsächlich kehrt Madison Beer dann auch in einem smaragdgrünen Bodysuit auf die Bühne zurück und singt lasziv angel wings
Erst im vergangenen Jahr trat sie bei der Victoria’s Secret Fashion Show auf, wo Engelsflügel ikonischer Bestandteil der Show sind. Zwar erscheinen die Flügel beim Konzert nur in der Video-Interlude, doch ästhetisch scheint kaum eine Sängerin besser zur Marke Victoria’s Secret zu passen als Madison Beer.
Make You Mine lässt die Mitsubishi Electric Halle vibrieren
Ganz in diesem Sinne folgt bei Baby eine verführerische Tanzperformance auf der Treppe gemeinsam mit ihren Tänzerinnen. Obwohl der zweite Akt mit seiner verträumten Romantik vermutlich stärker Madison Beers bevorzugter Stilrichtung entspricht, wie auch ihr Album Locket nahelegt, kommen bei den düsteren, elektronischen Songs ihre Popstar-Qualitäten am stärksten zum Vorschein.
Das unbestrittene Highlight des Abends ist nämlich Make You Mine. Der Song verwandelt die Halle in einen Club, in dem ausgelassen getanzt und gefeiert wird. Mit obligatorischem Konfetti zu Bittersweet endet schließlich der Konzertabend. Zum Abschied erscheint auf den Leinwänden ein letztes Video: Madison Beer pustet eine Kerze aus, dazu die liebevolle Nachricht: “Good night, get home safe.”
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