Ein Plädoyer für den Heimatbesuch mit Freunden
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Ein Plädoyer für den Heimatbesuch mit Freunden

Lesezeit: 3 Minuten

Diese Kolumne gibt die subjektive Meinung der Autorin wieder.

Durch gemeinsame Erlebnisse, Erfahrungen, die zusammenschweißen, oder aber auch durch den Beginn eines neuen Lebensabschnitts, verändern sich Freundschaften. Der Beginn eines Studiums ist so ein Punkt: Man zieht aus seiner Heimatstadt weg, entwickelt neue Interessen und verändert sich dementsprechend auch. Manche Freund*innen verliert man in dieser Zeit. Nicht selten hat man keine Gemeinsamkeiten mehr und lebt sich auseinander. Mit den neuen Freunden an der Uni ist es dann anders als in der Schule. Man ist keine Zweckgemeinschaft mehr, die bunt zusammengewürfelt wurde. Cliquen und Freundschaften finden sich in Hochschulgruppen, beim Campusradio und beim gemeinsamen Seminar. Tendenziell Menschen, mit denen man Interessen und auch Werte teilt. Anders als in der Schule teilt man aber bis dahin keine Gemeinsamkeiten, oft nicht mal das Aufwachsen in der gleichen Stadt, wenn man zugezogen ist. Da viele dann noch in einem ganz anderen Teil Deutschlands aufgewachsen, sind da ja tendenziell sowieso kulturelle und gewissermaßen auch dialektale Unterschiede. Ich komme aus dem Saarland, ich weiß deshalb wovon ich spreche.

Deshalb: Zeit für den Heimatbesuch

Wenn man mit seinen Unifreunden gefühlt schon alles erlebt hat und mehrere Nächte durchgetanzt hat, wieso dann nicht mal mit ihnen in die Heimat fahren? Mit ihnen und alten Schulfreunden zusammen zu feiern? Ich habe es gemacht und ich kann sagen, dass es spannend und vor allem lehrreich ist. Spannend, weil altes und neues Leben aufeinandertreffen. Lehrreich, weil ich meine Freunde in einen ganz anderen Teil Deutschlands mitgenommen habe und wir alle gemerkt haben, dass es auch innerhalb Deutschlands gewisse Unterschiede gibt. Und das nicht nur im Dialekt. Ich sage immer, ich bin in der Provinz aufgewachsen. Jetzt wissen meine Freunde: Das ist wahr .

Sie wollen mir jetzt auch nicht mehr einreden, dass es anders sei. Vor ihrem Besuch wollten sie das und meinten immer, dass das Saarland nicht so provinziell sei. Meine erstaunte Reaktion auf DB- Sicherheitsmänner (absolute Besonderheit in meiner Heimatstadt) verstehen sie jetzt auch. Im Gegensatz zu ihnen, aufgewachsen in der Großstadt, kenne ich so etwas nicht. Auch viele andere kleine und große Dinge, ja manchmal sogar gewisse Begriffe, die in ihrer Heimat benutzt werden, unterscheiden mich von meinen Freund*innen. Der Ausdruck „Gell“, der mir umgangssprachlich ab und zu rausrutscht, ist nur ein Beispiel.

Eins ist sicher: Die Freundschaft verändert sich

Meine Heimatstadt habe ich, wie viele Studierende, immer verteufelt und sie schechter dargestellt als sie ist. Durch den Besuch meiner Freund*innen habe ich gemerkt, dass doch nicht alles schlecht war und es auch seine gute Seiten hat auf dem Land aufzuwachsen. Außerdem wurde mir selbst bewusst, wie sehr mich die neue Stadt, das neue soziale Umfeld und auch das Studium geprägt haben. Das wurde bei dem Besuch noch deutlicher als überhaupt schon, wenn man mal in der Heimat ist. Ein weiterer Effekt: Die Freundschaft zu den Freund*innen an der Uni ändert sich, sie wird enger. Diese Tatsache entsteht allein dadurch, dass sie die eigene Familie, die eigenen Freunde und wenn die Großeltern vielleicht im gleichen Haushalt leben, auch diese kennenlernen. Familiäre Probleme, die man bisher vielleicht eher mit dem*der Kindergartenfreund*in geteilt hat, teilt man jetzt auch mit den neuen Freund*innen. Man kennt sich einfach viel besser und sie verstehen nach dem Heimatbesuch auch, warum man anders als die anderen handelt. Außerdem lernt man nicht nur sich selbst, sondern auch seine Heimat nochmal anders kennen: Ich zum Beispiel habe mir viele Gedanken gemacht, was ich meinen Freund*innen zeigen kann und war dann Tourist*in in der eigenen Stadt. Vielleicht blickt man anders auf die eigene Prägung, ist froh darüber in der größeren oder lebendigeren Studierendenstadt zu sein, oder traurig darüber, die eigene Heimatstadt hinter sich gelassen zu haben. Bei mir war es eine Mischung aus beiden.

Eins ist sicher: Die Freundschaft zu den Kommilitonen verändert sich. Interessant war dann auch der erste Gegenbesuch, als ich eine meiner Freund*innen in der Heimat besucht habe: Sie ist zwar im Gegensatz zu mir in der Großstadt aufgewachsen, aber mit den gleichen Hobbys und ähnlicher Familienstruktur wie ich. Irgendwoher muss die gemeinsame Basis ja kommen. Ich bin jetzt schon gespannt auf den dritten Heimatbesuch, irgendwann nach Corona.

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