You are currently viewing Wie entsteht ein Detektivhörspiel? – bonnFM bei “Die drei ??? und der Sound der Kindheit”
Quelle: bonnFM

Wie entsteht ein Detektivhörspiel? – bonnFM bei “Die drei ??? und der Sound der Kindheit”

Andreas Fröhlich und Kai Schwind standen am Donnerstagabend im Theater am Tanzbrunnen in Köln auf der Bühne. Fröhlich kennen viele besser als Bob Andrews aus den Detektivhörspielen „Die drei ???“, Schwind konzipiert als Regisseur die Live-Events rund um die Reihe. Im Podcast „Haschimitenfürst – der Bobcast“ sprechen sie über die Welt der „Drei ???“. BonnFM war für euch bei dem Event dabei.

Die drei ???-Autor*innen: „Halli hallo“ – (k)ein Livepodcast

Die Begrüßung ist dieselbe wie im regulären Haschimitenfürst-Bobcast: „Halli hallo“. Doch sobald die epische Intro-Musik einsetzt und Lichteffekte die Hosts auf die Bühne holen, ist klar: Das ist kein gewöhnlicher Podcast-Abend. Zu Beginn zeigen Fröhlich und Schwind Bilder von Bobcast-Hörer*innen, die die Show an den unterschiedlichsten Orten verfolgen. Die Range geht von England bis nach Australien.

Der rote Faden des Abends ist eine konkrete Folge: „073/Poltergeist“. Schnell wird aber deutlich, worum es eigentlich geht: Anekdoten und Geschichten aus einer anderen Zeit zu erzählen. Fröhlich und Schwind sind Profis in dem, was sie tun. Sie wissen jederzeit, wohin der Abend führen soll, und wirken dabei souverän. Denn das Publikum verbindet mit ihnen eine gemeinsame Leidenschaft: „Die Hörspiele der drei ???“.

Detektivhörspiele von Fans, für Fans

Als erstes  wird ein Interview mit dem Autor des Buches „Poltergeist“, André Marx, eingespielt. Was im Podcast schon mal vorkommt, bekommt vor Ort eine zusätzliche Ebene: Das Publikum sieht ein Video. Neben Einblicken in die kreativen Köpfe hinter den bekannten Stimmen gibt es sogar einen Blick ins Wohnzimmer von Andreas Fröhlich. Hier hat er mit André Marx gesprochen. Marx ist selbst durch Zufall Autor der „Drei Fragezeichen“-Bücher geworden. Er habe aus Langeweile ein „Drei Fragezeichen“-Buch geschrieben, um es einem Freund zu schenken. Daraufhin hat er das Ganze an den Verlag geschickt. Mittlerweile hat er 38 Bände der „Drei Fragezeichen“ verfasst. „Poltergeist“ war eines der ersten von ihm. Auf diesen Büchern basieren die Hörspiele.

Drei ???-Sprecher über seine Geschichten: „Ich höre das nie mit Freude“

Auch das Publikum wird eingebunden: Den Klappentext darf eine Person vorlesen. Vorher gibt’s von Fröhlich einen Mini-Crashkurs fürs Sprechen am Mikro: „Immer nah am Mikrofon bleiben.“ Nach dem Klappentext hören wir alle gemeinsam noch einmal ins Hörspiel hinein. In „Poltergeist“ versuchen die drei Detektive im Haus von einer gewissen Mrs. Lydia Cartier geisterhafte Vorfälle aufzuklären. Andreas Fröhlich spricht gelassen und auch mit einer süffisanten Distanz über diese Zeit und die Arbeit am Hörspiel. Auch darüber, wie ungern er sich selbst sprechen hört. Er höre nach wie vor jeden Fehler.

Auch die Arbeit mit Heikedine Körting, die als prägende Figur der Hörspielproduktion gilt, kommt zur Sprache. Fehler und Missgeschicke werden offen ausgesprochen. Besonders Andreas Fröhlich witzelt offen über Körtings eigenwillige Arbeitsweise. Groß geprobt wurde offenbar nicht. Dafür lief viel über Vertrauen und Routinen. Besonders nah dran sind die Momente, in denen alte Handyaufnahmen gezeigt werden: Andreas Fröhlich lässt die Kamera bei einer vermeintlich normalen Aufnahme einfach mitlaufen.

Die drei ???: Wie entsteht eigentlich ein Hörspielskript?

Die Bücher für die Hörspiele kamen ursprünglich aus den USA und wurden von Robert Arthur verfasst (Originaltitel: The Three Investigators). 1990 wurde die englischsprachige Reihe eingestellt, nach drei Jahren Pausewurde die Reihe in Deutschland fortgeführt. Auch André Minninger kommt im Video-Interview zu Wort: Er ist Autor der Hörspiele und Heikedine Körtings rechte Hand. Seine Aufgabe ist es, die Bücher für Hörspiele zu adaptieren.

Eine seiner größten Herausforderungen bei der Adaption ist das Ende, sagt Minniger. Oft muss so viel gekürzt werden, dass daraus eigentlich ein eigenes Hörspiel entstehen könnte. Sein größter Aufreger beim „Poltergeist“: Auf dem Cover ist eine Geisterhand zu sehen, die im Buch gar nicht vorkommt. Aber Minninger wäre nicht Minninger, wenn er diese Hand dann nicht einfach ins Hörspiel eingebaut hätte.

Detektivhörspiel-Community vor und auf der Bühne

Dann folgt die Frage ans Publikum: Wer möchte selbst mal Detektiv*in werden? Ein kleines Mitmachhörspiel folgt. Fünf Seiten sollen auf der Bühne gesprochen werden. Andreas Fröhlich mimt den Erzähler, Kai Schwind den Poltergeist, und drei Frauen aus dem Publikum übernehmen die drei Fragezeichen. Die Stimmung bleibt locker, es wird viel gewitzelt. Und wieder wird deutlich, was die Faszination der Drei Fragezeichen ausmacht: die Community.

Alle fiebern gemeinsam mit und applaudieren den neu gekrönten drei Detektivinnen. Gegen Ende des Abends gibt es außerdem die Möglichkeit, Fragen zu stellen. Auch wenn es oft um den „Sound der Kindheit“ geht: Es geht weiter. Der Altersdurchschnitt im Publikum ist hoch, es sind aber auch ein paar Kinder vor Ort, die aktuell mit der Reihe aufwachsen. Der „Sound der Kindheit“ funktioniert auch deshalb als geniales Oberthema.

Ein letztes Fragezeichen bleibt

Auch als Person ohne Vorwissen bietet der Abend einen Einblick in den Bereich der Hörspielwelt. Nach zweieinhalb Stunden verlassen Fröhlich und Schwind schließlich die Bühne – der Abend ist vorbei. Zurück bleibt das gute Gefühl, eine Leidenschaft zu teilen. 

André Marx hört vorerst als Buchautor für die „Drei ???“ auf. Diese Info erhalten wir. Ein neuer Autor saß aber wohl auch schon im Publikum. Das erwähnt Andreas Fröhlich noch. Ein Name wurde nicht genannt. Ein kleines Mysterium, das nach dem heutigen Abend bleibt – und damit in jedem Fall ein neuer Fall für die „Drei Fragezeichen“ ist.

Kommentar verfassen. Bitte sei dir bewusst, dass der von dir angegebene Name und die E-Mailadresse nun im Zusammenhang mit deinem Kommentar sichtbar sind.