Höhepunkt des Jubiläumsjahres – Steinmeier beim Festakt zu 200 Jahren Uni Bonn

Am 18. Oktober 2018 ist die Uni Bonn 200 Jahre alt geworden. Gefeiert wurde das mit einem Gottesdienst in der Kreuzkirche sowie einem Festakt im WCCB. bonnFM war bei beiden Veranstaltungen dabei.

Kühl ist es an diesem Vormittag, am grauen Himmel über Bonn kreist ein Hubschrauber. Im Foyer des ehemaligen Bundestagsgebäudes des Bonner WCCB stoßen Mitarbeiter der Universität aus allen Bereichen, Studierende und viele, auch ausländische, Gäste schon vor dem eigentlichen Festakt auf das Geburtstagskind an, während in der Kreuzkirche mit einem ökumenischen Festgottesdienst der Jubiläumstag begonnen wird. Der Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier war hierbei ebenso Ehrengast der Feierlichkeiten wie der stellvertretende NRW-Ministerpräsident Joachim Stamp, Bonns Oberbürgermeister Ashok Sridharan (die beiden letztgenannten übrigens auch Alumni der Uni Bonn) und zahlreiche weitere Ehrengäste.

Festakt im ehemaligen Bundestagsgebäude

Mit dem Eintreffen des Bundespräsidenten und des Rektors der Universität, Prof. Michael Hoch, im ehemaligen Plenarsaal des Deutschen Bundestages, heute Teil des World Conference Center Bonn (WCCB), beginnt dann der feierliche Festakt. Begleitet vom Internationalen Chor der Uni Bonn mit dem Studentenlied „Gaudeamus igitur“ halten die hohen Herren um Präsident Steinmeier und Rektor Hoch feierlichen Einzug in den leider nicht bis auf den letzten Platz belegten Saal. Der Charakter des historischen Orts verleiht der Veranstaltung eine ganz besondere Atmosphäre: so prangt etwa der Bundesadler gut sichtbar hinter den Rednern und die Gäste sitzen auf den blauen Abgeordnetenstühlen. Frank-Walter Steinmeier jedenfalls passt gut in diesen Saal. Nach einer kurzen Begrüßung durch das Moderationsteam (Uni-Pressesprecher Dr. Andreas Archut und bonnFM-Moderatorin Maike Krebber) sowie durch den Rektor tritt der Bundespräsident ans Rednerpult.

Steinmeier mit bewegender Festrede

Nach herzlicher Gratulation zu den neuen sechs Bonner Exzellenzclustern beginnt der Bundespräsident seine Festrede mit einer Darstellung der Geschichte der Universität Bonn, bezieht sich dabei u.a. auf berühmte Alumni wie Nationalhymnen-Dichter August Hoffmann von Fallersleben oder Sozialisten-Ikone Karl Marx. Zugleich verwebt er die Geschichte der Universität aber auch mit der Geschichte der Demokratie in Deutschland, spricht vom Frankfurter Paulskirchenparlament 1848 (unter Beteiligung von sieben Bonner Professoren) und von der Entstehung des Grundgesetzes 100 Jahre später. Die Nähe zur Bonner Republik hebt Steinmeier als Standortvorteil vor allem für die Rechts- und Politikwissenschaften hervor. Lobend erwähnt er außerdem die Demonstrationen und Proteste der Bonner Studierenden, insbesondere die berühmt-berüchtigten Demonstrationen auf der Hofgartenwiese in den 80er Jahren.

Rede des Präsidenten nicht frei von Kritik

Kritisch beleuchtete der Bundespräsident hingegen die Zeit des Nationalsozialismus, der auch an der Uni Bonn Einzug hielt und in dessen Folge u.a. Thomas Mann seine Ehrendoktorwürde aberkannt wurde. Im Anschluss betont er, dass Universitäten Orte der Diskussionen und dadurch auch der Demokratie seien, „an denen die Freiheitsräume und Schutzrechte […] immer wieder neu ausgelotet werden“. Steinmeier ermutigt zur Erhaltung dieser bewährten Diskussionskultur, ermahnt aber zugleich auch zu einer Auseinandersetzung mit den Entwicklungen des 21. Jahrhunderts, mit denen Forschung und Lehre auf Augenhöhe bleiben müssten. Schließlich hält der Präsident ein Plädoyer für die Freiheit der Wissenschaft, die ein hohes Verfassungsgut sei und konstitutive Bedeutung für die Demokratie habe. Wissenschaftsfreiheit und Demokratie bedingten sich gegenseitig, und beides werde stark durch die deutschen Universitäten beeinflusst: „am meisten […] kann die Universität beitragen zu einer selbstbewussten, aufgeklärten und freiheitlichen Demokratie – weil nur in einer solchen die Freiheit von Wissenschaft und Forschung ihren dauerhaften Platz findet“.

Rektor mit Wünschen an die Politik

Rektor Michael Hoch sprach in seiner Festrede nicht nur die Historie der Universität an, sondern machte sich auch für die Einheit von Forschung und Lehre an der Universität stark. Er ließ es sich aber auch nicht nehmen, auf die Dinge hinzuweisen, die den Universitätsalltag in Lehre und Forschung erschweren: aufwendige Drittmittelanträge, zu wenig Personal und ungenügende Räumlichkeiten und Infrastruktur. So forderte er die grundlegende Verbesserung der Rahmenbedingungen für das Lernen und Lehren an Universitäten. Forschung und Lehre auf Spitzenniveau brauche Planungssicherheit: „Qualitativ hochwertige Forschung und Lehre […] sind kein Kurzstreckenlauf, keine zeitlich befristete Aufgabe, sondern eine Langstrecke“, so Hoch. Gleichzeitig zeigte er sich sichtlich stolz auf seine 200 Jahre alte Universität und beschwor das WIR der Uni.

Preisverleihung und Talkrunde

Im Anschluss an die Reden wurden, wie jedes Jahr zur Eröffnung des akademischen Jahres, die Staatspreise an besonders herausragende wissenschaftliche Arbeiten verliehen. Eine Besonderheit in diesem Jahr: anlässlich des Jubiläums erfolgte die Verleihung durch hochrangige Vertreter des jeweiligen Landes, so dass sich sogar Generalkonsuln und Botschafter die Ehre gaben. Abgerundet wurde der Festakt durch eine kurze Talkrunde, an der verschiedene Wissenschaftler der Uni Bonn (u.a. Mathematik-Star Peter Scholze) sowie die NRW-Wissenschaftsministerin Isabell Pfeiffer-Poensgen (auch sie Alumna der Uni Bonn) Rede und Antwort standen. Nach zwei kurzen Filmbeiträgen über die Geschichte sowie prominente Alumni der Uni Bonn schloss die Veranstaltung mit Beethovens „Ode an die Freude“. Nicht nur der Festakt unterstrich – bei aller Internationalität- die Verortung der Uni im Rheinland, sondern auch das anschließende Buffet: „Halve Hahn“ und Kesselskuchen.

Alles in allem eine gelungene Veranstaltung, und aus gegebenem Anlass auch an dieser Stelle nochmal: Herzlichen Glückwunsch, liebe Uni Bonn, auf die nächsten 200 Jahre!