Märchenhafte Reise in die Welt des Nussknackers

Bild: Moldawisches Staatsballett

„Der Nussknacker“ schafft es mit einer feierlichen Atmosphäre die weihnachtliche Stimmung vom Ende des Jahres noch in den Anfang des neuen Jahres 2017 zu übertragen. Mit insgesamt drei Vorführungen berührt das Opernhaus in Bonn wieder viele Menschen. Seit 2014 ist es das erste Mal, dass wieder ein Moldawisches Nationalballett in Bonn gezeigt wird. Die berührende Musik von Peter I. Tschaikowski und die Choreographie von Yuri Grigorovitsch, die insgesamt von 40 Tänzerinnen und Tänzern vorgeführt wird, kann sowohl Groß als auch Klein begeistern, wie man in der ersten Vorführung in Bonn sehen konnte.

Von einer Holzfigur zum Prinzen

Die Geschichte wurde von Ernst Theodor Amadeus Hoffmann geschrieben, später von Pjotr Iljitsch Tschaikowski vertont und gehört in der heutigen Zeit zu einem der populärsten Ballette. Die Hauptrolle Clara, die im russischen Original Mascha heißt, feiert zu Beginn mit ihren Verwandten ein Weihnachtsfest. Von ihrem Patenonkel Drosselmeier bekommt sie einen Nussknacker geschenkt und schläft noch am selben Abend neben ihm unter dem Weihnachtsbaum ein. In der Nacht träumt Clara von einer Schlacht, die der Nussknacker gegen das Heer des Mäusekönigs bestreitet. Mit ihrer Hilfe gelingt es ihm, seine Feinde zu besiegen. Im Anschluss entpuppt sich der Patenonkel Drosselmeier als mächtiger Zauberer. Er nimmt die Kinder mit auf eine magische Reise in das Reich der Süßigkeiten und der Nussknacker verwandelt sich in einen Prinzen. Nachdem sie im Tannenwald gewesen sind, gehen sie zum Schloss Zuckerburg, wo sie mit einem Fest begrüßt werden. Am Ende jedoch wacht Clara aus ihrem Traum auf und der Nussknacker hat seine alte leblose Form wieder angenommen.

Die Reise in eine andere Welt

Nach fast zwei Stunden und drei Akten fällt der rote Vorhang wieder und nur das Gefühl des Zuschauers, für eine kurze Zeit in einer anderen Welt gewesen zu sein, bleibt. Eine Welt, die es schafft, für manch einen zu kitschig und für andere gerade romantisch genug zu sein. Zum Nachteil der Atmosphäre wird die Musik im Bonner Opernhaus nicht live gespielt. Präsentiert werden jedoch wunderschöne Kostüme, die die Stimmung aufwerten. Neben dem klassischen roten Outfit des Nussknackers ist Clara in unterschiedlichen Kleidern zu sehen – vom Nachthemd bis zum weißen Tutu mit Glitzer Applikationen wird dem Zuschauer vieles geboten. Besonders schön ist, neben den Kostümen, auch das wechselnde Bühnenbild. Durch unterschiedliche Bühnenbeleuchtungen werden parallel zwei Welten aufgezeigt, die den Übergang von Traum und Wirklichkeit auf eine schöne Weise nachvollziehbar machen.

Durchtrainierte Körper zeigen was sie Können

Bild: Moldawisches Staatsballett

Bild: Moldawisches Staatsballett

Besonders überzeugende Tänze werden von den Hauptrollen gezeigt. Während der Nussknacker anfänglich von einer vergleichsweise kleinen Tänzerin als Holzfigur eingeführt wird und dementsprechend sehr roboterhafte und grobe Bewegungen durchführt, folgen nach der Verwandlung zum Menschen im ersten Teil der Aufführung besonders elegante und weiche Sprünge. Im zweiten Teil der Vorstellung wird der Nussknacker mehr als Stütze der Figur Clara benutzt und räumt ihr im Pas de deux viel Platz für Bewunderungen der Zuschauer ein. Doch neben den Hauptfiguren machen auch die Nebencharaktere im Zauberschloss von Zuckerburg auf sich aufmerksam. Darunter sind Tanzpaare wie „die Schokolade“, bei denen man von einer nahezu perfekten Synchronität sprechen kann, die die der Hauptdarsteller möglicherweise sogar übertrifft. Jedoch gibt es auch ein Paar, das den Kaffee repräsentierte, dessen Können besser nur im Hintergrund der Bühne geblieben wäre. Statt wunderschöner Eleganz sah man ihnen leider nur zitternde Knie.

Absolutes Highlight: Der Schluss

Eine Verschmelzung der Figuren Nussknacker und Clara macht den Schluss des Balletts perfekt. Erst als der Prinz alleine im Hintergrund tanzt, der Scheinwerfer plötzlich Clara im Vordergrund zeigt und sie ein Nachthemd trägt, wird einem wieder bewusst, dass es sich um einen Traum handelt und die Vorführung dem Ende zugeht. Alles in allen: Man darf keine Perfektion bis ins kleinste Detail erwarten, aber es handelt sich dennoch um eine schöne Aufführung, die nicht nur Ballett-Liebhaber auf eine märchenhafte Weise verführt.

Wenn ihr Interesse bekommen habt, könnt ihr euch die Aufführung noch am 3. und 4. Januar in der Bonner Oper anschauen!

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