„What can I do but dream?“

Nada Surf präsentierten vergangenen Montag in der Kölner Live Music Hall ihr achtes Studioalbum „You Know Who You Are“ und zeigten damit, dass sie auch nach mehr als 20-jähriger Bandgeschichte noch lange nicht zum alten Eisen gehören. Ihre unaufgesetzte jugendliche Naivität haben sich die New Yorker erhalten und vermischen sie gekonnt mit ihrem eigenen Erwachsensein.

Vor 20 Jahren erschien mit High/Low das erste Album der Indie-Rocker, und die Single „Popular“ machte sie über Nacht zum next big thing der alternativen Szene. Dass viel Aufmerksamkeit gleichzeitig viel Druck bedeutet, bekamen Sänger und Gitarrist Matthew Caws, Bassist Daniel Lorca und Schlagzeuger Ira Elliot daraufhin umgehend zu spüren. Das Nachfolgealbum floppte aufgrund von Differenzen mit der Plattenfirma, folglich fand sich die Band in allen One-Hit-Wonder-Listen der 90er Jahre wieder.

The Weight is a Gift

Seit Anfang der 2000er schafft es Nada Surf dennoch regelmäßig, weltweit mal kleinere, mal größere Hallen zu füllen. Mit ihren eingängigen Melodien, verträumten und sehnsüchtigen Texten sind sie längst im Indie-Olymp angekommen, von wo sie mit „You Know Who You Are“ mal wieder ein eindrucksvolles Lebenszeichen an die Sterblichen senden. Aus dem Trio ist mittlerweile ein Quartett geworden: Gitarrist Doug Gillard sorgt als festes Bandmitglied für mehr Variabilität und einen druckvolleren Sound, den sie live beweisen können. Sowohl zu neuen Songs wie „Cold To See Clear“ und „Believe You’re Mine“, als auch bei älterem Material wie „Weightless“, „Inside Of Love“, „Jules And Jim“ und P1000062dem Depeche Mode-Cover „Enjoy The Silence“, sang und tanzte das Kölner Publikum fleißig mit.

Begleitet werden sie auf ihrer Tour von The Posies. Sie kommen ebenfalls aus Nordamerika und sind musikalisch in der alternativen Indie-Pop Richtung anzusiedeln. Als Vorband von Nada Surf also durchaus passend. Sänger Ken Stringfellow wurde auch nach der offiziellen Spielzeit noch das ein oder andere Mal vom Hauptact in unterstützender Funktion auf die Bühne geholt.

„I’m a Quarterback / I’m popular“

Spätestens mit der Zugabe ließ die Band verschwitzte, aber mehr als zufriedene Besucher zurück. Schon bei „Always Love“, bekannt aus diversen Serien und Filmen, hatten wohl die meisten mitsingen können, bei „Popular“ gab es jedoch kein Halten mehr. Auch wenn die Band ihre Debütsingle lange mit gemischten Gefühlen betrachtet haben dürfte, haben sie dem Titel eben auch ihre einzigartige Karriere, zumindest teilweise, zu verdanken. Und so gröhlte sich die Live Music Hall begeistert durch den Refrain: „I’m head of the class / I’m popular! / I’m a quarterback / I’m popular!“ Zusätzliche Sympathiepunkte sicherten sie sich am Ende der Show, als Matthew Caws ankündigte, sie würden später noch auf ein Bierchen in der Halle vorbei kommen, um ein bisschen mit den Fans zu plaudern. Zwar popular, aber trotzdem down to earth. Für so viel Coolness gibt’s die volle Punktzahl.