Interview mit Sigrid Limprecht – Organisatorin der Stummfilmtage

Momentan finden in Bonn zum 34. Mal die Stummfilmtage statt. Bei dem Filmfestival werden im Arcadenhof der Uni Bonn und im Rheinischen Landesmuseum Stummfilme mit Livemusik gespielt. Die Organisatorin Sigrid Limprecht war bei bonnFM zu Gast und hat u.a. über die Herausforderungen bei der Organisation eines solchen Großevents, die Highlights in diesem Jahr und warum besonders Studierende die Stummfilmtage besuchen sollten, gesprochen.

bonnFM: Frau Limprecht, für die, die es noch nicht kennen: Was sind die Stummfilmtage genau?

Limprecht: Die internationalen Stummfilmtage in Bonn sind Filme mit Livemusik auf der großen Leinwand im Arcadenhof der Universität Bonn. Das Besondere ist der freie Eintritt und dass so viele Leute kommen, dass man, wenn man auch kommen will, am besten früh da ist, um noch einen Platz zu bekommen. Besonders ist ebenfalls, dass man nicht nur Filme zu sehen bekommt, sondern währenddessen auch berühmte Musiker live dazu spielen. Man hat Konzert, Film, den Himmel und die gesamte Kulisse gleichzeitig.

bonnFM: Wie sind Sie zu den Stummfilmtagen gekommen?

Limprecht: Ich bin Leiterin der Bonner Cinemathek „I´m Kino“, komme aus der klassischen Kinoarbeit und klassicher Festivalarbeit, sprich Filme mit Ton und leite jetzt die Stummfilmtage hier in Bonn.

bonnFM: Das Festival geht noch bis zum 26. August und ist insgesamt sechs Tage lang. Wie war der Auftakt am ersten Abend?

Limprecht: 30 Grad, wunderbarer Himmel, wunderbarer Film, begeisterte Leute. Die Gäste waren geduldig und es hat alles super geklappt. So soll es sein und es hat viel Hoffnung und Freude für die kommende Woche gemacht.

bonnFM: Was sind aus ihrer Sicht die großen Highlights in diesem Jahr?

Limprecht: Aus musikalischer Sicht besonders ist der Film „Die Schwalbe und die Meise“, der mit Harfe begleitet wird, was so etwas ganz Neues ist. Ein großes Erlebnis wird natürlich „Ben Hur“ sein. Ein großes Spektakel und alle, die sich an den Film aus den 60er-Jahren erinnern, kann man sagen, dass der Stummfilm noch viel toller ist, weil er die Bildsprache nochmal anders ausreizt. Es war damals schon ein unglaublich teurer Film, den man nicht verpassen sollte.

bonnFM: Ich stelle es mir zum Thema Stummfilm ein bisschen so vor, dass es für viele einen etwas altmodischen Charakter hat, da Filme mittlerweile nicht nur sehr bild- sondern auch sehr tongewaltig sind. Wie gestaltet man so ein Festival innovativ und dem Zeitgeist angemessen?

Limprecht: Der Stummfilm an sich ist gar nicht so besonders. Man vergisst oft, dass ja nur nicht gesprochen wird, was ab einem bestimmten Punkt auch sehr angenehm ist. Die Schauspieler und Schauspielerinnen müssen richtig spielen, damit alles rüberkommt, was sie sagen möchten und die Musik muss nicht unbedingt gewaltig, aber begleitend sein. Wenn man fünf Minuten drinnen ist, vermisst man die Dialoge nicht und wenn man später wieder Filme sieht, in denen viel gesprochen wird, wünscht man sich, dass etwas weniger geredet wird und etwas mehr passiert. Man muss es einfach erleben, dann ist man ganz schnell überzeugt.

bonnFM: Es besuchen jährlich mehr als 25.000 Leute die Stummfilmtage. Welche Herausforderungen bringt es mit sich, ein solch großes Event zu organisieren?

Limprecht: Als aller erstes darf man nicht alleine sein. Wir sind ein sehr großes Team und arbeiten das ganze Jahr daran. Es sind vor und hinter den Kulissen richtig viele Leute, die auch aus ganz Deutschland kommen. Wir haben Fachleute, die ganz speziell zu diesem Festival kommen und mit uns in der Vorbereitung zusammenarbeiten. Es ist eine dauerhafte Arbeit, wenn man es aber schon ein paar Jahre macht, ist man irgendwann in diesen Abläufen drinnen und es ist unser Ehrgeiz, dass es immer besser wird. Gleichzeitig haben wir auch viele Herausforderungen durch Brandschutz, Sicherheit und die Universität, die eine endlose Baustelle ist. Es sind jedes Jahr auch von außen nochmal andere Herausforderungen, als nur das Programm zu finden.

bonnFM: Apropos Programm – Sie haben bereits „Ben Hur“ angesprochen. Am 24. August läuft der Film von 1925. Ein Film mit Geschichte, oder?

Limprecht: Ein Höhepunkt in einer bestimmten Art, nämlich Monumentalfilm. Riesige Kulissen und alles, was man braucht. Viele Pferde und Menschen und das alles ohne Computermanipulation. Es ist alles echt und das macht es auch besonders Spaß, sich das anzugucken. Er gehört zu den Filmen, die einfach funktionieren – auch nach 100 Jahren noch. Manche gehen vielleicht mit der Erwartung rein, dass es nicht so umwerfend sein kann, da er ja älter ist als der aus den Sechzigern, man wird dann aber doch umgehauen.

bonnFM: Eine Frage zu den Vorführungsorten: Neben dem Arcadenhof der Uni Bonn finden im Rheinischen Landesmuseum einige Veranstaltungen statt. Was unterscheidet diese von denen im Innenhof der Uni?

Limprecht: Der Arcadenhof ist die große Bühne und die Filme werden abends gespielt, was heißt, dass wir warten müssen, bis es dunkel ist. Das ist wetterabhängig. Wir haben uns schon sehr früh überlegt, dass es zur Ergänzung noch ein Format geben sollte, bei dem man sprechen kann, bei dem Fragen gestellt werden können und bei dem innovativere Sachen gezeigt werden, die vielleicht noch nicht für die große Leinwand bestimmt sind. Das ganze wollten wir nachmittags machen und haben nach einem schönen Raum gesucht und wir sind sehr froh, dass das Rheinische Landesmuseum auch inhaltlich so gut mit uns kooperiert. Deswegen sind wir nachmittags indoor und abends outdoor. Auch bei den Nachmittagsveranstaltungen ist es immer sehr voll, weswegen es gut wäre, frühzeitig zu kommen und einen schönen Platz zu kriegen.

bonnFM: Besonders der Arcadenhof ist eine wahnsinnig schöne Location für solche Veranstaltungen. Die Frage, die sich einem jedoch stellt ist: Was ist, wenn es regnet?

Limprecht: Wir haben im Arcadenhof die Möglichkeit, sich bei den Arcaden unterzustellen, da es dort eine Menge Platz gibt. Gleichzeitig ist der Platz wichtig, da es Vorrang hat, die Musikinstrumente zu schützen. Es kommen aber auch viele Leute und bringen einen Regenschirm oder bei Kälte Decken mit. Die Witterung aussitzen ist stärker als Gejammer und Zuhausebleiben.

bonnFM: Zum Abschluss die Frage: Warum sollten gerade Studierende zu den Stummfilmtagen kommen?

Limprecht: Weil es super ist, Spaß macht und man nette Leute trifft. Man muss aber auch einfach erleben. Es ist ein Format, da kann man einem die Ohren volllabern und trotzdem ist es nicht das Gleiche, wie dort gewesen zu sein. Wenn man einmal da war, will man auf jeden Fall wiederkommen.