Die Take-Home-Message der Stay-Home-Challenge
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Die Take-Home-Message der Stay-Home-Challenge

Lesezeit: 4 Minuten

Diese Kolumne gibt die subjektive Meinung des Autoren wieder.

Die 6 Wochen Zwangsurlaub Zuhause sind rum und seit dieser Woche dürfen wir wieder in die Uni – zumindest digital. Doch was haben wir eigentlich aus dieser Zeit lernen können?

Ich weiß wieder, wieso 6 Wochen Sommerferien ziemlich lang werden konnten. Das ganze jetzt ohne Urlaub, Ausflüge und Grillen mit Freunden, wurde mit der Zeit doch ganz schön hart. Aber wie Einstein es sagte: „In der Mitte von Schwierigkeiten liegen die Möglichkeiten“. Ich bin der Meinung, dass eine Möglichkeit dieser Krise ist, dass wir etwas lernen konnten. Natürlich könnte sich gesamtgesellschaftlich in Sachen Home-Office, Mobilität und Einzelhandel eine Menge bewegen, aber viel setzt auch schon bei uns selbst an. Also Stifte gespitzt und mitgeschrieben: Meine 5 Take-Home-Messages für Euch. Die Folien lade ich natürlich nicht hoch.

Challenges braucht kein Mensch

Überall waren sie, diese Challenges: Zeig Dein Kinderfoto, Jonglier eine Klopapierrolle, Mach dieses Workout nach. Selbst meine Eltern haben den Blödsinn mitgemacht – und die sind sonst froh, wenn sie Whatsapp öffnen können. Ich kann ja verstehen, dass euch langweilig ist, ja auch dass euer gesamtes Sozialleben jetzt online stattfindet, aber warum zur Hölle müsst ihr die Abgründe des Internets von 2012 wieder ​heraufbeschwören? Dabei waren die Challenges nur der Gipfel des Eisbergs. Jeder hat versucht irgendeinen Trend zu setzen, um ein bisschen Insta-Fame abzugrasen. All die tollen Lifestyle-Gurus und Entertainment-Warriors riefen zu den abstrusesten Dingen auf, nur um irgendjemanden positiv in seinem Tun zu bestärken. Nein, es ist keine Leistung sich eine Hose angezogen zu haben. Nein, auch die Pesto- Fusilli mit Rucola aufzupeppen ist nicht das neue healthy Michelin-Stern- Menü. Und glaub mir, Du hast nicht die Welt gerettet, indem Du auf der Couch rumgelümmelt und die neuen Folgen Ozark durchgesuchtet hast. Ich kann verstehen, dass ihr euch langweilt und eurem Rumgammeln einen Sinn geben wollt, ging mir ja auch nicht anders, aber bitte heroisiert sowas doch nicht. Auch wenn ihr nicht super produktiv finnisch gelernt oder Yoga- machend die Bude geputzt habt, ist das OKAY. Aber bitte fragt dafür nicht digital nach Beifall.


Klatschen kann man in der Oper

Generell Beifall. Wer hat sich dieses Klatschen für die Pflegenden ausgedacht? Sorry, aber alle meine Freundinnen, die in der Pflege arbeiten, haben sich komplett verarscht gefühlt. Stress auf der Arbeit, die Kollegin krank, Gehalt geht so – aber hauptsache ihr habt euer Event gehabt. Direkt danach Masken und Einweghandschuhe aufkaufen, damit im Krankenhaus auch schön die Vorräte zur Neige gehen, gab es gratis dazu. Sie wollen nicht zu Helden stilisiert werden, sondern auch außerhalb der Krise Respekt für ihre Arbeit. Ich hoffe, dass die Forderungen nach besserer Infrastruktur im Gesundheitswesen – heißt mehr Kohle und Zeit für den einzelnen Patienten – auch nach der Krise erhalten bleiben und wir uns angemessen für geleistete Arbeit bedanken können. Damit meine ich Wertschätzung für alle Berufsgruppen in Form von fairen Löhnen und Arbeitsbedingungen. Gerade die Minijobber unter euch, die Krisen-bedingt um ihre finanzielle Existenz bangen müssen, werden wissen, was ich meine.


Angst ist ein gutes Treibmittel, aber macht den Motor kaputt

Da wären wir auch schon bei der Angst. Viele haben aufgrund des Krisenmanagements Existenzangst. Aber viele haben auch Angst um ihre Gesundheit und die ihrer Eltern/ Großeltern/ Nachbarn. Angst, die ganz klar durch die Medien geschürt wurde. Zu Beginn der Krise berichteten alle Medien nur negativ über die Gefahren des Virus und verkündeten täglich neue dramatischere Infektionszahlen. Dieser mediale Einklang der Angst hat zwar dazu geführt, dass viele in die Selbstisolation gingen, aber trotzdem kann ein Klima der Angst nicht auf ​Dauer funktionieren. Wie so oft ist Wissen der Schlüssel. Wer nicht weiß, was Viren sind und wie sich Viren übertragen, der muss blind auf die Medien vertrauen und hat dann natürlich auch Angst, wenn die das Bild vermitteln, dass es immer schlimmer wird. Deshalb bitte, glaubt nicht alles, was ihr lest und benutzt euren Verstand. Eine durchgeatmete Maske schützt so wenig wie der ranzige Gummihandschuh, mit dem ihr euch an die Nase packt – aber Ihr steckt euch auch nicht direkt an, wenn ihr an jemandem vorbeigeht. Hinterfragt die Aussagen eurer Mitmenschen. Auch die von Fachleuten, denn die sind sich nicht einig. Ich finde es gut, dass zum Beispiel Christian Drosten als Wissenschaftler so präsent ist, aber muss er denn gleich zum Halbgott ausgerufen werden? Die mediale Vielfalt unterschiedlicher Meinungen, habe ich schwer vermisst.


Grundrechte müssen der Standard sein

Diese Situation ist nicht normal und sollte auch keine neue Normalität werden. Enorm viele Grundrechte sind eingeschränkt worden und werden es wahrscheinlich noch länger bleiben. Alles für den Schutz der Bevölkerung. Dennoch finde ich es komisch, dass viele nach immer strikteren Einschränkungen schreien, ohne zu wissen was die Auswirkungen sind. Grundrechte garantieren uns ein gerechtes Leben in Freiheit. Deshalb kann ich die Meinung, dass Grundrechte Privilegien sein sollen nicht nachvollziehen. Grundrechte und die dadurch garantierte Freiheit sind der Grundstein unseres Zusammenlebens und müssen der Standard in einer demokratischen Gesellschaft sein. Da brauchen wir uns nicht glücklich schätzen, das steht jedem Menschen zu. Aber wie wichtig unsere Grundrechte sind, merken wir erst, wenn sie eingeschränkt werden. Deshalb redet über diese Einschränkungen und diskutiert darüber, anstatt sie einfach hinzunehmen, denn nur so können auch pragmatische Lösungen gefunden werden.

Bleibt gesund!

Also: Bleibt gesund! Steht ja neuerdings unter jeder E-Mail. Aber wenn ihr gesund bleiben wollt, müsst ihr gesund zu leben. Raucher gehören zur Risikogruppe von Covid-19. Leute mit Wohlstandskrankheiten, bedingt durch Fast-Food oder zu wenig Bewegung, auch. Achtet bitte auf eure Gesundheit. Ihr sollt keine Fitness-Junkies werden. Wenn es aber eine Zeit gibt zu überlegen, ob ich vor dem Computer Bier trinken will, während ich mit meinen Freunden skype, oder ob ich mir drei Tiefkühlschnitzel mit Pommes reinpfeife und danach unbedingt auf dem Balkon eine rauchen muss, dann ist diese Zeit wohl jetzt. Denkt drüber nach, einfacher kann man sich und seine ​Gesundheit nicht schützen.

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