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Bild: Linus Reuer

GOP Handmade – handgemacht und sympathisch

Lesezeit: 3 Minuten

Die neue Show des GOP Varieté Theaters Bonn heißt „Handmade“. Zugegeben, der Titel wirkt im ersten Moment ein wenig nichtssagend. Die Show bewegt sich auf der Grenze von Kunst und Handwerk – so wie die meisten Varieté Stücke. Doch was versteckt sich hinter diesem Konzept? Wir waren für euch bei der Premiere.

Lonely HusBand laden euch ein

„Handmade“ ist sehr verbal. Während manche Shows den Sprechanteil sehr dezent halten, wird bei Handmade das Wort regelrecht zelebriert. Das liegt vor allem an dem Moderationsduo „Lonely HusBand“, das uns mit Witz und Charme durch den Abend führt.

Bild: Linus Reuer

Die beiden sind ein sehr asymmetrisches Duo. Während sich Rick van Nöten gerne mal ins Rampenlicht drängt, sitzt sein Kollege Ferdi Fachblatt meistens am Klavier und versucht, eine ähnliche Bühnenpräsenz zu erlangen, was ihm aber nie gelingt. Die beiden sind ein eingespieltes Team und kommen sehr charmant daher, auch wenn Ferdi gegenüber fast Mitleid aufkommt. Neben Moderation und Klavierspiel gibt es von den Beiden auch noch einen eigens komponierten Titelsong für das Stück und mehrere Soloshow-Einlagen, die auch sehr gut ohne Akrobatik bestehen können. Sie präsentieren uns unter anderem eine musikalische Reise durch die Zeit oder ein Country-Musik-Tutorial. Man merkt, dass sie nicht nur musikalisch ihr Handwerk verstehen, sondern sie beweisen auch gutes Comedy-Timing und eine absolute Hingabe zu ihren Bühnenrollen.

Nostalgische 70er Gags

Mit der Moderation steht und fällt das Stück. Wer sich hier abgeholt fühlt, geht am Ende auch glücklich nach Hause. Bei der Show fällt auf: Viele Gags sind durchaus für ein älteres Publikum geschrieben. So wird sehr lange über die 70er Jahre geschwelgt – ein Humor, der nicht jeden Studi abholt. Allerdings gibt sich das Stück auch Mühe, alle ins Boot zu holen. So kommt z.B. plötzlich Alexa daher und kritisiert die Nostalgie der Moderatoren. Aber da Songs wie “Mamma Mia” die Zeit überbrücken und von mindestens genau so vielen GenZs wie Boomern gefeiert werden, kann schließlich auch der ganze Saal mitsingen.

Hier spielt die Musik

Bild: Linus Reuer

Die Musik spielt bei Handmade eine große Rolle. Alle Darbietungen sind von Musik untermalt – meistens ist die sogar live. Dadurch gibt es immer noch eine andere Ebene, die man bestaunen kann. Am beeindruckendsten ist dabei, dass viele Akrobat:innen nicht nur meterhoch in der Luft turnen, sondern als Multitalente auch noch Instrumente spielen. Hier ist speziell das Duo E1ns zu nennen, das sich den tobenden Applaus redlich verdient hat. Nicht nur spielen sie Posaune und Kontrabass, sie sind auch versiert mit dem Diabolo, führen eine sehr sympathische und genau so eindrucksvolle Sektflaschen-Jonglage auf und machen zusätzlich noch eine Counterweight-Seil-Nummer. Dabei merkt man ihnen die jahrelange Erfahrung wirklich dann, denn mit geübter Mimik schaffen sie es, das Publikum komplett um den Finger zu wickeln

Bild: Linus Reuer

Das andere Multitalent ist Andreas Jordan – der spielt nicht nur Schlagzeug sondern trumpft auch mit einer wahnsinnig eleganten Ringjonglage auf. Auch er schafft es, sich nur durch seine Bühnenpräsenz ins Publikumsherz zu schleichen.

Worum geht es in Handmade?

Diese Frage habe ich mir während der Performance mehrmals gestellt und habe nur eine Antwort darauf gefunden: Um Varieté.

Handmade zelebriert Varieté in seinem Kern und verzichtet auf eine große Rahmenhandlung oder ein bestimmtes Thema. Es geht um Menschen – Menschen mit besonderen Talenten, die uns diese auf der Bühne zeigen. Kein großes Schnickschnack, dafür breites Grinsen. Selbst die Moderation ist sehr meta – wir werden recht simpel durch den Abend geführt, es geht von einer Performance zur anderen. Deswegen ist dieses Stück auch perfekt für Varieté-Neulingen, die sich gerne begeistern und erstaunen lassen wollen.

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