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Oh Canada – Ein Semester Toronto

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Eishockey, Ahornbäume und Elche – das ist Postkarten-Kanada. Und doch ist dies nur ein kleiner Teil des zweitgrößten Landes der Welt, das unglaublich vielfältig ist.

„Herzlichen Glückwunsch!“, steht in fett gedruckten Buchstaben auf meinem Bildschirm. So sehr habe ich mich noch nie über eine E-Mail gefreut. Ich wurde für das Global Exchange Program der Uni Bonn angenommen und kann das nächste Wintersemester an der University of Toronto verbringen. Aber wird tatsächlich alles gutgehen? Zwischen zahllosen Fristen, zeitaufwändigen Visa-Anträgen und der ständig wechselnden Corona-Lage denke ich mir: „Ich glaube es erst, wenn ich in Toronto ankomme!“

Die ersten Eindrücke

Umso glücklicher bin ich, als ich im August am anderen Ende der Welt aus dem Flugzeug steige. „Welcome to / Bienvenue au Canada!“, heißt mich das Schild am Pearson Airport willkommen. Hinweisschilder, Texttafeln in Museen, Etiketten im Supermarkt – viele Dinge gibt es hier in englischer und französischer Ausführung, da Kanada offiziell zweisprachig ist. Nachdem ich in meiner WG eingezogen bin und nachmittags downtown erkunde, merke ich aber schnell, dass noch viele weitere Sprachen auf den Straßen Torontos zu hören sind. Die Greater Toronto Area verzeichnet momentan eine Bevölkerungszahl von fast 6,5 Millionen und die Stadt zieht stetig neue Menschen aus aller Welt an. Torontos Vielfalt spiegelt sich unter anderem in den verschiedenen Vierteln wider, komplett mit Straßenschildern auf Englisch und wahlweise einer anderen Sprache, je nach Stadtteil. Trotz der einheitlichen, typisch nordamerikanischen Architektur (quaderförmige Häuser mit ganz viel Backstein und Beton) hat jede Ecke ihren eigenen Charme. Und der äußert sich – sehr zu meiner Freude – oft kulinarisch. Beim Spaziergang durch Chinatown mit seinen unzähligen Restaurants und Supermärkten mit frischem Gemüse kriege ich schon Hunger, finde mich jedoch bald schon im nächsten Stadtteil Kesington Market wieder, der mit südamerikanischen Cafés und Second-Hand-Boutiquen einlädt. Auf dem Weg nach Hause laufe ich noch durch Little Italy (Espresso und Cannoli, irgendwer?) und Koreatown (vielleicht doch lieber eine Portion Bibimbap?). Eines ist schnell klar: Langweilig wird mir in Toronto auf keinen Fall. Und so ein Auslandssemester will neben der Uni schließlich mit spannenden Aktivitäten gefüllt werden.

(Multi)kulturelles Toronto: Von Filmfestivals zu First Nations Artists

Mein Vorsatz für das Semester lautet: So viele interessante Erinnerungen sammeln, wie möglich! Und Toronto enttäuscht nicht. Wenn ich nicht gerade Zeit in der Bib verbringe, erkunde ich gerne die verschiedenen Kulturangebote. Wofür man sich auch interessiert: Torontos Kulturszene bietet die Gelegenheit, Kreationen von Kunstschaffenden unterschiedlichster Herkunft zu genießen und kanadische Kultur aus verschiedenen Perspektiven kennenzulernen. Erstes Event: TIFF. Für Film-Fans ist das Toronto International Film Festival (TIFF) im September auf jeden Fall ein Muss. Egal, ob ihr bei einem spannenden Hollywood- Blockbuster mitfiebern wollt, die aktuellen Highlights im internationalen Arthouse-Kino entdecken möchtet, oder speziell Filmkunst made in Canada genießen wollt – hier ist für jeden Geschmack etwas dabei. ​Auch was Museen betrifft, ist Toronto breit aufgestellt. Für Ausstellungen rund um das Thema Kunst eignet sich vor allem die Art Gallery of Ontario. Dort kann man etwa die berühmte Landschaftsmalerei der Group of Seven bestaunen, durch zeitgenössische indigene Kunst einen ersten Einblick in die reichhaltigen Kulturen verschiedener kanadischer First Nations-Stämme gewinnen, oder einzigartige Werke kreativer Köpfe speziell aus dem Raum Toronto anschauen. Ihr schaut euch statt Kunst lieber die Wunder der Natur an? Das Royal Ontario Museum bietet eine Naturkundeausstellung zum Thema Dinosaurier. Oder vielleicht wolltet ihr schon immer mal alles über Schuhe wissen? Dafür gibt’s auch ein Museum in Torontos Innenstadt.

Wintersport und Ahornbäume

Natürlich ist Kanada durch so viel mehr geprägt als Eissportarten und Ahornbäume, aber diese Aspekte gehören auch dazu – und es lohnt sich, sie mitzunehmen! Für die typisch kanadische Sport-Erfahrung kann man beispielsweise ein Spiel der Toronto Maple Leafs anschauen. Alle, die selbst mal auf’s Eis wollen, können in den Wintermonaten an verschiedenen Orten in der Stadt Schlittschuh laufen gehen – im besten Fall mit winddichter Jacke. Außerdem sollte man sich die atemberaubende Natur rund um Toronto nicht entgehen lassen. Die Niagarafälle sind ca. 2,5 Stunden mit dem Zug entfernt und können vor Ort mit dem Boot sogar von Nahem bestaunt werden. Doch von seiner allerschönsten Seite zeigt sich Ontario im Herbst: Die verschiedenen Provincial Parks, die mit dem Auto ca. 4 Stunden nördlich von Toronto entfernt liegen, werden Anfang Oktober durch die Laubfärbung in leuchtende Farbtöne getaucht. Fährt man zu dieser Zeit etwa in den Algonquin Park, erstrahlt die Landschaft kilometerweit im neon-ähnlichen Rot der Ahornbäume. Die Wanderpfade bieten wunderschöne Ausblicke und mit etwas Glück zeigt sich auch das ein oder andere heimische Wildtier.

Ein Semester ist nur der Anfang

Kanada ist sowohl kulturell, als auch geographisch vielseitig und besticht mit viel natürlicher Schönheit und Gastfreundschaft. Ich habe das Land während meines Austauschs in Toronto sehr liebgewonnen und hatte definitiv nicht genug Zeit, um alle coolen Ecken dieser Stadt (aber auch des restlichen Landes) zu erkunden. Ich kann Toronto und Kanada als Reiseziel nur wärmstens empfehlen und fiebere schon dem Tag entgegen, wenn ich endlich wieder dorthin kann.

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