Das Erfolgsmusical “Romeo & Julia – Liebe ist alles” feierte am Donnerstag, dem 13. August 2026, die Premiere seines Tour-Starts in der Kölner Philharmonie. Die wohl bekannteste Liebesgeschichte aller Zeiten erhält mit der Musik von Rosenstolz-Musiker Peter Plate und Ulf Leo Sommer ein modernes Gewand.
Zwei Häuser waren – gleich an Würdigkeit –
Hier in Verona, wo die Handlung steckt,
Durch alten Groll zu neuem Kampf bereit,
Wo Bürgerblut die Bürgerhand befleckt.
So beginnt William Shakespeares Theaterstück Romeo und Julia nach der Übersetzung von August Wilhelm Schlegel. Dies dürfte bei manchen Erinnerungen an die Schulzeit wecken. Das Stück wird nämlich gerne als Lektüre im Englischunterricht durchgenommen.
“Romeo & Julia – Liebe ist alles” verbindet Alt und Neu
Doch während in der Schule Romeo und Julia vielleicht für Köpfe Rauchen gesorgt hat, zeigt sich auf der Bühne die Schönheit und auch durchaus der Witz des Stückes. Dessen waren sich auch die Komponisten Peter Plate und Ulf Leo Sommer bewusst, als sie an ihrer Musical-Adaption arbeiteten. Nachdem sie zuerst mit dem Text experimentiert hatten, besannen sie sich auf die Übersetzung von Schlegel zurück. Die Übersetzung passt auch zum Bühnenbild, das an das hölzerne Globe Theatre in London erinnert, wo Shakespeare einst selbst seine Stücke aufführte. Die Kostüme des Musicals sind ebenfalls vom elisabethanischen Zeitalter inspiriert.
Rosenstolz-Komponisten stecken hinter dem Erfolgsmusical
Der Sprung vom historischen Wortlaut bei den Dialogen zu den modernen Poptexten in der Musik hätte ein Reinfall werden können, doch „komischerweise funktioniert es“, erklärte Peter Plate bei einer Pressekonferenz in Köln. Durch die Songtexte werden die universellen Themen von Romeo und Julia wie Liebe, Hass und Hoffnung verständlich an das Publikum vermittelt. Da ist es auch nicht schlimm, wenn bei den hochtrabenden Dialogen vielleicht der ein oder andere Satz nicht genau verstanden wird.
Dennoch sind die Texte, wie man es von den Machern von Rosenstolz auch erwarten kann, nicht simpel gestrickt, sondern nachdenklich und gehen ins Herz. Peter Plate ist Mitglied von Rosenstolz und auch Ulf Leo Sommer trug als Komponist zu den Songs der Gruppe bei. Im Musical selbst finden sich neben den hauptsächlich neu komponierten Liedern auch einzelne Rosenstolz-Hits, wie das titelgebende Liebe ist alles.
Queere Repräsentation in Shakespeares Klassiker
Romeo & Julia – Liebe ist alles funktioniert auch deshalb so gut, weil sich in der Aufführung neben den klassischen Elementen gleichzeitig auch kreative Ideen zeigen, die das Stück einem modernen Publikum näherbringen. Die hoch toupierten, feuerroten Haare von Julias Mutter erinnern an eine Dragqueen. Während ihres Lieds Halt dich an die Reichen gibt es auch Voguing mit Fächern zu sehen, einen Tanzstil aus der LGBTQ+-Szene.

Queere Repräsentation schafft das Musical außerdem durch die Neuinterpretation der Figur des Mercutio. Hier ist er heimlich in seinen besten Freund Romeo verliebt und hegt auch komplizierte Gefühle für seinen Rivalen Tybalt. Dies drückt Mercutio herzzerreißend im Lied Die Liebe kennt mich nicht aus.
International renommierte Talente hinter den Kulissen
Jonathan Huor, der Choreograf des Musicals, arbeitete bereits an musikalischen Großereignissen wie dem Eurovision Song Contest in der Schweiz. Insgesamt sind die ausgefeilten Choreografien beeindruckend anzuschauen. In den Kampfszenen wird statt mit Schwertern mit Stöcken gekämpft. Die Stöcke werden auch bei den Tanzszenen rhythmisch eingesetzt. Die Bewegungen der Darsteller:innen bleiben während des Musicals stets dynamisch, da sich in manchen Augenblicken die Bühne auf einer runden Platte dreht.

Auch das Lichtdesign sollte herausgestellt werden. Dies wurde von Tim Deiling inszeniert, der bereits am gefeierten Musical SIX gearbeitet hat. Simpel, aber sehr effektiv ändern die zahlreichen Kerzenlichter ihre Farben passend zur Stimmung des Musicals. Bei der berühmten Balkonszene zwischen Romeo und Julia strahlen sie in einem leuchtenden Gold.
Die Amme ist der heimliche Star bei Romeo & Julia – Liebe ist alles
Musikalisch finden sich in dem Stück einige Überraschungen. Romeo und Julia sind natürlich vor allem für die gefühlvollen Balladen verantwortlich. Der Todesengel als die Personifikation des Todes schaut von der erhöhten Bühne aus auf die anderen Figuren herab. Sein Countertenor-Gesang, der einer virtuosen Arie gleicht, bringt die düstere Vorahnung des Endes mit sich.
Julias liebevolle Amme ist dagegen die humorvolle Figur des Stücks und singt teils operettenhaft. Darstellerin Beatrice Reece erhielt nach ihrem kraftvollen Song Hormone großen Beifall des Publikums. Darin singt sie, wie verrückt Teenager-Liebe doch sein kann und sorgt sich um die Zukunft von Julia. Die Figur der Amme erlangte durch das Musical so große Beliebtheit, dass sie in Berlin zeitweise sogar ein eigenes Solo-Musical hatte.
Statement gegen Krieg sorgt für Gänsehaut-Moment in Köln
Das bekannte Rosenstolz-Lied Liebe ist alles passt natürlich thematisch perfekt zu Romeo und Julia. Dennoch wirkte der Einsatz zu Beginn des zweiten Aktes eingeschoben und tonal etwas unpassend. Da fragte man sich noch zu dem Zeitpunkt, warum diese Hymne auf die Liebe nicht fürs Finale aufgespart wurde. Doch stattdessen bekam man zum Schluss ein Lied, das angesichts der Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten erschreckend aktuell ist und dadurch emotional umso mehr nachhallt.
Zu Der Krieg ist aus zogen die Darsteller:innen ihre Kostüme aus und kehrten wieder in ihrer normalen Alltagskleidung auf die Bühne zurück. Ein starkes Sinnbild gegen das unnötige Leiden und Kämpfen, das nicht nur im alten Verona existierte, sondern bis heute überall auf der Welt andauert.
