Segen für alle!
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Segen für alle!

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In mehreren Gottesdiensten wurden im Mai bundesweit auch homosexuelle Paare in der katholischen Kirche gesegnet. Unteranderem so protestieren Gläubige und Kirchengemeinden unter dem Hashtag #liebegewinnt gegen das Segnungsverbot für gleichgeschlechtliche Paare. Neben Lob und Anerkennung gibt es aber auch starke Gegenreaktionen.

„Gott kann Sünde nicht segnen“

Mitte März hat die Vatikanische Glaubenskongregation in einem sogenannten Responsum ad dubium (Antwort auf einen Zweifel) klargestellt, dass homosexuelle Partnerschaften in der katholischen Kirche nicht gesegnet werden dürften. Menschliche Beziehungen könnten nur dann gesegnet werden, wenn sie den Plänen Gottes dienen, heißt es in dem Schreiben. Gleichgeschlechtliche Partnerschaften schließen, so die Argumentation, jedoch sexuelle Praxis außerhalb der Ehe ein und sind damit sündig. Gott „segnet nicht die Sünde und er kann sie nicht segnen“, fasst die Glaubenskongregation zusammen.

Der Erzbischof von Köln, Rainer Maria Kardinal Woelki, verteidigte das Segnungsverbot, in dem er einer „Stärkung des katholischen Ehe- und Familienverständnisses“ sieht. Wie der Vatikan fordert auch Woelki Respekt, Achtung und Wertschätzung im Umgang mit allen Menschen – auch homosexuellen.

Widerstand in den Kirchengemeinden

Auf das klare „Nein“ aus dem Vatikan reagierten viele bestürzt. Neben verschiedensten (Kirchen-)Verbänden stellten sich auch Bischöfe und Erzbistümer gegen das Segnungsverbot. Auf Facebook schmückte das Bistum Limburg beispielsweise das Profilbild mit einem Regenbogen und dem Schriftzug „#LoveIsNoSin“.

Unter dem Titel #liebegewinnt fanden bundesweit rund um den 10. Mai mehr als einhundert Gottesdienste statt, in denen alle sich liebenden Paare die Möglichkeit erhalten sollten, den Segen Gottes zu empfangen. So auch in der Pfarrgemeinde St. Pankratius im Westen Kölns. Der dort leitende Pfarrer Dr. Wolfgang Fey sieht die Aktion aber nicht als einmalige Gelegenheit oder Protestaktion, sondern als seinen Auftrag als Seelsorger: „Letztendlich ist uns ja der Mensch wichtig. Ein Teil seines Lebens ist Liebe und Partnerschaft. Und das zu begleiten und zu segnen ist nichts Revolutionäres, sondern etwas zutiefst geschwisterlich Menschliches“, sagte Fey im Interview mit bonnFM. An dem Open-Air-Segnungsgottesdienst vor der Kirche Christi Auferstehung in Köln Lindenthal, die zur Pfarrgemeinde St. Pankratius gehört, nahmen mehr als einhundert Gläubige teil. Die Aktion wurde von der Gemeinde als richtiges Zeichen verstanden und hat das „Selbstbewusstsein der Gemeinde gestärkt“, so Fey.

Unterstützt wird #liebegewinnt auch durch die Kölner Mundart-Band Brings, die zu ihrem Lied Liebe gewinnt ein neues Video in der Rainbow-Edition veröffentlichten:

Entsetzen nach Brandanschlag auf Regenbogenfahnen

Als Zeichen des Respekts und der Akzeptanz hisste die Pfarrgemeinde vor allen Kirchen Regenbogenfahnen, die das Symbol der LGBTQI+-Community sind. Doch genau die Fahnen vor der Kirche Christi Auferstehung wurden bei einem nächtlichen Brandanschlag beschädigt. Unbekannte Täter zündeten die Fahnen an und zeigten mit dieser Straftat deutlich ihre Haltung gegen die Toleranz der Kirchengemeinde. Schnell wurden die Fahnen ersetzt, um „im wahrsten Sinne des Wortes Flagge zu zeigen und nicht zu weichen“. Mittlerweile gab es einen weiteren Angriff vor der Pfarrkirche. Die Attacken auf die Regenbogenfahnen machen Pfarrer Dr. Wolfgang Fey fassungslos und nachdenklich: „So tolerant, so offen und so menschenfreundlich scheint diese Stadt nicht zu sein“. Der Künstler Walter Bruno Brix will nun aus einer der angezündeten Fahnen ein Kunstwerk machen, das ab September in der Kirche zu sehen sein soll.

Vom Erzbistum gibt es derweil keine Reaktion auf die Aktion oder die Brandanschläge: „Es gibt dazu keine Sanktionen, es gibt keine personellen Konsequenzen. Es gibt auch keinen Kommentar – weder positiv noch negativ“, sagte Pfarrer Dr. Wolfgang Fey.

Die Art des Protests gegen das Segnungsverbot ist einzigartig in der Geschichte der katholischen Kirche. Ob #liebegewinnt wirklich zur Veränderung und Entwicklung beiträgt, bleibt abzuwarten. Aufmerksamkeit hat die Aktion aber allemal erregt.