Hände hoch für den Maskenmann!

Bild: Klaas Steinhart / bonnFM

Seit mittlerweile über zehn Jahren gehört Sido zum harten Kern der deutschen Rapszene und hat sich längst einen Platz unter den Großen des Musikgeschäfts erobert. Zusammen mit Andreas Bourani ist er mit seiner aktuellen Single Astronaut erstmals an die Spitze der Charts gestiegen und spätestens jetzt im Rap-Olymp angekommen. In Köln gab er das bisher größte Konzert seiner Karriere und lud sich dazu prominente Unterstützung ein.

Als Vorprogramm hatte Sido niemand Geringeres im Gepäck als seinen alten Kumpel B-Tight, der mit alten Hits und seinem neuen Album Born 2 B-Tight dem Publikum schon einmal mächtig einpeitschte. Nach diesem kurzen aber umso kraftvolleren Auftritt übernahm MoTrip die Bühne. Obwohl der Aachener momentan mit seiner Single So wie du bist selbst die Charts stürmt, ließ er es sich nicht nehmen, sein großes Vorbild live zu supporten. In Anbetracht der aktuellen Ereignisse in Paris, sowie in seiner Heimat Libanon, war MoTrips Set zwar deutlich ruhiger, aber nicht weniger mitreißend. Zum Abschied durfte er dann, sichtlich geehrt, den „großen Meister“ ankündigen.

Mit seinen beiden DJs Werd und Desue legte dieser auch gleich los: Spektakuläre Lichteffekte und fette Beats sorgten dafür, dass Sido die gefüllte Arena zu Füßen lag. Dass auch ein alter Hase wie er noch immer mit Lampenfieber zu kämpfen hat, bewies er mit leichten Texthängern beim ersten Song. Doch schnell fand er seinen Flow und überzeugte mit einem abwechslungsreichen Set sowie einer unglaublichen Ausdauer.

Zu Straße für die Nachbarschaft

Die Songs des neuen Albums konnten auch live voll und ganz überzeugen. Seine erste Nummer 1 in den Charts überhaupt, der Titel Astronaut, überzeugt durch eine schonungslose Aufdeckung der menschlichen Heuchelei. Nachdenklich, gesellschaftskritisch, erwachsen – das ist Sido 2015. Auch in Zu wahr legt er mit Zeilen wie „So viele Menschen, dass das Wasser nicht reicht / doch sie machen diese Videos mit nem Bucket voll Eis“ den Finger genau in die Wunde. Es bleibt zu hoffen, dass Sidos Worte Gehör finden.

Doch auch wenn sich der Berliner mit jedem Album weiter von seinen Wurzeln als Gangsta-Rapper entfernt, so ganz loslassen kann er sie nicht. Dass seine Fans das besonders wertschätzen, zeigten die Reaktionen auf seine alten Hits wie Mein Block, Schlechtes Vorbild oder Halt dein Maul. Wie bei jedem seiner Konzerte wurde die erste Reihe mit kostenlosen Jägermeister-Shots versorgt, was die überragende Stimmung im Parkett weiter anheizte. Nicht selten schwappte diese auch auf die Ränge der riesigen Arena über, wobei die Eltern der jüngeren Sido-Fans wohl nicht bei jedem Lied die Freude ihrer Zöglinge teilten.

Prominente Gäste

Bereits früh wurde Sido auf der Bühne von Jokah und MoTrip besucht, die die Verse seines Songs Selfie mit ihm als Dialog performen. Doch natürlich war das noch nicht alles an Besuch auf der Bühne. Pünktlich zu Astronaut betrat Andreas Bourani die Bühne, um den gemeinsamen Song erstmals während der Tour auch live zusammen zu singen. Um den Besuch auch wirklich lohnenswert zu gestalten, durfte Bourani dann auch noch seinen WM-Hit Ein Hoch auf uns zelebrieren, der auch die eingefleischtesten Hiphopper zum Mitklatschen animierte.

Zur Zugabe wurde es auf der Bühne aber richtig voll: Für die Single 30-11-80 enterten nacheinander Eko Fresh, Jokah, MoTrip, Frauenarzt, Manny Marc, B-Tight und zu guter Letzt Sido selbst die Bühne. Der Meister ließ es sich nicht nehmen, das größte Konzert seiner Tour mit großartiger Unterstützung zu feiern, und die Gastauftritte verzückten auch den Letzten im weiten Rund der Arena. Nach der letzten Zugabe fand sich dann auch keiner unter den Zuschauern, den Sido nicht von sich und seiner Musik hatte überzeugen können. Siggi ist eben einfach der deutsche Rapper unserer Zeit.

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