„Immer, wenn es regnet..“

Trotz eher bescheidenen Wetterverhältnissen brachten Max Herre und das Kahedi Radio Orchester am 19.06. die Besucher des Kunst!Rasen Open Airs in Bonn Gronau zum ausgelassenen Feiern. Mit seiner MTV Unplugged Open Air Show, inklusive Orchester und zahlreichen Gastauftritten, tourt er aktuell wieder durch Deutschland.

Hallo Welt!

Schon im Oktober 2013 wurde im Berliner Funkhaus das MTV Unplugged Album samt Kahedi Radio Orchestra aufgenommen. Unplugged, also absolut akustisch, tourte er damit bereits 2014 durch Deutschland. Aktuell ist er wieder mit seiner ganzen Truppe unterwegs und machte unter anderem in Bonn Halt.

Hallo Bonn!

Pünktlich um 18.45 Uhr geht es los mit der Vorgruppe. Soul-Sänger Fetsum legt einen guten Auftritt hin und wird vom Publikum herzlich empfangen. Trotzdem ist natürlich auch ihm klar, auf welchen Auftritt die Menge gespannt hin fiebert. Auf die Frage: „Wer ist alles wegen Max Herre hier?“ erhält er laute Jubelrufe. Aber dieser Auftritt soll noch nicht sein letzter an diesem Abend sein, denn Max Herre wird ihn später noch ein paar Mal zu sich auf die Bühne holen, um noch den ein oder anderen Song mit ihm zu performen. Fetsum ist als Vorband also nicht nur Zeitfüller, sondern ein vollwertiger Teil der Show. Sehr sympathisch.
Eine gute Dreiviertelstunde später ist es endlich soweit: Zuerst erscheint das zwanzigköpfige Kahedi Radio Orchestra auf der Bühne, dann lässt Max sich endlich blicken. Er grinst über das ganze Gesicht und freut sich sichtlich auf die nächsten zwei Stunden. Dieses Grinsen ist ansteckend: wohin man auch blickt, überall vor Vorfreude gespannte Gesichter. Der Song “Hallo Welt“ macht den Anfang und wird logischerweise direkt in “Hallo Bonn“ umgetextet. Das Publikum steigt sofort ein, die Stimmung ist super.

Stimmung gegen Wetter

Doch wer denkt, Max Herre hätte “nur“ sein ganzes Orchester eingepackt, hat weit gefehlt. Zu fast jedem Song hat er sich musikalische Unterstützung geholt. Unter anderem von seiner Ehefrau Joy Denalane, mit der er den Freundeskreis-Song “Mit dir“ in einer wunderschönen Live Version zum Besten gibt. Maxim, Afrob, Megaloh und ein Drittel von Die Orsons – nämlich Rapper Tua – waren ebenfalls mit von der Partie.

Foto: © Katharina Weber

Foto: © Katharina Weber

Doch so gut die Stimmung auch ist, das Wetter ist nicht so in Feierlaune. Schon nach den ersten paar Songs fängt es wie aus Eimern zu regnen an. Bei gemütlichen 10 Grad Außentemperatur frieren die durchnässten Gäste also ordentlich. Mehrfach entschuldigt sich Max, dass sie kein besseres Wetter mitgebracht hätten. Aber für so eine gute Show nimmt man auch schlechtes Juniwetter gerne in Kauf. Als dann schließlich die ersten Akkorde von “A-N-N-A“ angeschlagen wurden, scheint es fast so, als wolle der Himmel dem zum Wetter passenden Songtext noch etwas Nachdruck verleihen. “Nass bis auf die Haut“ sind zu diesem Zeitpunkt auf jeden Fall die meisten Besucher.

Musik steht im Vordergrund

Einen weiteren Sympathiepunkt sichert Max Herre sich durch eine wunderbar unaufgeregte Show. Nicht nur das gesamte Orchester und die GastsängerInnen, auch er selbst treten komplett dunkel gekleidet auf. Eine spektakuläre One-Man Show braucht er nicht, hier steht die Musik im Vordergrund. Die Mischung aus Hip-Hop, Rap, Soul und Reggae kommt hervorragend an. Und auch mit seinen Texten kann er punkten. Hip-Hop und Rap wird mittlerweile leider häufig mit sogenanntem “Gangsta-Rap“ gleichgesetzt. Doch Max Herre braucht keine Diss-Tracks oder Beef mit Kollegen, um sich als Rapper zu identifizieren – im Gegenteil! “Bonn – you are so beautiful, singt’s für euch“ ruft er in die Menge, in Anlehnung an seinen Song “So wundervoll“. Und alle singen mit.
Auch seine Musikerkollegen nimmt er nach den Songs oft in den Arm, man nimmt ihm die Freude und Dankbarkeit also wirklich ab. Dass er aber weder der Gangsterrapper, noch der Schmusesänger ist, zeigt er mit seinen mitunter auch stark sozial- und gesellschaftskritischen Texten. Zum Beispiel in “Leg‘ dein Ohr auf die Schiene der Geschichte“, ebenfalls ein Freundeskreis Werk, oder “Berlin – Tel Aviv“. In “Einstürzen – Neubauen“ heißt es: “Wir treffen uns in asozialen Netzwerken / Jeder darf verletzen, aber niemand will verletzt werden / Anonymität macht hier jeden zu ’nem Experten“. Er weiß, wovon er spricht und wie er es am besten ausdrücken kann.

Zum Abschluss wird noch der allseits bekannte, oft gecoverte Ton Steine Scherben-Klassiker “Halt dich an deiner Liebe fest“ performt. Max’ selbst ernannter, weiterer Background-Chor – das Publikum – schmettert noch lange nach Ende des Songs eben jene Songzeile mit. Nach einer gut zweistündigen Show und drei Zugaben verabschiedet sich das gesamte Team schließlich. Die Stimmung ist noch immer mehr als gut, man sieht überall tanzende Menschen, auch wenn die Künstler selbst schon längst von der Bühne sind. Es ist schön zu sehen, dass es noch Musiker gibt, denen die Musik selbst am Herzen liegt und die ein Stück davon an ihr Publikum weitergeben wollen.
“Musik ist Weltsprache, keine schnelle Geldmache“, stellt Herre in “Esperanto“ klar. Wie Recht er hat.

Hier könnt ihr euch übrigens alle Songs der Kahedi Radio Show, plus Hintergrundinfos von Max Herre persönlich, anhören.

Moderatorin

Sendet jeden Montag von 16 bis 18 Uhr.

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