„Respect the Poet!“ – LiterArena No. XVI

Bild: Julia Kuntze

Zum sechzehnten Mal fand am 30.11. im Pantheon Casino die LiterArena statt, ein Poetry Slam ohne Wettbewerb für Studenten, die gerne selber schreiben.

Ein Abend im Zeichen des Wortes

Die Fachschaft der Germanistik, Komparatistik und Skandinavistik – kurz GeKoSka – der Uni Bonn veranstaltet jedes Semester die LiterArena, so auch am Montagabend, den 30.11.2015. Zum wiederholten Male ist der Ort des Geschehens das Pantheon Casino in Bonn Gronau. Das ist eine gemütliche kleine Location, die an diesem Abend durch schummrige Beleuchtung die ganze Aufmerksamkeit des Publikums auf die Bühne lenkt, auf der sich in den nächsten zweieinhalb Stunden neun mutige Literaten den Zuschauern präsentieren werden.
In einleitenden Worten erklärt Moderator Julius Esser den Verlauf des Abends. Die LiterArena unterscheide sich vom gewöhnlichen Poetry Slam durch das Fehlen des Wettbewerbs und auch dadurch, dass man den Poeten Zeit lasse und die Bühne auch Platz für eher ruhigere Texte biete. Julius betont zudem wie wichtig es sei, die Literaten bei ihrem Auftritt zu unterstützen, da viele zum ersten Mal überhaupt auf der Bühne stünden. Deswegen sei neben Applaus und Lachern auch mal „Fresse halten“ angesagt.

Mittlerweile ist das Pantheon Casino gut gefüllt, sowohl im unteren Zuschauerbereich als auch auf der Empore. Ein paar Nachzügler haben es sich sogar mit einem Bierchen auf der Treppe gemütlich gemacht. Den Anfang macht Jaqueline, mit einer recht melancholischen, aber sehr schönen Kurzgeschichte namens „Folgen“. Sie wird abgelöst von Lukas, der doch lieber Zwiebel genannt werden will – Lukas heiße schließlich jeder. Aber Künstler haben eben so ihre Macken. Seine Kurzgeschichte trägt den interessanten Titel „Die Leiden des jungen Douggie Fresh“. Das Publikum ist ausgelassen und fühlt sich offensichtlich gut unterhalten. Die nächste Literatin ist eigentlich schon ein Profi. Unter dem Pseudonym Frau Düfi hat sie sogar schon zwei Bücher publiziert. Heute liest sie aus „Dezember“, einem aus dem Nahverkehr inspiriertem kurzweiligen Roman. Als letzte Literatin vor der Pause ist Eleanor mit ihrer in einer Schreibwerkstatt entstandenen Kurzgeschichte „Leviathan“ dran, die das Publikum vor der Pause noch einmal zum Nachdenken und Innehalten bringt.

Die richtige Mischung machts

In der Pause habe ich Gelegenheit, mit Julia Mierbach, der Organisatorin der LiterArena zu sprechen. Obwohl sie vorsichtig meint, man dürfe in der Pause noch keine Bilanz ziehen, wirkt sie doch sehr zufrieden mit der ersten Hälfte des heutigen Abends. Die Organisation stelle eigentlich keine Schwierigkeit dar, abgesehen von der Terminplanung und der richtigen Auswahl der Literaten. Diese solle, laut Julia, immer eine gute Mischung aus lustigen und traurigen Texten, weiblichen und männlichen Vortragenden abgeben.
Das ist diesmal gut gelungen, denn nach der Pause folgt der erste musikalische Beitrag des Abends, gefolgt von Michael, der sein Programm mit selbstironischen Worten einleitet. Er könne nicht singen, nicht tanzen, nicht malen, also versuche er es mal mit schreiben. Seine Gedichte begeistern durch Witz und interessante Alltagsbeobachtungen. Mit Gedichten geht es weiter: Dana präsentiert ein paar ihrer sehr tiefgründigen Gedichte. Die nächste auf der Bühne hat schon ein wenig Slam-Erfahrung, Katja Urban tritt auf mit einem recht emotionalen und eloquenten Text namens „Das Schicksal der einsamen Socken“. Der letzte am heutigen Abend bricht mit der Tradition: Samuel ist nämlich Musiker. Sein Motto lautet „#Liebe in die Welt“, was man auf vielen Aufklebern lesen kann, die überall in Bonn verteilt sind. Wirkten die meisten der studierenden Dichter zu Anfang ihres Auftritts noch nervös, so wurden sie doch immer sicherer, sei es durch Lacher an den richtigen Stellen oder bedächtige Stille anlässlich ihres poetischen Tiefgangs.

Ein gelungener Abend

Nach großzügigem Applaus und einer ausführlichen Danksagung von Moderator Julius geht die sechzehnte LiterArena zu Ende. Die Gäste strömen gut gelaunt zur Bar, sie werden den Abend sicherlich in guter Erinnerung behalten.
Das Pantheon Casino als Location ist allerdings für die nächsten LiterArenen nicht sicher, da der Komplex, in dem sie untergebracht ist, 2016 abgerissen werden soll. Sicher ist: die Veranstaltung wird weiter stattfinden und literaturbegeisterte Studenten erfreuen, unklar ist allerdings, wo.
Jetzt zählt nur, was vom heutigen Abend in Erinnerung bleibt: ein schöner Abend mit guten Texten, egal ob lustig oder traurig, ob Poesie, Prosa oder Lied. Wer einen gemütlichen Abend ganz im Zeichen der Literatur verbringen will, sollte sich die nächste LiterArena der Fachschaft GeKoSka im Sommersemester nicht entgehen lassen!

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