Ronja Räubertochter – Das furchtlose Mattismädchen

Wild, warmherzig und wunderbar. So war die Premiere des Opernstücks Ronja Räubertochter am Sonntagabend in der Bonner Oper. Eine durchaus gelungene Aufführung, nach dem gleichnamigen Roman der Autorin Astrid Lindgren, ließ das Publikum, bestehend aus Groß und Klein, für zwei Stunden in die Welt zweier Kinder eintauchen, die nicht nach dem Vorbild ihrer Eltern leben wollen. bonnFM war für euch mit dabei und hier lest ihr wie es uns gefallen hat.

Die Kinder stellen sich gegen ihre Eltern

Die Aufführung startet mit der Geburt Ronjas. Während draußen lauter Donner herrscht, sitzen die Männer des Anführers Mattis gespannt vor den Räumen. Es dauert nicht lange, da ist das kleine Mädchen geboren und die Freude riesengroß. Mattis ist sichtlich erleichtert und ein stolzer Vater. Umso schwieriger wird es für ihn, nach ein paar Jahren festzustellen, dass er seine Tochter nicht ewig unwissend und behütet in der Burg festhalten kann. Als der Tag gekommen ist, an dem sie das erste Mal ihr Zuhause verlässt, gibt er ihr noch Ratschläge mit auf dem Weg, kann sie jedoch nicht aufhalten. Im Mattiswald passiert es dann: Sie bricht mit ihrem Fuß in die Höhle der Rumpelwicht-Familie ein und wird von ihnen bedroht. Doch Birk, der aus der dem feindlichen Räuberlager stammt, kommt ihr zur Hilfe. Nach anfänglichen Unstimmigkeiten zwischen ihnen, entsteht eine herzliche Freundschaft und Ronja erfährt von ihm die Aufgaben eines Räubers, die ihr Vater ihr verschwieg. Von nun an müssen sich die beiden in schwierigen Situationen ihren Eltern stellen. Dabei beweisen sie Mut und gehen mit einer gewissen kindlichen Einfachheit an Konflikte heran, die den verfeindeten Eltern hilft, sich anzunähern und einen Kompromiss zu finden.

Bild: Thilo Beu / Oper Bonn

Bild: Thilo Beu / Oper Bonn

Überraschendes Bühnenbild

Der erste Blick auf die Bühne zeigte die Mattisburg und ein kleines Fenster, das in den Wald führt. Während der Zuschauer hier noch ein überschaubares Bühnenbild erwartete, wurde mit den ersten Szenen des Waldes schnell klar, dass die Bühnentechnik und Beleuchtung, alles andere als durchschnittlich sind. Sich wechselnde Hintergrundfarben des Waldes, passend zur Tages- und Jahreszeit, wie auch zur Stimmung der Szene, veränderten sich so fließend, dass es dem Zuschauer erst mit der Zeit auffiel. Ebenso stimmungsvoll waren leuchtende Lichter, die die Augen von Waldtieren darstellten und ein Nebel der durch graue Tänzer symbolisiert wurde. Dadurch wirkte der Wald belebt und mystisch.

Gesang als Kraftausdruck

Besonders überzeugende Stimmen hatten die Figuren Ronja (Kathrin Leidig) und Birk (Marie Heeschen), der Junge aus dem anderen Räuberlager. Ebenso glaubwürdig und liebevoll und damit passend zum gespielten Charakter, sang Ronjas Mutter Lovis (Ceri Williams). Sehr gegensätzlich demgegenüber, wirkte die Stimme des Vaters Mattis (Martin Tzonev), der vielfach abgehakt und aufbrausend sang und damit seine Charakter wirkungsvoll ins Szene setzte. Insgesamt war die Bühne gefüllt von kräftigen Stimmen und einer breiten Masse an männlichen Sängern, die dem Konflikt der Banden Wirkung verliehen.

“Sei frech und wild und wunderbar”

Bild: Thilo Beu / Oper Bonn

Bild: Thilo Beu / Oper Bonn

Ganz nach dem Motto der Autorin Astrid Lindgren, versprüht die Oper eine warmherzige aber auch freche Art. Sie zeigt auf, wie wichtig Freundschaften sind, dass sie Halt und Zuflucht bieten und den Mut aufbringen können, sich gegen die eigenen Eltern zu stellen und eine andere Meinung zu vertreten. Im Falle Ronja Räubertochters lernen die Eltern von den Kindern nicht nur ihre Vorurteile zu überdenken, sondern auch das Konkurrenzdenken aufzugeben.

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