Wo “Auf Anfang” anfing – Sebastian Pufpaff spielt in Hörsaal 1

Der Kabarettist Sebastian Pufpaff hat am Mittwoch Abend in der Uni einen Teil seines Programms „Auf Anfang“ gespielt und uns gezeigt, wie man auch als Langzeitstudent am Ende ein gern gesehener Alumni der Uni Bonn wird.

Zur Begrüßung des Kabarettisten versucht sich Prorektor Klaus Sandmann an einem seltenen Stand-Up. Man merkt ihm an, dass er sich darauf vorbereitet hat, aber der hohe Bildungsgrad scheint ihm etwas in die Quere zu kommen. Doch das Publikum wartet wohlwollend auf den Star des Abends: Kabarettist Sebastian Pufpaff. Innerhalb einer Stunde ausgebucht, finden sich in Hörsaal 1 an diesem Mittwoch Abend auch einige ältere Semester, oft in studentischer Begleitung, wieder. Sebastian Pufpaff live UND for free, das zieht.

Pufpaff, der Hater

Bild: Volker Lannert/Universität Bonn

Sebastian Pufpaff, wirklich der echte Nachname, nimmt gekonnt die Bühne ein. Sein erster Kommentar gilt der Tiefgaragenodyssee der Uni Bonn: „Jede Stadt braucht ein großes unfertiges Bauwerk.“ Inhaltlich dreht sich das für den Auftritt verschlankte Programm von Pufpaff um Romantikhotels, Technikneuerungen und Terrorismus. Es ist kein neues Programm, aber dafür ist es gut. Die Bühnenfigur Sebastian Pufpaff als oberflächlicher Unsympath, der zum Ende des Programms hin den Finger in die Wunde legt, ist nicht allen Besuchern geläufig. Besonders beim Thema Sexismus ist der Applaus verhaltener, da es bis auf einen kurzen Exkurs Richtung Lohngleichheit bei den recht derben Sprüchen bleibt. Es mag vielleicht dem verkürzten Programm geschuldet sein, denn u.a. bei den Themenkomplexen Terrorismus und Ausländerhass  gelingt ihm die Gesellschaftskritik, die sein Programm üblicherweise auszeichnet, viel besser

“Ich habe hier 21 Semester studiert”

Den größten Applaus des Abends bekommt Pufpaff für seine Bitte, Menschen nicht in Nationalitäten, sondern in Arschlöcher und nicht Arschlöcher aufzuteilen. Aber er warnt auch vor anderen Problemen: Ost/West-Entfremdung, Bildungsnotstand und Burnout. Doch die Studierenden hören auch etwas anderes, was sie sonst wahrscheinlich in der Uni nicht lernen: Unser Studiensystem ist darauf ausgelegt mit 22 fertig für die Arbeitsgesellschaft zu sein, um schön lange arbeiten zu können. Wir sollten uns davon freimachen. Pufpaff lebt es vor. Er hat insgesamt 21 Semester, also 10 1/2 Jahre, bis zum Abschluss studiert. Man müsse nicht unbedingt früh anfangen zu arbeiten, denn Rente müssten wir uns sowieso nicht erhoffen und es eher religiös sehen und an sie glauben. Nach einer Stunde ist alles schon wieder vorbei. Zum Dank gibt es von Prof. Sandmann eine Fotographie des Hauptgebäudes, allerdings noch aus der schönen Zeit ohne Baustelle. „Sind die Vorlesungen hier immer so?“, fragt ein älterer Herr seinen Sohn beim Rausgehen.

Bild: Volker Lannert/Universität Bonn