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Auf Netflix startet die neue Serie „How to Sell Drugs Online (Fast)”. Eine explosive Kombination aus „Breaking Bad“ und „Tote Mädchen lügen nicht“, die definitiv Suchtgefahr birgt, findet bonnFM-Redakteurin Louisa Schmökel.

Was wie die verzweifelte Google-Suche eines Ravers mit chronisch leerem Konto klingt, ist die zweite deutsche Netlflix-Produktion nach „Dark“. Als Mischung aus „Breaking Bad“ und „Tote Mädchen lügen nicht“ erzählt „How to Sell Drugs Online (Fast)” in sechs Episoden die Geschichte von zwei Teenagern, die in der verschlafenen Kleinstadt Rinseln einen Onlineshop für Drogen aufziehen. Richtige Gangster sind die liebenswürdigen Nerds Moritz und Lenny jedoch nicht. Sie tüfteln eigentlich an einem Start-up herum, um digitales Zubehör für Online-Games zu verkaufen.

Ecstasy für die Ex

Doch dann macht Moritz‘ Freundin Lisa mit ihm Schluss. Sie kommt gerade aus einem Auslandsjahr in den USA zurück und steckt in einer fetten Identitätskrise. Alkohol ist für Lisa keine Lösung, dafür aber Ecstasy, welches ihr “Schwiegermutterliebling” Dan beschafft. Moritz erkennt Lisa nicht mehr wieder. Eifersüchtig auf Dan und im Versuch das Herz seiner Verflossenen zurückzugewinnen, verpulvert Moritz das Start-up Geld, um Rinselns Pillenbestände leerzukaufen. Ecstasy für die Ex. Was man nicht alles für die Liebe tut! Eins führt zum anderen und ehe sich Moritz versieht, hat er mit Lenny eine Drogenshop am Laufen. 

High vom Zuschauen

„How to Sell Drugs Online (Fast)” zieht alle Register. Episode 1 ist die Einstiegsdroge, ein Rausch aus fesselnder Inszenierung und surrealem Farbenspiel. Wir werden high nur vom Zuschauen. Die Macher präsentieren uns Figuren, die alle erfrischend mehrdimensional sind. Moritz mit seinem Ödipus-Komplex und Hang zum Narzissmus, der totkranke Lenny und der bierbäuchiger Dealer Buba, gespielt von Bjarne Mädel, sind nur die Spitze des Eisberges. Für die poetische Untermalung sorgen unsere „Lieblingsautoren“ aus dem Deutschunterricht, die auch die Schüler in Rinseln durchkauen müssen. 

Ein wenig im Dichter- und Denkertum stecken geblieben

How to Sell Drugs Online (Fast)” versucht vieles richtig zu machen und kränkelt trotzdem – oder vielleicht gerade deswegen – am eigenen Perfektionismus. Die häufig fast schon literarischen Dialoge wirken an vielen Stellen hölzern und scheinen eher auf eine Theaterbühne zu gehören. In dem zwanghaften Bemühen eine “litte, freshe” Serie abzuliefern, vergessen die Macher dem Duo Moritz und Lenny die echten Katastrophen in den Weg zu werfen, welche Breaking Bad so großartig gemacht haben. Auch bleibt die Serie in ihrem Dichter- und Denkertum stecken. Lennys tödliche Krankheit hängt wie ein pechschwarzer Schatten über der Handlung. Und oft steckt in den alltäglichen Sorgen und Wünschen der pubertierenden Figuren mehr Weltschmerz als Teenagerprobleme.  

4 von 5 Ecstasypillen 

Doch das sind nur kleine Makel im Nanogramm-Bereich. Mit „How to Sell Drugs Online (Fast)” liefert Netflix ein scharfsinniges, bombastisches Spektakel ab, das Lust auf mehr macht. Hat man einmal begonnen, lässt einen „How to Sell Drugs Online (Fast)” so schnell nicht mehr los, bis man am Ende von Episode 6 leicht desorientiert wieder aufwacht. Daher gebe ich der Serie 4 von 5 Ecstasypillen.

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