RADIOlogie: Anpassung an den Klimawandel
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RADIOlogie: Anpassung an den Klimawandel

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Wie wird sich Bonn verändern? Was kann man dem Stadtklima Gutes tun? Wie passen sich Pflanzen und Tiere an? Wie werden wir in Zukunft Wasser gewinnen und Gemüse produzieren?

In jeder Ausgabe der RADIOlogie, der Wissenschaftssendung bei bonnFM, durchleuchten wir ein spannendes Thema. Hier haben wir für euch die Inhalte unserer Beiträge aufbereitet.

Lust auf mehr RADIOlogie? Hier findet ihr alle bisherigen Ausgaben.

Bonn im Klimawandel

Der Klimatologe Karsten Brandt ist in Bonn geboren und beobachtet seit Kindheitstagen das Wetter in der Bonner Region. Durch den Klimawandel hat sich hier die Durchschnittstemperatur bereits auf 12 °C erhöht. Nicht nur schwüle Sommertage, wie vergangenen Sommer 2018 sondern auch Starkregen, Dürre und Brandgefahr sind Probleme mit denen wir uns in den kommenden Jahrzehnten öfter auseinandersetzen müssen. In NRW gehen jeden Tag 10 Hektar Boden durch die zunehmende Bebauung verloren. Karsten Brandt mahnt, dass gerade Grünflächen ein so wichtiges Hilfsmittel gegen die Hitze in Städten sein werden. Mit mehr Bäumen, Hausbegrünung wie Efeu und Photovoltaik auf den Dächern müssen sich Städte wie Bonn auf die kommenden Jahrzehnte jetzt schon vorbereiten und nicht erst in 20 Jahren.

Wissenschaftsladen Bonn e.V.: Grüne Inseln

Auch der Wissenschaftsladen Bonn e.V. (WILA) beschäftigt sich mit den Auswirkungen des Klimawandels in deutschen Städten. Frau Valentin aus der Geschäftsführung und Frau Hugenroth aus dem Projektbereich Bürgergesellschaft und Nachhaltigkeit haben über das Projekt „Stadt und Land im Fluss“ berichtet. Ein Kernelement ist der Bau von sogenannten „Grünen Inseln“: begrünte Erholungsflächen, die sich in aufgeheizte Bereiche integrieren lassen. So wird nicht nur eine Verbesserung des Mikroklimas, sondern auch eine öffentliche Wahrnehmung des Problems „Überhitzung“ gefördert. Engagierte können beim Bau dieser Inseln mithelfen oder sich in anderer Form an den Projekten beteiligen. Ein unverbindliches Treffen findet am Dienstag, den 19.02.2019 um 18 Uhr in den Räumen des WILA statt.

Bundesamt für Bevölkerungsschutz
und Katastrophenhilfe

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (kurz: BBK) ist eine Behörde des Bundesinnenministeriums. Es wurde 2004 als Reaktion auf die Anschläge vom 11. September 2001 und die Flutkatastrophe in Ostdeutschland 2002 gegründet. Die Aufgaben des BBK sind vielfältig: neben dem klassischen Katastrophenschutz zum Beispiel vor Atomkatastrophen und der entsprechenden Ausbildung und Ausrüstung von Feuerwehr, Rettungsdienst und THW zählt dazu auch der Schutz “kritischer Infrastrukturen”. Das sind beispielsweise die Versorgung mit Energie, Wasser und Lebensmitteln, aber auch das Gesundheitssystem oder der Finanzsektor. Zur Umsetzung seiner Aufgaben führt das BBK eine permanente Risikobewertung und -analyse durch, um seine Notfallpläne entsprechend anpassen zu können. Im Ernstfall informiert und warnt es die Bevölkerung über Warnsirenen oder die App “NINA”. Außerdem veröffentlicht es Hinweise zur Vorbereitung auf mögliche Katastrophen, aber auch für das richtige Verhalten im Ernstfall.

Diese Hinweise findet ihr unter: https://www.bbk.bund.de/DE/Ratgeber/Ratgeber_node.html

Fichtenbefall im Kottenforst

Die Folgen des Klimawandels sind überall zu sehen, auch hier in Bonn wird das deutlich. Das Regionalforstamt ließ kürzlich 140.000 befallene Fichten im Kottenforst fällen. Um die Hintergründe des Fichtenbefalls zu verstehen, sprachen wir mit Prof. Dr. Maximilian Weigend aus dem Nees Institut für Biodiversität der Pflanzen. Durch den Hitzesommer 2018 wurden die Fichten geschwächt und waren folglich anfälliger für Borkenkäfer, die sie letzten Endes zu Fall brachten. Es traf gerade die Fichte, da der Kottenforst von vornherein zu warm und zu trocken für sie war. 40.000 Eichen, Buchen und Linden sollen den Verlust der Fichten ersetzen. Das allerdings wird seine Zeit brauchen.

Wasseraufbereitung

Mit fortschreitendem Klimawandel, steigt der Meeresspiegel und unsere Süsswasserreservoirs unter anderem in Form von Gletschern schrumpfen. Wie können wir also in Zukunft Trinkwasser gewinnen?

Zum einen kann man Meerwasser entsalzen. Dazu haben italienische Wissenschaftler eine solarbetriebene  Meerwasserentsalzungsanlage entwickelt, die kleiner als ein Kasten Bier ist und bis zu 3L Wasser pro Tag aufbereitet.

Verdrecktes Wasser kann durch die Zugabe des Minerals Alaun von Schwebstoffen befreit werden, allerdings überstehen Krankheitserreger dieses Verfahren, so dass vor dem Verzehr Desinfektionsmittel zugesetzt werden muss. Vorteilhafter sind Trinkflaschen mit Dreifachfiltersystem, diese reduzieren Keime, Schwebstoffe und Schwermetalle effektiv, allerdings sind sie unwirksam gegen Gifte.

Calciumchloridgele nehmen Wasser aus der Umgebungsluft auf und geben es bei Erwärmung durch etwa Sonnenlicht ab. Ausreichend Wasser würde pro Tag nur 50Cent kosten. Allerdings ist noch nicht erforscht, ob ein Einsatz in größeren Mengen die Luftfeuchtigkeit entsprechend stark senkt, und das Klima entsprechend trockener wird.

Anpassung der Pflanzen an den Klimawandel

Nicht nur uns Menschen fällt die Anpassung an den Klimawandel oft schwer. Auch für viele Pflanzenarten stellt das ein erhebliches Problem dar. Darüber sprachen wir mit Prof. Dr. Maximilian Weigend aus dem Nees Institut für Biodiversität der Pflanzen. Vor allem Pflanzen, die auf stabile Umweltbedingungen angewiesen sind, leiden unter dem veränderten Klima. Dabei sei die Hitze nicht das Hauptproblem, sondern die mit dem Klimawandel verbundenen Unregelmäßigkeiten z.B. bezüglich der Niederschläge oder die Verschiebung der Jahreszeiten. Während mehrjährigen Arten die Anpassung eher schwer fällt, ist der Prozess bei einjährigen Pflanzen bereits in vollem Gang. Denn diese haben einen kürzeren Entwicklungszyklus, welcher die Evolution beschleunigt.

Anpassung der Tiere an den Klimawandel

Wie Tiere sich an den Klimawandel anpassen müssen, haben wir im Museum König von Frau Dr. Livia Schäffler erfahren. Mobile Tierarten können sich natürlich in für sie angenehmere Regionen fortbewegen, aber auch hier können die Tiere auf Grenzen stoßen. Wenn Tierarten in neue Regionen migrieren, kann hier außerdem das ökologische Gleichgewicht gestört werden. Und nicht nur an die Temperaturänderung müssen Tiere sich anpassen, sondern auch an die Verschiebung der Jahreszeiten. Durch den früher einsetzenden Frühling, entwickeln sich beispielsweise Insekten früher, die wiederum Nahrungsgrundlage vieler Vögel sind. Zugvögel müssen dadurch früher zurück in ihre Brutregionen ziehen. Und selbst die Anpassung der Menschen an den Klimawandel hat wiederum negativen Einfluss auf die Tierwelt.

Wie können Nutzpflanzen stressresistenter gemacht werden?

Für die Nahrungsmittelproduktion ist es wichtig, dass Nutzfplanzen auch Stressfaktoren wie Trockenheit und erhöhten Salzgehalt im Boden aushalten können. In dem Graduiertenkolleg 2064 der Uni Bonn sprachen wir mit der Doktorandin Alina Osthoff. Am Institut für Nutzpflanzenwissenschaften und Ressourcenschutz (INRES) erforscht sie die Gene von Gerste. In den Genen stecken verschiedene Informationen, die dafür sorgen, dass die Pflanzen sich entsprechend verhalten. Durch die Analyse von den riesigen Datensätzen, die beim Auslesen der Gene entstehen, sollen die verschiedenen Gene identifiziert werden. So können sie in Zukunft als Anhaltspunkte für Züchtungen dienen um Nutzpflanzen toleranter gegenüber Trockenheit, Hitze und Salzgehalt zu machen.

Gemüse in der Antarktis

Starke klimatische Änderungen können uns in Zukunft vor große Ernährungsprobleme stellen, weil Gemüse- und Getreidesorten in Teilen der Welt nicht mehr optimal gedeihen können. Deshalb haben das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und das Alfred-Wegener-Institut (AWI) das Projekt EDEN-ISS gestartet. Dabei haben sie zwei von der Umwelt abgeschottete Container, die als Gewächshaus dienen, in der Antarktis platziert. Sie brauchen dabei nur Storm, Wasser und Dünger unabhängig von den äußeren Umständen. So konnten sie über 250kg Gemüse, Salat und Kräuter innerhalb eines Jahres züchten. Dabei wollen sie Wasser sparen und auf Pestizide verzichten. Die Erkenntnisse des Projekts dienen nicht nur der Ernährung der Welt sondern könnten auch zu frischen Lebensmitteln auf der ISS führen.

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