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„keine traurig dreinschauende Typen“: Rikas im bonnFM-Interview
Bild: bonnFM

„keine traurig dreinschauende Typen“: Rikas im bonnFM-Interview

bonnFM: Wir haben eben schon Tortellini Tuesday zusammen gehört und ich würde euch gerne mal fragen was es mit dem Titel auf sich hat. Warum Tortellini Tuesday? Was ist ein Tortellini Tuesday?

Sascha: Der Song ist damals entstanden – Ich glaube, es ist schon fast drei Jahre her. Als wir zum Songs schreiben an den Gardasee nach Italien gefahren sind. Wir haben da auch nicht nur Songs zusammen geschrieben sondern haben auf unser einsamen Hütte auch sehr viel zusammen gekocht und es gab eben auch viel Pasta. Ich glaube, das war so die erste Initialzündung und der Text behandelt eigentlich das Thema der Einsamkeit. Als es an die Lyrics ging, hat sich Sam von seinen einsamen Tagen zu Hause inspirieren lassen und da war Tortellini dann letztendlich das Gericht was er am meisten gekocht hat, weil es halt so super schnell geht. Der Tortellini Tuesday war sein einsamer Tag so ein bisschen.

bonnFM: Dafür klingt das Lied aber ziemlich fröhlich.

Sascha: Korrekt, richtig! Wir versuchen dann immer die negativen Emotionen gemeinsam zu filtern und ins Positive überlaufen zu lassen. Das ist auch so ein bisschen der Ursprung unserer Musik.

bonnFM: Eure Musik ist sowieso immer mehr fröhlich als traurig. Habt ihr eine Erklärung, warum das so ist?

Sascha: Wir sind alles keine traurig dreinschauende Typen, die von Herzschmerz singen. Wir fühlen das zwar auch, aber ich glaube durch unsere Dynamik in der Gruppe und das von dem unsere Freundschaft lebt und unser Schaffen ist halt irgendwie das Positive. Wenn wir ein Problem haben, dann wird das letztendlich zu einer langen Diskussion, aber am Ende lachen wir immer. Und das ist wie so ne Therapie in unserer Freundschaft. Ich glaube, wir haben Schwierigkeiten in unseren Leben aber die werden dann halt ins Positive umgewandelt.

Ferdinand: Da ist Tortellini Tuesday auch kein schlechtes Beispiel für, glaube ich.

bonnFM: Ihr habt gerade erzählt, dass ihr zusammen in Italien wart, als der Song entstanden ist. Ihr seid ja auch zusammen durch die Gegend gereist als Band. Sind da viele Songs entstanden, oder sind sie schon vorher entstanden?

Ferdinand: Du meinst jetzt das Interrail? Ich glaube, da sind kaum Songs entstanden. Wir haben da hauptsächlich Covers gespielt und uns auch sehr viel auf der Tour angeeignet. Wir haben aber auch viele Songs von uns gespielt die aber auch davor schon existiert haben.

Sascha: Ich glaube, wir sind keine Reiseschreiber. Die Reise inspiriert, aber die Erlebnisse werden dann Zuhause erst verarbeitet und dann erst in Songs gepackt.

bonnFM: Vor der Reise habt ihr aber auch schon Musik gemacht. Ihr kennt euch schon ziemlich lange. Wie lange eigentlich genau?

Ferdinand: Ewig.

Sascha: Ich glaube, wir haben Ende letzten Jahres 10 jähriges Jubiläum gefeiert.

bonnFM: Ich würde gerne weiter mit euch über Namen reden, weil ich das so interessant ​finde bei euch. Wir haben eben schon über Tortellini Tuesday geredet aber deswegen seid ihr ja nicht hier. Ihr habt jetzt eure erste LP raus gebracht und da sind mir auch ein paar Namen ins Auge gestochen und zwar Venice und New York. Beides Städtenamen. Gibts da ne connection zu den beiden Städten?

Sascha: Ja, ich glaube das greift so ein bisschen an das was du schon angesprochen hast. Einfach diese Rastlosigkeit. Dieses ständige unterwegs sein haben wir dann auch in Songs verarbeitet. Oft ist es auch nicht, dass wir da gewesen sind sondern auch die Sehnsucht, noch irgendwie an einen Ort zu reisen. Deswegen haben wir auch Songs auf dem Album nach Orten benannt, weil die schon ein Gefühl vermitteln. Wenn man den Namen liest, hat man direkt ganz viele Bilder im Kopf und kann sich schon vorstellen wie der Song eventuell klingen könnte und das fanden wir spannend bei den zwei Nummern.

bonnFM: Und noch eine weitere Nummer, bei der ich mich gefragt habe, was es damit auf sich hat ist „Detestable“. Ihr singt sogar auf französisch, also wo kommt das Francophone her?

Ferdinand: Den Song hat Chrissi geschrieben. Der hat gemeint, dass er unbedingt in seinem Leben einen französischen Song schreiben muss. Er selber behauptet sein französisch sei nicht all zu gut, aber ich persönlich kann gar kein Französisch. Ich glaube die Ursprungsidee kam von einer Sängerin, die davon gesungen hat, dass der Sommer zu Ende geht. Auf eine sehr melancholische Art und Weise. Und davon hat er sich glaube ich inspirieren lassen. Was aber die grundsätzliche Story zu dem Song ist, kann Sascha gerne fortführen.

Sascha: Im Prinzip handelt der Song auch vom Reisen. Diesmal war‘s ein Urlaub. Eine Geschichte, die Chrissi und ich zusammen erlebt haben. Wir haben eine verstorbene Frau im Wasser gefunden und noch versucht sie wiederzubeleben. Das behandelt der Song so ein bisschen. Diese Szenerie am Strand – ein wunderschöner Ort und alle haben irgendwie Spaß und dann passiert da so ein Unglück. Das war so ein bisschen ungreifbar und genau das behandelt der Song. Das hat dann auch irgendwie gepasst, dass auf einer anderen Sprache zu performen, weil es dort entstanden ist. Wir wollten uns auch auf dem neuen Album nicht so viele Grenzen setzen. Wir wollten bewusst solche Grenzen überschreiten. Auch bei Tortellini Tuesday haben wir ja einen Italienischen Zwischenteil auch, wenn man den vielleicht nicht ganz so versteht. Das war immer unser Ziel da auch irgendwie mehr draus zu machen und so nen Globalen Vibe den wir eh haben.

bonnFM: Ich habe bei euch sowieso ein bisschen das Gefühl, dass ihr es mögt mit Konventionen zu brechen. Normalerweise haben Bands einen Frontmann der meistens auch singt. Ihr wechselt euch gerne ab mit dem Gesang und singt auch oft Harmonien zusammen. Das gibt dem ganzen irgendwie einen Twist. Habt ihr euch bewusst dazu entschieden, oder ist das aus der Gruppendynamik heraus entstanden?

Ferdinand: Beides würde ich sagen. Wir haben uns sehr wohl bewusst dafür entschieden, aber es ist auch entstanden durch eine gewisse Dynamik. Durch die Straßenmusik, musste man irgendwie lernen sich durchzusetzen, gesanglich vor allem mit Lautstärkepegel in der Fußgängerzone. Und da war Mehrstimmigkeit eben so die Lösung. Da hatten wir auch schon immer großen Spaß dran. Eigentlich schon immer. Wir sind alle große Beatles Fans und dann haben wir gesagt, wir üben das. Jetzt sind wir ein Stück weiter und geben uns größte Mühe das weiterhin zu tun.

bonnFM: Ich habe im Vorfeld ein paar Leuten erzählt, dass ich ein Interview mit euch mache. Viele kannten euch auch. Denen die, die euch nicht kannten, habe ich Lieder von ​euch gezeigt. Und als ich gesagt habe, dass ihr aus Deutschland, beziehungsweise Stuttgart kommt, waren viele sehr überrascht. Und diese Reaktion habe ich sehr oft bekommen. Habt ihr eine Erklärung dafür oder habt ihr diese Reaktion auch schon so wahrgenommen?

Sascha: Das haben wir schon gehört und das ehrt uns auch in gewisser Weise. Gleichzeitig haben wir aber auch nicht bewusst gesagt, wir wollen unsere Heimat oder Herkunft verschleiern. Das kommt glaube ich auch aus der Gruppendynamik heraus und wir entscheiden uns nicht bewusst dazu. Aber man denkt dann im Nachhinein, wenn sich etwas irgendwie gefestigt hat schon drüber nach und dann kann man immer noch Entscheidungen treffen. Wir fanden so, wie sich das bei uns entwickelt hat auch alles eigentlich sehr gut. Mit der Mehrstimmigkeit, mit dem verschiedene Sänger haben und eben auch die Art und Weise, wie wir uns präsentieren, die vielleicht untypisch ist für den deutschen Markt. Das ist vielleicht auch nicht so greifbar, aber das ist so wie wir sind und man würde sich verbiegen, wenn man das verändert.

bonnFM: Man hört bei euch auch gar keinen Akzent raus. Habt ihr auch im Ausland gelebt?

Sascha: Sam ist zum Beispiel halb Amerikaner. Wir haben Familie im Ausland, aber selber im Ausland haben wir nicht gewohnt. Ich glaube, aber auch das ist eine Generationen- Sache. Wir nehmen die Welt so auf wie sie ist und wie sie sich entwickelt und ich würde behaupten, dass es hier mittlerweile sehr viele Menschen gibt, die akzentfrei Englisch sprechen. Das ist ja auch was wunderschönes, wenn so Grenzen durchbrochen werden und man nicht gleich eine Herkunft erraten kann.

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