Carolin Kebekus im Kulturgarten 2021 – Zwischen Sugaring, Feminismus und #MeToo
Bild: bonnFM

Carolin Kebekus im Kulturgarten 2021 – Zwischen Sugaring, Feminismus und #MeToo

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Wenn Carolin Kebekus die Bühne betritt, stehen nicht nur Witze über Haarentfernung und Dating, sondern auch Feminismus und klare Positionierungen auf dem Programm.

Am Samstag den 24. Juli präsentierte sie all das dem Bonner Publikum im Kulturgarten. Hier spielte sie ihre Show unter dem Titel „Pussy Nation“, so heißt der Fantasiestaat in welchem ihre Zuschauer*innen an diesem Abend eingebürgert worden sind. Das Grundgesetz dort erklärt  „besorgten“ Bürger mit rechtem Gedankengut wo die Ausgänge sind und lädt alle Menschen egal welcher Herkunft, Hautfarbe und Geschlecht ein – auch Männer.

Mit Geschichten über ihr Dating Leben und Sugaring stieg Kebekus in die Show ein. Das sorgte zwar für Lacher, aber so richtig explodieren wollte die Stimmung nicht. Dies änderte sich schlagartig, als sie thematisch umschwenkte. Von Haarentfernung zu #MeToo – das scheint auf den ersten Blick nicht so naheliegend zu sein, aber genau darin liegt der Erfolg von Carolin Kebekus. Den Spagat zwischen Feminismus, Furzen und Jesus schaffte sie auch im Kulturgarten perfekt.

 „Bonn, war das jetzt zu sexuell?“

Mit diesen Worten sprach sie das leicht pikierte Publikum an und erzählte, wie ihr immer wieder vorgeworfen wird, zu sexuelle Inhalte zu haben und wie sie immer wieder gefragt wird, ob das nicht mit ihrem Kampf für Gleichberechtigung kollidiere. Eine Frage, die Kebekus nicht nachvollziehen kann – und ihr Publikum wohl auch nicht. „Bei #MeToo ging es nie um Sex“ war wohl der Satz, welcher am meisten Applaus bekam und die Stimmung auf den Höhepunkt brachte. Es schien so, als hätten die Zuschauer*innen nur darauf gewartet, dass es endlich politisch wird. Das Thema Gleichberechtigung zog sich durch die gesamte Show ohne eintönig zu werden. „Am Witzigsten waren einfach die Sachen, die wahr waren“, so eine Zuschauerin nach der Show.

„Kann ich hier sterben?“

Carolin Kebekus hält keine mahnenden Reden über Selbstliebe á la „jeder Körper ist schön“, sie stellt sich so nah wie möglich an den Bühnenrand, vor die Kamera, deren Bild live auf zwei riesige Monitore übertragen wird und winkt mit ihrem Oberarm hinein. Sie macht klar, ein nicht perfekter, straffer Oberarm ist normal und nichts, wofür man andere verurteilt. Das Bonner Publikum wirkte wieder leicht pikiert, als es dann um Menstruation ging, aber genau das ist der Trick. Warum ist ein Publikum, das zum Großteil aus menstruierenden Personen besteht, beschämt, wenn Kebekus ihre Geschichten zur Periode teilt? Beiträge wie dieser Comedy-Auftritt tragen zur Normalisierung solcher Themen bei.

„Ihr alle könnt Germanys next Topmodel werden“

 Warum ist es so schwierig, Zugang zu Themen wie Gleichberechtigung und Feminismus zu finden? Klar, ein Mentruations-Witz löst nicht alle Probleme, aber veranschaulicht eines davon ganz gut. Laut Kebekus ist es ein gesellschaftliches Problem, dass Frauen schon im Kindergarten gesagt bekommen: Es kann nur eine geben. Sei es Maria beim Krippenspiel oder Schlumpfine. „Was kann die gut? Ja nix, die ist halt ein Mädchen“, so äußerte sie sich auch im Podcast „Deutschland 3000“ von funk. Auf Instagram kommt das gut an, aber auch hier gibt es Kommentare wie: „Haben wir nicht andere Probleme?“ und „Müssen wir überall Sexismus suchen?“. Carolin Kebekus geht am Samstag nicht nur mit dem Appell an ihre weiblichen Zuschauerinnen raus, sich gegenseitig zu unterstützen, sondern macht auch klar, ja das ist ein reales Problem. Denn solange es in Comedy Shows mit mehreren Künstler*innen nur die eine Quotenfrau gibt, wird sich nichts ändern.

Dass diesen Worten auch Taten folgen, zeigt „Ring am Rock“. Diese Konzertveranstaltung organisiert Kebekus für den Frühling nächsten Jahres als Antwort auf das ausnahmslos männliche Line Up für Rock am Ring 2022.