Musikalischer Münsterplatz –               das open piano for refugees
bild: Konstantin Kopenhagen

Musikalischer Münsterplatz – das open piano for refugees

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Wir haben uns mit dem leidenschaftlichen Pianisten Konstantin Kopenhagen getroffen, Mitarbeiter des Bonner Open Piano´s . Er erzählt uns, warum Musik und Integration Synonyme sind, wie das Open Piano Geflüchteten hilft und warum der Münsterplatz die perfekte Kulisse für den majestätischen Flügel ist. Hier könnt ihr mehr über das Projekt lesen oder in das Interview reinhören.

Zum Projekt

Konstantin Kopenhagen: Vor vier Jahren gründete ein Team in Wien die “Piano School for Refugees“, in der knapp 20 Geflüchtete kostenlos Klavier lernen, später auch den Unterricht betreuen konnten. Die Schule bekam schnell Rückenwind und so entstand das heutige soziale Musik Institut DoReMi. Hier erlernen Geflüchtete und sozial benachteiligte im Paarunterricht mit Einkommensstärkeren eine Vielzahl von Instrumenten und Gesang. Statt wie bei einer normalen Musikschule wird hier auf das Konzept „Zahl so viel du kannst“  gebaut. Dabei geht es nicht nur um die musikalische Förderung sondern auch um die Integration gerade von Geflüchteten. Durch den Unterricht werden sie Teil einer Gesellschaft, Kultur und Sprache.

Die Lehrer des Projekts werden durch das „Open piano for refugees“ finanziert, eine Aktion bei der Spenden für die Musikschule gesammelt werden. Open piano for refugees hat es mittlerweile auch nach Deutschland geschafft und erfreute unsere Stadt letztes Wochenende zum fünften Mal in diesem Jahr mit einem musikalischem Wochenende.

Was macht das Projekt Open Piano for refugees aus?

Kopenhagen: Wie das Open Piano schon im Namen beinhaltet, es ist ein offenes Klavier, jeder kann daran spielen. So bleibt es auch immer interessant weil man nicht weiß, wer sich ans Klavier setzt. Es sind alle Level vertreten: Vollprofis, Anfänger oder auch Kinder die einfach fasziniert gucken, was der Flügel so macht. Derzeit sind wir damit in Bonn, Düsseldorf und Stuttgart unterwegs.

Wie stehst du selbst zu dem Projekt?

Kopenhagen: Ich hänge selber persönlich sehr daran, weil ich auch aus einer finanziell schwächeren familiären Umgebung komme. Daher ist mir die Situation sehr bekannt, dass man sich keinen Musikunterricht leisten kann. Es ist schon echt ätzend, wenn man da von der Gesellschaft abgehängt wird und man weiß, alle meine Freunde können sich das leisten. Deswegen ist das Projekt auch super wichtig.

Wie tragend ist die Rolle der Musik bei dem Integrationsprojekt?

Kopenhagen: Ich sage immer: Musik ist eine universelle Sprache die über Grenzen hinweg wirkt und Menschen verbindet egal welcher Herkunft, egal welchen Glaubens. Deswegen ist das eine sehr wertvolle Sache an der wir festalten müssen und an der wir immer arbeiten wollten – die Musik an die Menschen zu bringen

War es für euch während Corona schwieriger, das Projekt umzusetzen?

Kopenhagen: Das ist zum Glück weiterhin unkompliziert geblieben. Ich persönlich finde es sogar eigentlich recht praktisch, dass jetzt um den Flügel eine Abstandslinie ist. Es gab immer mal Leute, die in den Flügel gegriffen haben oder Kinder die dran rumklettern wollten. So ist das jetzt vor allem auch für die Musiker entspannt. Eigentlich soll man ja keine Distanz schaffen zum Instrument und zu den Menschen aber… ich hab die Erfahrung gemacht, dass die Leute sich jetzt viel besser konzentrieren können. In diesem Jahr habe ich außerdem gemerkt, dass die Menschen es regelrecht aufsaugen wenn jemand spielt. Man merkt, dass die Leute auf Kulturentzug sind, sie brauchen das gerade einfach. Das hab ich noch nie so krass gesehen. Sie sind einfach happy drüber sind, dass endlich wieder Kultur Einzug in die Stadt erhält.  

Wie gefällt dir das Projekt hier in Bonn. Hat der Münsterplatz für dich einen besonderen Charme?

Kopenhagen: Beim Münster ist einfach diese wunderschöne Altstadtatmosphäre, der Flügel steht quasi nur 20 Meter vom Beethoven-Denkmal weg. Das ist schon echt ein Gänsehautfeeling wenn man am Flügel sitzt mit Blick auf das Denkmal, was ja praktisch das Monument von Bonn ist. Da hat man ein bisschen Ehrfurcht. Eine schöne Kulisse, tolle Menschen- besser könnte es gar nicht sein.

Für dieses Jahr gibt es kein Open Piano mehr – erst im nächstes Jahr. Was wünschst du dir dann von Bonner*innen ?

Kopenhagen: Vorbeikommen- zahlreich! Ich freu mich immer, wenn irgendwer irgendwas spielt, auf welchem Level man unterwegs ist mir vollkommen egal. Hauptsache es spielt jemand. Es gibt viele, die trauen sich nicht und das ist sehr schade. Ich kann jedem nur sagen, sammelt die Erfahrung vor Leuten zu spielen das ist unfassbar wertvoll für euch selbst aber auch für die musikalische Entwicklung. Und letztendlich tut man auch etwas Gutes  bei der Sache deswegen kann ich nur dazu raten: Nehmt dran teil oder hört einfach zu. Wir freuen uns auf euch!

Auch das Musikinstitut DoReMi wird es in naher Zukunft außerhalb von Wien geben. Derzeit wird geplant, eine Schule in Deutschland einzurichten. Wir halten euch bei diesem Musikalischen Projekt auf dem Laufenden.