Eckart von Hirschhausen: „Endlich!“ – Familienfest in der Oper

Am Montag fand die Premiere von Eckart von Hirschhausens neuem Pogramm „Endlich!“ statt. Der Mediziner klärte die Frage nach einem möglichst langen Leben und warum Anti-Aging-Cremes Quatsch sind, weil nicht einmal die Hersteller verstehen, was drauf steht. bonnFM war für Euch dabei!

Als ich am Montagabend mit dem Fahrrad über die Rheinpromenade zur Premiere von Eckart von Hirschhausens neuem Programm „Endlich!“ zur Oper fuhr, sah ich schon die Schlange teurer Wagen, die ins Parkhaus unter der Oper einbiegen wollten. Im Eingangsbereich dann das entsprechend übliche ältere und elegante Opernpublikum. Aber kaum stieg ich die Treppen ins Foyer empor, kam eine ganz andere Atmosphäre zu Tage: Clowns mit roten Nasen, ein Merch-Stand, an dem es rote „Ich mag dein Lachen“-Shirts zu kaufen gab, zwischen Medizinstudenten, die sich für Organspendeausweise stark machten. Es wirkte eher wie ein Jahrmarkt. Darin einfügen durften sich die ungeputzten Baustellenlook-Wände am anderen Ende des Raumes. Kontraste pur – in der Oper

Eine unglaublich vielfältige Atmosphäre…

Das Publikum war allerdings nicht so alt, wie es zunächst aussah. Gut, der älteste Zuschauer war 90 Jahre, aber ihm gegenüber standen zwei zwölfjährige Jugendliche. Die Hälfte war an diesem Abend das erste Mal in der Oper. Von der jung gebliebenen Oma, über den engagierten Krankenhausclown, bis zum 16-Jährigen, der ein Autogramm auf die Stirn wollte, waren alle Altersstufen und Menschentypen vertreten. Ebenso vielfältig, wie sein Publikum, war Eckart von Hirschhausens Bühnenbild und seine Show. Zentral stand ein schwarzer Flügel vor dem wunderschönen Ausblick über das Siebengebirge und Rheintal. Ein antikes Schaukelpferd neben einem Ohrensessel aus Leder. Eine alte Standuhr, ein Skelett, eine Klangschale und eine Tasse Kaffee. Alles, was in einem Wohnzimmer nicht fehlen darf.

…und ein umso vielfältigeres Programm…

Auf die Bühne kam Eckart von Hirschhausen nach einem kurzen Einspieler, in dem Passanten mit leichtem Fragezeichen in der Stimme verrieten, was sie von diesem „in die Jahre gekommenen Komiker“ wussten. Er wurde dieses Jahr nämlich 50 Jahre alt, was auch der Aufhänger als Thema seines neuen Programms ist. Begrüßt hat er sein Publikum dann allerdings in jugendlicher Felix-Lobrecht-Manier als „lebenshungrige Halodris“. Das waren in diesem Moment keine Gegensätze, vielmehr eine Gesamtkomposition zu der sich alles zusammenfügte. Für jeden hatte Eckart einen Lacher parat. Jeder war an diesem Abend sein Gast. Gewohnt wissenschaftlich fundiert erklärte er zeitliche Phänomene mit Witz und Zaubertricks. Während er sein Geheimnis zum Altwerden und Jungbleiben vorstellt, bittet er seinen – wirklich guten! – Pianisten Christoph Reuter auf die Bühne, damit er seinen Vortrag musikalisch untermalen und den ein oder anderen Sidegag einstreuen konnte. Sein Rezept zum Altwerden lässt sich in fünf Punkte unterteilen: Nicht rauchen, bewegen, Gemüse, Erwachsen werden, Kind bleiben. Ohne mahnenden Zeigefinger schafft er es mit gewitztem Charme, jedem diese Umstände für ein langes Leben anzubieten. Dass ihm sein Publikum wirklich wichtig ist, spiegelte sich auch in seinen zahlreichen Interaktionen wieder – sei es das gemeinsame Karaoke singen mit Hits von ABBA und den Beatles oder die Frage nach den Herzenswünschen seiner Gäste.

…kreieren einen besonderen Abend für die Menschen.

Die besondere Mischung Eckart von Hirschhausens, Arzt und Kabarettist zu sein, ermöglichte ihm jeden abzuholen. Dass er einem nichts vorspielt und seine lebensbejahende Art ernst ist, merkte man ihm besonders an, als er sein Projekt „Humor hilft heilen“ vorstellte. Damit unterstützt er ebenjene Clowns aus dem Foyer, die in Krankenhäuser gehen, um vor allem Kindern eine Freude zu machen. Die unglaublich vielfältige Bühne verwandelte sich zeitweise in den Himmel oder der ganze Saal in einen Kindergeburtstag, als es bunte Luftballons vom Himmel regnete. Enden ließ er seine Show als Geschichtenonkel am offenen Feuer, der den Abend in Form einer Geschichte Revue passieren lässt. Man merkt, Eckart von Hirschhausen braucht die großen Bühnen, aber viel mehr noch ist er aus tiefster Überzeugung Humanist, der jedem Menschen nur das Beste wünscht und ihm die Hilfestellung geben will, das Lebenswerte in jedem Moment seines Lebens zu finden. Eben herauszufinden, dass endlich lebt, wer endlich lebt. Mit einem Lächeln verließ ich die Oper, in dem Gefühl einen Abend mit alten Bekannten verbracht zu haben. Den Spaß im Moment zu genießen, weil alles eben einmal endet, ist vielleicht das wahre Rezept fürs Altern.