Kathrin Weßling über ihr neues Buch, Toxic Masculinity und das Leben auf dem Land
bild: bonnFM

Kathrin Weßling über ihr neues Buch, Toxic Masculinity und das Leben auf dem Land

Lesezeit: 3 Minuten

Kathrin Weßling hat bei 1Live Stories ihren neuen Roman “Nix passiert” vorgestellt. Wir waren dabei und haben mit ihr über ihr neues Buch und toxische Männlichkeit geredet.

An Kathrin Weßling kommt man im Internet nur schwer vorbei. Auf Instagram und Twitter hat sie jeweils über 17 Tausend Follower und ist dort nicht nur unfassbar witzig, sondern spricht auch offen über ihr ADHS und Depressionen. Nun hat sie ihr fünftes Buch veröffentlicht.

Die Handlung

Alex‘ Herz wurde gebrochen und so flieht er vor seiner Ex und dem lauten Berlin in sein Heimatdorf, zurück zu seinen Eltern. Auf den ersten Blick ist dort in den Jahren, in denen er weg war, nix passiert. Dorfidylle eben. Alex fragt sich, ob das Leben nicht auf dem Land viel einfacher ist. Doch schnell merkt er, dass man nicht vor sich selbst weglaufen kann und Probleme einem leider überall hin folgen.  

Der Schreibstil

Kathrin Weßlings Schreibstil ist direkt und radikal. Der Roman macht sich frei von Kitsch und pathetischem Gesülze und schafft es trotzdem – oder vielleicht auch gerade deswegen – den*die Leser*in tief zu berühren. Kleine Kostprobe gefällig? „Du hast mir das Herz nicht gebrochen, nein, das wäre dir ja zu wenig, das ist nicht doll genug, nicht krass genug, da muss die Faust her, mit der Faust hast du reingeschlagen, mitten rein, denn nur, was zertrümmert wird, zerschlagen und vernichtet, ist erledigt für dich“. So fängt der Roman an und so geht er auch weiter: Weßling erlaubt dem*der Leser*in einen völlig ehrlichen und unverblümten Einblick in die Gedanken ihres Protagonisten und ist dabei so direkt, dass man sich gleich mit Alex verbunden fühlt.

Zuhause ist es am Schönsten – oder? 

Alex rettet sich aufs Land und merkt schnell: hier läuft irgendwie alles anders als in Berlin. Während er in der Großstadt von einem Tag in den nächsten hetzt, immer voller Angst irgendwo etwas zu verpassen, passiert auf dem Land erstmal gar nichts. Und das ist irgendwo gut und entspannend. Alex hinterfragt sein Leben in der Großstadt, den Lärm, den Dreck und ob ihn das alles überhaupt glücklich macht. „Nix passiert“ trifft damit den Nerv einer Generation, die möglichst schnell nach der Schule weit weg in die große Stadt will und nur mit überheblicher Ironie auf das zurückbleibende Dorf blickt, wo es keine veganen Cafés, keine hippen Bars und eigentlich überhaupt nichts gibt. „Lange Zeit habe ich sehr arrogant auf die Kleinstadt geguckt“, gibt Kathrin Weßling zu. „Ich bin dann an Weihnachten zurückgefahren und habe immer voll den Auftritt hingelegt. Ich dachte, es ist voll geil, diese Großstadtattitüde zu haben. Und mittlerweile sehe ich das alles komplett anders“.

Zwischen den Zeilen

Liebeskummer tut weh, und zwar so richtig – das spürt auch Alex. Er weint viel, redet mit seinen Eltern und Freunden über seine Gefühle und macht Yoga, um irgendwie mit dem Chaos in seinem Kopf zurecht zu kommen. Eine Rezensentin der ZEIT kritisiert, dass dieses Verhalten zu „unmännlich“ sei und man Alex nicht abkaufe, ein echter Mann zu sein. Kathrin Weßling macht diese Kritik wütend: „Ich habe das mit Absicht gemacht, dass ich einen männlichen Protagonisten genommen habe. Weil es mir genau um Sachen wie Toxic Masculinity ging. Es kann doch nicht sein, dass ich etwas um den Protagonisten rumkonstruieren muss, weil er einen Penis hat“. Im gesamten Schreibprozess war toxische Männlichkeit für sie immer wieder ein Thema. Und so haben alle männlichen Charaktere in „Nix passiert“ Züge, die auf den ersten Blick eben nicht typisch männlich wirken. Dem gegenüber stehen Frauenfiguren wie Alex‘ Exfreundin, deren Verhalten an einen klassischen Macho-Typen erinnert.

„Nix passiert“ ist ein Buch für…

Menschen, die selbst vom Land in die Stadt gezogen sind und sich fragen, wo eigentlich ihr zuhause ist. Oder für Leute, die gerade Liebeskummer haben. Oder für jeden zwischen 18 und 29. Kathrin Weßling ist schon lange kein Geheimtipp mehr und das zu Recht.

Kathrin Weßling: „Nix Passiert“. Erschienen im Ullstein Verlag, 18€.

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