You are currently viewing „Nachtasyl“ – Existenzkämpfe auf der Bühne der Brotfabrik
Bild: Herand Müller-Scholtes

„Nachtasyl“ – Existenzkämpfe auf der Bühne der Brotfabrik

Lesezeit: 3 Minuten

Kleinkriminelle, Ex-Sträflinge, Prostituierte, Säufer*innen und Schläger*innen – auf der Bühne der Brotfabrik ist richtig was los! Vom 14.09. bis zum 17.09. führt die Dauertheatersendung dort das Stück „Nachtasyl“ von Maxim Gorki auf und eröffnet damit die neue Spielzeit. Es ist ein dunkel-philosophisches Meisterwerk über den Menschen ganz unten. Es entführt in menschliche Abgründe und führt uns vor Augen, dass für viele Menschen ihre Existenz Not und Kampf bedeutet und Hoffnung oft nur sehr schwer zu finden ist.

Über das Stück – Die letzte Zuflucht, aber kein Ausweg

„Hier gibt‘s keine Herren…Die Hüllen sind abgefallen, nur der nackte Mensch ist übrig“. In Gorkis „Nachtasyl“ treffen echte Menschen und gescheiterte Existenzen aufeinander. Verlorene und Gescheiterte – alle fragen sich, wo ihr Platz in der Welt ist und worin der Sinn des Ganzen liegt. 

Als die Pilgerin Luka (gespielt von Sophia Stärk) im Nachtasyl bei Kostyljow (gespielt von Tamer Afifi) unter diesen Elenden auftaucht, flackert die Möglichkeit eines anderen Lebens auf. Aber auch das erweist sich in dieser so pessimistischen wie ergreifenden Dichtung als Trugschluss. Im Mittelpunkt des Theaterstücks steht nicht die*der einzelne Held*in, sondern die Gruppe und damit die Schicksale aller.

Bild: Herand Müller-Scholtes

Über die Dauertheatersendung

Bild: Xenia Zoller

Dieser Gruppenzusammenhalt ist auch im Ensemble der Dauertheatersendung zu spüren und die Schauspieler*innen sind eine dementsprechend bunt gemischte Truppe. Viele arbeiten hauptberuflich nicht am Theater, sondern in vollkommen anderen Bereichen. Von der Lehrerin bis zum Landschaftsgärtner, vom Studi zur professionellen Schauspielerin – alle stehen gemeinsam auf der Bühne und spielen die großen Stücke.

Das Besondere an der gemeinsamen Arbeit ist die tiefgängige Auseinandersetzung mit dem Text. Hier werden keine Theaterspiele geprobt, sondern es wird sich dem inhaltlichen Kern des Spiels genähert, um so ein vertieftes Textverständnis zu schaffen. Das ist vielleicht nicht für jede*n was, aber Regisseurin Xenia Zoller besonders wichtig. Sie hat hier in Bonn Vergleichende Literaturwissenschaft und Komparatistik studiert und weiß daher, worauf es bei den Texten und der Darstellung ankommt.

Trotz der textgetreuen Aufführung ist ein Detail besonders hervorzuheben: Männlich gelesene Rollen des Originaltextes besetzt Xenia einfach mit starken Frauen (Susanna Matthes als BubnowA und Rebecca Hirschler als SchauspielerIN). Außerdem ist es bemerkenswert, wie es dem Ensemble gelingt, regelmäßig zusammenkommen, da die Darsteller*innen hauptberuflich nicht am Theater tätig sind.

Corona machte einen Strich durch die Rechnung

Eigentlich sollte „Nachtasyl“ schon im März in der Brotfabrik laufen, doch durch einen Ausbruch des Corona-Virus unter den Schauspieler*innen, musste die Aufführung verschoben werden. Ausgerechnet bei der Generalprobe wurden mehrere Fälle in der Gruppe festgestellt, was schlussendlich zu einer vorübergehenden Absage der Aufführungen führte. Die Dauertheatersendung hat sich dennoch nicht unterkriegen lassen und blieb weiter auf Sendung – und der Aufwand hat sich gelohnt! Und so steht nach intensiven Proben inklusive einiger Neubesetzungen vier erfolgreichen Aufführungen nichts mehr im Wege.

Anschauen und Mitmachen

Wenn ihr das „Nachtasyl“ nun auch sehen wollt oder sogar schon seit März auf die Premiere wartet, dann habt ihr in den nächsten Tagen die Gelegenheit dazu! Vom 14.09. bis zum 17.09. entführt die Dauertheatersendung das Publikum in der Brotfabrik in menschliche Abgründe. 

Karten gibt es für Studierende ab 10 € über www.bonn-ticket.de oder Restkarten für 3 € an der Abendkasse. 

Traditionell wird am Dernièrenabend, also dem 17.09., außerdem das nächste Stück der Dauertheatersendung verkündet. Die Castings dafür finden dann Ende Oktober statt und alle Interessierten sind herzlich dazu eingeladen. Weitere Infos zu der Dauertheatersendung gibt es auf dem Instagram-Kanal: https://instagram.com/dauertheatersendung

Wann? 14.09. – 17.09.22; jeweils 20:00 Uhr
Wo? Brotfabrik Bühne Bonn, Beuel
Kosten? ab 10 € für Studierende / Abendkasse 3 € mit Kulturticket