Von Pantoffeltierchen und Gesichtserkennung – Science Slam im Pantheon
v.l.n.r.: Andreas Schneider, Rainer Holl, Julia Budei, Marcel Meier, Verena Romoth, Jana Salik und David Spencer © Sebastian Diez

Von Pantoffeltierchen und Gesichtserkennung – Science Slam im Pantheon

Warum der Mops schlecht atmen kann, wie Siri uns zuhört und was eigentlich aus der Ice-Bucket-Challenge geworden ist. All das wurde beim Science Slam im Pantheon erklärt. Science Slam – das ist Poetry Slam mit Studienabschluss.

Viele Fahrräder standen am Dienstagabend vorm Pantheon – viel mehr als sonst und viel weniger Autos. Warum? Weil die Studierenden zum Science Slam strömten, auch der ein oder andere Professor gesellte sich unter sie. Statt Kabarett gab es also Wissenschaft. Aber nicht so langatmig wie in der Vorlesung mit Fachbegriffen und Klausurrelevanz, sondern von jungen Wissenschaftlern mit Begeisterung und Memes. Denn die jungen Wilden wurden aus ihren Labor-Kellern gelassen, um den Horizont der Zuschauer zu erweitern und ihre Forschung in kleinen Häppchen zu verteilen.

Science Slam – How To

Darum geht es beim Science Slam: Seine eigene Forschung vorstellen und dabei das Publikum begeistern. Es ist alles erlaubt: Bilder, Videos, Experimente – sogar Karaoke, solange man bei niemandem einen Tinnitus auslöst. Im Pantheon sind sechs Slammer angetreten, die von Jura bis Bio das wissenschaftliche Spektrum abdeckten. Jeder hat genau zehn Minuten Zeit, um das Publikum von sich und seiner Forschung zu überzeugen. Am Ende stimmt dann das Publikum mit Applaus darüber ab, wer gewonnen hat, und sich mit goldenen Boxhandschuhen schmücken darf. Unterhaltsam und ein bisschen lehrreich muss der Vortrag deshalb sein.

Der Gast hat das Wort

Da der Abend keine wissenschaftliche Konferenz werden sollte, gab es dann auch noch einen Moderator, in diesem Fall war es der Poetry Slammer Rainer Holl. Aussehend wie ein Moritz-Neumeyer-Double tigerte er über die Bühne und versuchte jeden noch so schlechten Witz aufzuheben, um ein bisschen Zeit rumzukriegen. Was er allerdings ziemlich gut kann, ist mit dem Publikum zu interagieren und Freiwillige zu finden, die die Zeit stoppen oder die Reihenfolge auslosen – vielleicht war ein WissenschaftlerInnen-Quartett als Dankeschön da zusätzlich hilfreich.

Den Anfang machte Verena Romoth. Sie ist Deutsch-Lehrerin und sprach über Komposita, also Wörter, die aus mehreren Teilwörtern bestehen. Dazu hat sie Kinderbilder mitgebracht und das Publikum raten lassen, was die wohl gemalt haben. Die Interpretationen der Kinder von Augenweide, Ohrensessel und Pantoffeltierchen kamen super an.

Die Ice-Bucket-Challenge und ihre Ninja

Andreas Schneider hingegen ist gelernter Biochemiker und forschte an der Krankheit Amyotrophe Lateralsklerose – kurz ALS. Genau die von der Ice-Bucket-Challenge vor ein paar Jahren, bei der sich Leute einen Eimer Wasser übergekippt und für Forschung an ALS gespendet haben. Er hat dazu an Super-Krass-Heftigen-Ninja-Tunneln – auch Connexonen genannt – geforscht und festgestellt, dass sie für die Krankheit von Bedeutung sind.

Bei Julia Budeis Slam hingegen ging es vor allem um Steine. Die Archäologin hat ein Heiligtum, das die die Römer und Kelten in Frankreich gemeinsam gebaut haben, untersucht.

Wie kann Siri uns verstehen?

Der Physiker Marcel Meier hat erklärt wie eine Gesichts- und Spracherkennung funktioniert. Dahinter steckt künstliche Intelligenz – genau das Ding, das einmal die Welt übernimmt. Aber gebaut wurde das nach dem Plan unseres Gehirns und mit genug Übung und immer wieder neuen Beispielbilder, kann ein Computer lernen Gesichter zu erkennen.

Jana Salik wiederum studiert Jura und kennt sich mit Anti-Diskriminierungsgesetzen aus. Sie wusste was hinter dem komplizierten Namen Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz steht.

Und was ist jetzt mit dem Mops?

Der Mops ist vom Menschen, so wie er ist, gezüchtet worden und atmet deshalb so schwer – eine ungewollte Nebenwirkung also. Genmais ist auch gezüchtet. Nur halt im Labor, dafür ohne Nebeneffekte, aber trotzdem verboten in der EU. Deshalb hat Pflanzenphysiologe David Spencer einmal erklärt, was hinter der bösen Gentechnik steckt und warum sie sogar hilfreich sein kann, um die Pflanzen vor Krankheiten zu schützen. So hat er sich zusammen mit Verena Romoth zum Titel geslammt und direkt mal die frisch-gewonnene Flasche Philosophier-Wein angesetzt. Seiner Meinung nach braucht es „mehr Leute, die die Wissenschaft kommunizieren“. Egal ob man erst später zu seinem Fachgebiet gekommen sei oder mit 17 studiert, solange man für eine Sache brennt. Man sei kein „Industrie-gesteuerter Lakai“ sondern jemand aus der ersten Reihe und will nur was erzählen, was einem gefällt.

In diesem Sinne: Mehr Slamer braucht das Land!

Der nächste Science Slam im Pantheon findet am 29.10. statt.

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